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Wunderschön, aber auch linear: Rätselspiel The Sojourn im Test

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Mit The Sojourn präsentiert Shifting Tides ein neues Rätselspiel für den Epic Games Store. “Eine Geschichte von Licht und Dunkelheit und dem verzwickten Wesen der Realität” soll es sein. Unsere Autorin Marie hat einen Blick drauf geworfen.

Vorab sei schon einmal gesagt, dass ich Rätsel wirklich mag und mir auch einbilde, nicht nur eine Kartoffel zwischen meinen Ohren zu lagern. Daher war ich auf The Sojourn entsprechend gespannt, das ja auch noch mit einer tiefgründigen Geschichte aufwarten wollte. Schon im Hauptmenü wird schnell klar, welche Atmosphäre im Spiel aufgebaut werden soll. Die Musik hat mir sofort gefallen und auch das Intro war vielversprechend.

Man folgt in der Ego-Perspektive zwei schwebenden Lichtern durch eine verlassene Ruine und stößt schließlich auf die ersten Statuen. Diese tauchen während des gesamten Spiels immer wieder auf und erzählen die Geschichten in The Sojourn.

The Sojourn’s Geschichte? Welche Geschichte?

Ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, was dieses Spiel mir eigentlich sagen will. Man folgt einem Kind auf seinem Lebensweg und die einzigen erzählerischen Elemente sind besagte Statuen, glückskeksartige Sprüche und ein Symbolismus, der selbst Deutschlehrer in den Burnout treiben könnte. Zunächst tragen nur die beiden Eltern eine Augenbinde, bald jedoch wird diese auch dem Kind zeremoniell übergeben.

Solche Szenerien, leuchtende Steinanhänger und die Namen der Level (“Erstes Licht”; “Leere Verzückungen”) gaben mir schnell das Gefühl, dass man mit der Nase auf etwas gestoßen wird. Und gleichzeitig fragt man sich die ganze Zeit, was hier eigentlich los ist.

Rätsel im Fokus: Natürlich gibt es verschiedene Arten, die Geschichte in The Sojourn zu interpretieren. Alles ist möglich, angefangen bei einer Metapher für das Erwachsenwerden, Depressionen oder Batmans Reise zu sich selbst. Fakt ist allerdings, dass die Storyelemente relativ rar gesät sind und eindeutig die Rätsel im Vordergrund stehen. Was man einem Rätselspiel nicht unbedingt vorwerfen kann. 

The Sojourn
Was will der Autor uns damit sagen?

Spaß mit Statuen

Rätsel sind in The Sojourn der einzige Weg, um das Spiel voranzutreiben. Zunächst wird man fast schon überfürsorglich an die Grundmechaniken der Logikrätsel herangeführt. Diese bestehen vor allem zu Beginn aus der richtigen Verwendung von Statuen. Mit manchen kann man teleportieren, eine Harfe repariert Brücken und sogar Portale finden ihren Platz.

Der Hauptpunkt hierbei ist jedoch die “Dunkelheit”, die sowohl manche Wege erst ermöglicht, aber auch den Aktionsradius einschränkt. Im Laufe des Spiels kommen immer mehr solcher Mechaniken hinzu, bis sich daraus wirklich komplexe und kniffelige Rätsel ergeben. Ich bin immer wieder dagesessen und habe verschiedene Lösungswege ausprobiert, bis endlich der Aha-Moment eingetreten ist. Dieser ist übrigens die einzige Belohnung, die man erhält. Natürlich, man kommt ein Stückchen weiter, aber nur, um noch mehr Rätsel dieser Art zu lösen.

Denen, die also etwas mehr Ansporn brauchen, könnte relativ bald die Puste ausgehen – es ist Rätseln, um des Rätselns willen. Das ist auch überhaupt nicht schlimm! Vor allem, da die meisten Herausforderungen auf ihre Art spannend und interessant sind. Aber man sollte eben wissen, was einen erwartet. 

The Sojourn
Jede Statue hat eine andere Funktion.

Schlicht, aber wunderschön

Es ist vermutlich zu weit hergeholt, aber irgendwie erinnert mich das Spiel an Epistory: Typing Chronicles. Die Art und Weise, wie sich die Rätsel und Landschaften Stück für Stück entfalten und einfach die ganze Atmosphäre. Insgesamt steckt viel Kreativität und Schönheit im Design von The Sojourn, was auf alle Fälle besonders und für mich auch reizvoll ist.

Doch auch wenn man immer wieder in neue Kapitel und Gebiete kommt, wird es optisch schnell etwas eintönig. Auch die Musik ist vor allem am Anfang wunderschön, allerdings bietet sie recht wenig Abwechslung und irgendwann wünscht man sich vielleicht ein paar andere Klänge als sphärische Fahrstuhlmusik. 

The Sojourn
Die wunderschönen Gebiete sind ein echter Pluspunkt.

Warten auf Godot

Das Gefühl, ein bisschen im luftleeren Raum zu schweben und nicht zu wissen, wo es hingeht, ist auf alle Fälle ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Nur sehr langsam kommt man voran und ich habe oft genug das Gefühl gehabt, dass das Spiel ein bisschen ins Nichts geht. Man steuert auf nichts zu, es gibt keine Belohnungen oder ein Gefühl von Fortschritt für gelöste Rätsel und auch die Geschichte selbst lässt sich sehr viel Zeit.

Unausgeglichene Rätsel: Ebenso sind die Rätsel ab einem bestimmten Punkt oft repetitiv und wechseln immer wieder zwischen sehr einfach und doch recht frustrierend. Zwar liegt noch alles im Bereich des Machbaren, aber da das Spiel sehr linear angelegt ist, kann man oft nicht auf eine andere Herausforderung ausweichen und steckt fest. Denn zurück kann man auch nicht. Das ist vor allem deshalb schade, weil es einen Haufen an Bonusleveln gibt, die jedoch alle verloren gehen, wenn man sie nicht sofort löst. 

The Sojourn
Die Glückskekssprüche sind vermutlich Geschmackssache.

Mein Fazit:

Insgesamt lässt sich sagen, dass The Sojourn wirklich nur ein reines Rätselspiel mit einer Prise Story ist. Wer genau so etwas möchte, könnte mit The Sojourn seinen Spaß haben – vorausgesetzt man bringt ein wenig Geduld mit. So interessant und kreativ die Rätsel auch sein können, sie können schnell repetitiv werden und ich hatte immer wieder das Gefühl, jetzt etwas abarbeiten zu müssen.

Es ist ein bisschen bedauerlich, da hier die Basis für eine besondere Art des Storytellings gelegt ist, aus der man so viel mehr hätte machen können. Insgesamt hat The Sojourn viele gute Ansätze, nur leider gelingt eben nicht alles. Sowohl die ganze Atmosphäre – die wirklich schön ist, als auch die Rätselmechaniken sind sehr gut gelungen. Ich persönlich würde The Sojourn daher vor allem großen Rätselfans und den Konsum in kleineren Häppchen empfehlen, da sonst Langatmigkeit einsetzt.

Was ist dein Eindruck von The Sojourn? Wie wichtig ist dir eine Geschichte bei Rätselspielen?

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Marie-Lena Ege
Marie-Lena tobt sich schon seit beinahe 13 Jahren in der Gaming-Welt aus und ist in fast allen Genres zu finden. Vor allem Survival- und Rollenspiele haben es ihr angetan. Sie ist ein nachtaktives Wesen, empfindet ihr Frühstück als eine spirituelle Erfahrung und besitzt vermutlich genug Tee, um ganz London eine Woche lang versorgen zu können.