Through the Woods Review


Im Test: Die Windows-Version


Das Ende Oktober veröffentlichte Horrorspiel Through the Woods vom norwegischen Entwickler Antagonist führt den Spieler in die Welt der nordischen Mythologie und Folklore. Als Mutter, dessen Sohn entführt wird, begibt sich der Spieler auf die Suche und begegnet dabei gefährlichen Kreaturen.

Wir haben uns Through the Woods angesehen und Dan Wakefield, CEO/Co-Founder von Antagonist und Sound Engineer des Spiels, ein paar Fragen gestellt.

Was ist Through the Woods?

Through the Woods ist ein Horror-Adventure, das in den Wäldern der norwegischen Westküste stattfindet, genauer gesagt auf Hoddmímis holt. Der Spieler übernimmt die Rolle einer jungen Mutter, die gemeinsam mit ihrem Sohn Espen Urlaub macht. Als der Sohn unerwartet entführt wird, beginnt ein Wettkampf gegen die Zeit und die unbarmherzigen Kreaturen der Insel. Dabei sprechen wir nicht von Wölfen oder Bären, sondern von Huldras, Nøkken, Trollen, Wargs und Hexen, die allesamt aus der nordischen Mythologie und Folklore stammen.

Einen ausführlichen Artikel zur Hintergrundgeschichte von Through the Woods könnt ihr hier nachlesen: Through the Woods – Atmosphärischer Horror trifft auf Nordische Mythologie

Achtung: mögliche Spoiler!

Wir möchten euch darauf hinweisen, dass dieses Review womöglich ein paar Spoiler enthalten kann. Solltet ihr das Spiel selbst in vollen Zügen genießen wollen, lest den Artikel erst nach dem Durchspielen. :)


Die Ruhe vor dem Sturm

Der Start des Spiels beginnt idyllisch und ruhig. Mit unserem Sohn Espen erreichen wir ein Ferienhaus im Wald, wo wir uns auf unsere Arbeit als Architektin stürzen und gleichzeitig mit Espen mehr Zeit verbringen möchten. Hier lernen wir in aller Ruhe die Steuerung des Spiels und erfahren, dass die Mutter aufgrund ihrer Arbeit eigentlich gar keine Zeit für ihren abenteuerlustigen Sohnemann hat.

Und so geschieht, was geschehen musste. Die Mutter arbeitet die Nacht durch, verschläft den ganzen Vormittag und vermisst plötzlich ihren Sohn. Nachdem sie ihn unten am Wasser auffindet, folgt die bitterböse Erkenntnis, dass ein unbekannter Mann dabei ist, ihn auf ein Boot zu entführen.

Das lassen wir nicht einfach so geschehen und springen ins kalte Nass. Auf dem Boot ist der Unbekannte aber deutlich schneller und wir verlieren ihn. An neuem Ufer angekommen, beginnt auch schon das eigentliche Spiel.

Through the Woods
Der Entführer ist zu schnell für uns – hier beginnt Stimmungsvoll das eigentliche Spiel

Es wird dunkel

Die meiste Zeit des Spiels findet in der Nacht statt, lediglich zu Beginn und am Ende wird der düstere Wald durch das Sonnenlicht erhellt. Genau hier startet der Horror, denn die Dunkelheit lockt einige Kreaturen aus ihrem Versteck. Der Spieler lernt schnell, dass die vielen auffindbaren Texte über mystische Kreaturen kein dummer Aberglaube, sondern durchaus real sind.

Thourg the Woods Troll
Waldtrolle wollen dem Spieler ans Leder – hier heißt es Rennen!

Mit einer Taschenlampe ausgerüstet, begibt sich der Spieler in die dunklen Wälder der Insel, immerhin steht das Leben des eigenen Sohnes auf dem Spiel.

Auf in die Natur!

Das Gameplay ist relativ simpel gehalten. Als Spieler wandern wir durch die Wälder, Höhlen und Berge. Dabei ist es uns auch möglich zu rennen oder zu schleichen, wobei das Schleichen in den wenigsten Situationen sinnvoll ist und man den Großteil des Spiels am Rennen ist.

Die Taschenlampe ist unser bester Freund, jedoch hätten wir uns ein paar mehr Spielereien damit gewünscht. Beispielsweise Batterien, die gefunden werden müssen oder Kreaturen, die durch das Licht auf uns aufmerksam werden und wir gezwungen wären, im Dunkeln weiter zu laufen.

Um an nützliche Informationen heranzukommen, können wir viele Texte und Geschichten im Spiel entdecken und lesen. Die sorgen nicht nur für die Atmosphäre, sondern tragen auch zur Hintergrundstory bei.

