Steam Direct Kritik - Spieleschrott

Steam Direct ist, wie wir alle wissen, die vielerseits geforderte Aschenputtel-Maßnahme Valves: die guten ins Töpchen, die schlechten ins Kröpfchen. Getreu diesem Motto sollte auf diese Weise der Steam’sche Spieleschrott minimiert werden – doch auch elf Monate nach dem Launch ist weder im Bereich der Survival Games noch in anderen Genres etwas von einem „harten Durchgreifen“ zu spüren. Warum nicht? Die Erklärung ist einfach.

Steam Direct: Und Gabe lachte sich ins Fäustchen

Nach dem relativen Suizid der Spielemüllschleuder Digital Homicide glaubten wir alle wieder ein Stück weit an ausgleichende Gerechtigkeit. Unter dem Geläut der Steam-Greenlight-Todesglocken überrollte der haarige Dampfhoden des Todes zu guter Letzt auch seine Schöpfer. Fast schon sah unsere Zukunft bei Valve rosig aus, denn nicht nur hatte König Newell den Oberdämon des Reichs verwiesen. Nein, schon bald würde er gar keine Dämonen mehr in seinen heiligen DRM-Hallen dulden.

Steam Greenlight - Missbrauch
Ja, Steam Greenlight wurde missbraucht – doch Onkel Gabe kam das gerade recht.

Des Herrschers Erlass dazu lautete: „Stampfet ein, das unsägliche Greenlight, auf dass der Spieleschrott in Zukunft weniger werde. Und dafür komme Steam Direct, ein Distributionsprogramm, bei dem ausschließlich wir darüber entscheiden, ob ein neues Spiel den Ansprüchen des gemeinen Pöbels gerecht wird“. Seine Untertanen taten, wie ihnen geheißen – und stellten rasch ein paar zusätzliche Hürden auf.

Inklusive Sprachbarrieren.

– What To Expect
– Informationen, die Sie bereithalten sollten:
– Regeln und Richtlinien
– Accepted types of content (We are currently accepting (…), Zusätzlich zu den oben genannten Punkten (…)

 

However, dies sollte letztlich nichts daran ändern, dass binnen zwei Monaten mehr als eintausend Spiele über diese Hürdchen hüpften; ganze 200 davon allein während der ersten zwei Wochen. Und grundsätzlich klang das ja irgendwie klasse, denn sicher würden sich unter so vielen neuen Titeln auch einige gute Survival- und Horrorspiele befinden. Oder etwa doch nicht?

Steam Spieleschrott
Steam (Direct): Bilder sagen mehr als 1000 Worte.

Was Newell und Trump gemein haben

Okay, das war eine rhetorische Frage, kennen wir Mr. Newell schließlich als einen 1a-Geschäftsmann. Die Methode, welcher er sich im Falle von Direct bedient, ist allerdings ein alter Hut – und branchenübergreifend gängig. Sie erinnert ein wenig an den Subtitel eines hoffentlich Nicht-Bestsellers vom irgendwie orangefarbenen US-Präsidenten Donald Trump: „Wie ich meine größten Herausforderungen in meine größten Triumphe verwandelte“. Denn Newell stand ja unter Zugzwang – und doch machte ihn seine vermeintliche Misere am Ende nur noch reicher.

So erhöhte Gaben die Einsendegebühr für Entwickler kaum. Und argumentierte: „Jut, Kinners; wir wollen das Ganze mal nicht zu teuer machen, sonst berauben wir weniger betuchte Talente ihrer Chancen“. Was er sich dabei allerdings wirklich dachte, ist: „Sauber, noch mehr Kohle für Papa. Als ließen sich naive Newcomer von ein paar Hürden mehr abschrecken – ich liebe (liebe!) das menschliche Geltungsbedürfnis“. Womit er letzten Endes auch recht behalten sollte. Aber der Steam-Chef hat noch ganz andere Klamotten in seiner Trickkiste.

Gabe Newell vs. Donald Trump
No shit, sherlock!

Ihr verkauft wenig? Sehr gut!

Zum Beispiel legt er vertraglich fest, dass Verkaufserlöse von bis zu 1000 US-Dollar bei ihm verbleiben. Auch große Musikfirmen oder Plattenlabels veröffentlichen Musik gerne unter einer ähnlichen Auflage. Die Veröffentlichung von Müll zahlt sich also aus; und je mehr Müll Steam veröffentlicht, desto besser. Für Gabe. Jedoch sichert sich Letzterer natürlich auch für den Fall ab ab, dass sich ein potentiell nicht zugstarkes Game wider Erwarten gut verkauft. Zwar zahlt er dem jeweiligen Entwicklerteam die erhobene Gebühr dann zurück. Das größte Stück vom Kuchen aber erhält grundsätzlich…? Valve.

Und wen wundert es angesichts dessen, dass sich der Konzern gegen eine deutlich höhere Einsendegebühr sträubt. Ein (wieder mal) verbesserter Suchalgorithmus würde das Problem schon richten, so Valve; die Spieler erhielten ihren Präferenzen entsprechende Ergebnisse. Zu Deutsch: Mit etwas Glück bliebe ihnen die alte neue Müllhalde weitgehend verborgen – wenn auch auf Kosten vielfältiger Vorschläge.

TL;DR – Vielen Dank für eure Empörung

Unter dem Deckmantel der „Schrottbekämpfung“ hat Newell sozusagen die Macht an sich gerissen: Während der User zuvor schlechte Spiele nämlich noch ablehnen konnte, steht ihm dieser nun nicht mehr im Wege. Die Flut an krebserregenden Spielen dürfte daher nicht abebben, denn mäßig bis gar nicht talentierte Indies sind ein einträgliches Geschäftsmodell. Sie verkaufen oft viel zu wenig, als dass sie jemals ausbezahlt würden – etwaige Einnahmen bis zu 1000 Dollar verbleiben beim Chef.

1 KOMMENTAR

  1. Schöner Beitrag und ich bin der Meinung das man dieses Thema viel grösser ausweiten sollte.

    Denn es ist echt unterträglich was man in Steam vor die Nase geknallt bekommt. Sucht man ein vernünftiges Spiel muss man fast ne halbe Stunde suchen gehen.

    Die Tage habe ich mir mal die Neuerscheinungsliste angeschaut und musste glaube bis zu Seite 7 blättern, bis ich mal ein halbwegs professionelles Spiel gefunden habe. Der ganze Rest davor war nur Müll.

    Schlimme ist ja, die Müll-Spiele haben ja trotzdem Verkäufe. Solange Leute sowas kaufen, werden die auch nichts unternehmen.

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