Nach etwa drei Stunden ist der gruselige Spaß auch schon vorbei. Entdeckerfreudige Spieler werden wohl rund fünf Stunden benötigen, um auch alle Objekte zu finden.

Hoddmímis holt

Der Ausgangsort des Geschehens ist die Insel „Hoddmímis holt“ aus der nordischen Mythologie, die von diversen Kreaturen bewohnt wird. Dabei begegnen wir nicht nur Fabelwesen aus der nordischen Mythologie, sondern auch aus der Folklore.

Die Insel wirkt einerseits in den verschiedenen Arealen offen und frei begehbar, das täuscht aber. Through the Woods lässt sich sehr linear spielen, was der Atmosphäre und dem tollen Design aber keinesfalls schadet. Aufgrund der vielen auffindbaren Objekte und Notizen ist das Erkunden aber ein Teil des Spiels und lädt zum mehrmaligen Durchspielen ein, wenn man etwas beim ersten Mal übersehen hat.

Die Kreaturen in Through the Woods

Im Spiel begegnet man einigen Kreaturen, auch wenn nicht alle so gefährlich sind, wie man auf den ersten Blick erahnt.

Trolle

Die ersten Kreaturen, denen man begegnet, sind Waldtrolle. Im späteren Spielverlauf und höher in den Bergen gelegen leben Berg- bzw. Frosttrolle, die dem Spieler ebenfalls nichts Gutes wollen. Man kann den Trollen nichts entgegenbringen und so ist man aufgefordert, einfach zu rennen.

Nøkken oder Nixe

Der Nøkken, oder wie es im deutschen heißt „Nixe“ ist eine Kreatur, die im Wasser lebt. Sie beobachtet ihre Opfer mit leuchtenden Augen und greift sie plötzlich aus dem Wasser heraus an. Im Spiel gibt es aktuell eine einzige Stelle, an der man ihr begegnet. Angreifen tut die Kreatur aber nicht, da sie bis zum Release nicht fertig wurde. Ein Patch soll das später aber beheben.

Through the Woods Nixe
Die Geschichten der Dorfbewohner bieten dem Spieler viele Storyelemente.

Auf unsere Frage, ob man den Nøkken öfters begegnen kann, antwortete Dan Wakefield wie folgt:

Originalzitat:

„No, it’s just there the one time right now. It’s actually huge and we made it so it can eat you if you get to close to the water, but it needed more testing and we had to cut it eventually. I’m hoping we can put it back in in a patch pretty soon.“

Deutsch:

„Nein, aktuell gibt es Nøkken nur an dieser einen Stelle. Es ist ziemlich groß und wenn man zu nah heran geht, soll es dich fressen können. Aber es benötigt mehr Tests und wir mussten es herausschneiden. Ich hoffe, wir können es bald in einem Patch zurückbringen.“

Huldra

Die Huldra ist eine „Frau“, die durch die Wälder streift. Meistens hört man nur den Schrei der Huldra als Zeichen dafür, dass sie in der Nähe ist. Im Spiel ähnelt die Huldra einem weiblichen Dämon und lässt sich mit der Taschenlampe vertreiben. Wer als Spieler aufpasst, hat also nichts zu befürchten.

Die Wargbrüder

Im späteren Spielverlauf begegnen wir zwei altnordisch sprechende Wargen, große unsterbliche Wölfe, die jedoch vor unserer Taschenlampe und einer Fackel zurückschrecken. Leider ist die Passage, in denen wir den Wargs begegnen, relativ kurzweilig. Wir hätten gerne mehr von ihnen gesehen.

Weitere Kreaturen

In Through The Woods begegnet der Spieler noch weiteren Kreaturen, die einen kurzen Auftritt haben. So etwa einem riesigen Warzenschwein, einer Sumpfhexe, einem riesigen Hund und ab und zu einem kleinen Affen, der uns das ein oder andere Mal ziemlich überrascht hat.

Auf die Frage, welche Kreatur Dan Wakefield am liebsten hat, antwortete er:

Originalzitat:

„I think my favourite creature has to be the giant frost troll you see fighting in the middle of the game. He’s the most brutal troll in the game and speaks simple phrases in ancient Norse. „

Deutsch:

„Ich glaube, meine Lieblingskreatur ist der große Frosttroll, den man in der Mitte des Spiels kämpfen sieht. Er ist der brutalste Troll im Spiel und spricht einfache Sätze in altnordisch“

Auch wir müssen zugeben, dass uns die Begegnung mit dem großen Frosttroll zwei mal das Leben gekostet hat.

Story und Plotwendungen

Ist der Spieler zu Beginn des Spiels noch davon überzeugt, die gute, liebevolle Mutter zu spielen, wird gegen Ende klar, das dem nicht so ist. Aber auch andere Storyelemente zum Entführer, der Geschichte der Insel und auch zum Jungen werden im Spielverlauf immer weiter enthüllt. Die fünf Phasen der Trauer inklusive der Akzeptanz am Ende werden durch die eigenen Monologe der Mutter gut in Szene gesetzt, auch wenn man oftmals nicht ganz genau weiß, in welcher Phase sich die Protagonistin denn nun befindet. Das hätte man durchaus klarer ausdrücken können.

Das die Mutter aber gegen Ende als „Böse“ empfunden wird, war von den Entwicklern gar nicht beabsichtigt. Dan Wakefield wollte sie zwar mit Fehlern versehen, aber die Spieler sollten sich am Ende nicht emotional distanzieren.

Originalzitat:

„Yes, she is certainly flawed. Now I’ve watched a lot of people play it, I think maybe I made her too flawed. I mean she’s almost evil in a way. I never meant to make her so bad.

„I wanted to make her flawed. I wanted to make her human and to give her a dark past. I wanted to communicate that this isn’t a perfect mother and that maybe, in a way, she deserves what’s happening to her. I knew that what she does in her past is very bad and shocking, but I didn’t think that people would start to disconnect from her emotionally. That was perhaps something that should have been tested more on people we didn’t know.“

Deutsch:

„Ja, sie ist definitiv Fehlerhaft. Ich habe nun viele Spieler gesehen, wie sie es spielen und ich denke, dass ich sie vielleicht zu fehlerhaft gemacht habe. Ich meine, sie ist auf einer Weise schon fast böse. Es war nie meine Absicht, sie so böse zu machen.“

„Ich wollte sie Fehlerhaft machen. Ich wollte sie menschlich machen mit einer dunklen Vergangenheit. Ich wollte klarstellen, dass sie keine perfekte Mutter ist und evtl. verdient, was ihr zustößt. Ich weiß, dass was sie in der Vergangenheit getan hat, ist wirklich böse und schockierend, aber ich hätte nicht gedacht, dass sich die Spieler emotional distanzieren würden. Das ist etwas, dass möglicherweise mehr Tests benötigt hätte, mit Personen, die wir nicht kennen.“

Wir waren jedenfalls von der Wandlung des Charakters überrascht und finden es gut, dass es so passiert ist, auch wenn es ungewollt war.

Sound

Die Soundkulisse sowie der Soundtrack von Through the Woods trägt viel zur Atmosphäre bei. Die altnordisch sprechenden Kreaturen sorgen regelrecht für Gänsehaut und auch die nervenaufreibenden Geräusche während der verschiedenen Todesszenen lassen die Fantasie des Spielers aufblühen. Kein Wunder also, dass die Todesszenen Dan Wakefield den meisten Spaß bereitet haben. So antwortet er auf unsere Frage, was am meisten Spaß in der Entwicklung gemacht hat, wie folgt:

Originalzitat:

„I can’t speak for the other guys, but for myself it was creating the death sequences. You don’t see anything, you just hear what’s happening. There’s a lot of squelching, cutting and crushing going on and it’s all done with just audio. It was very fun to create. „

Deutsch:

„Ich kann nicht für die anderen sprechen, aber für mich war es die Erstellung der Todesszenen. Du siehst nichts, du hörst nur was passiert. Es gibt viel Rauschen, Schnitte und Brechen, und alles nur mit Audio. Es hat viel Spaß gemacht.“

Fazit

sascha-200x200Through the Woods ist ein kurzes Spielerlebnis und ist für meinen Geschmack etwas zu linear. Die Geschichte, die Folklore und die verbundene nordische Mythologie hat mir jedoch sehr gefallen. Die auffindbaren Objekte und Texte haben einiges zur Story beigetragen und es war interessant diese Infos auf diese Weise zu bekommen.

Die Kreaturen sind alle gut ausgearbeitet, jedoch empfand ich sie als zu geringe Bedrohung und einige kommen einfach zu selten vor, als dass sie in der Erinnerung bleiben.

Das Spielerlebnis wird durch den atmosphärischen Sound unterstützt, der in jeder Situation für das richtige Feeling sorgt. Auch die Vertonung, wahlweise auf Englisch oder Norwegisch, ist gut gelungen. Die altnordisch sprechenden Wargs sind soundtechnisch ein wahres Highlight, davon hätte ich gerne mehr gesehen/gehört.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Story
6
Grafik
6
Gameplay
6
Spielspaß
7
QUELLESurvivethis
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Sascha ist seit vielen Jahren leidenschaftlicher Zocker, dabei haben ihn Survival Spiele schon immer interessiert. Neben der Leitung von Survivethis zockt Sascha auch gerne ein paar Runden mit Freunden oder fährt zur Entspannung mit dem Motorrad.

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