Sheltered Titel Review


Im Test: Die Windows-Version


Leben in einem Atomschutzbunker – mit Sheltered bringt uns das Indiestudio Unicube für ein Survival-Management-Game in 2D unter die Erde. Ein Jahr haben wir gegen den Tod durch Strahlung, Hunger und Raider gekämpft.

Die Welt in Schutt und Asche

Vermutlich im Anschluss an den dritten Weltkrieg, sitzen wir mit unserer vierköpfigen Familie in unserem Strahlenschutzbunker fest. Die Charaktere sind selbst erstellt mit Aussehen, Namen, Persönlichkeit und Fähigkeiten. Eine Katze konnten wir ebenfalls unter die Erde retten. Die Oberfläche ist verstrahlt, und Stürme wirbeln über die Oberfläche. Unsere Überlebenssysteme sind ein Generator, der mit Benzin läuft, eine Luftfilter-Anlage und ein Regenwasser-Kollektor. All diese Systeme müssen regelmäßig repariert werden, wofür wir auch im Schutzanzug an die Oberfläche müssen.

Das wird zur Gewohnheit, und schließlich müssen wir unsere erste Expedition antreten – denn die Vorräte gehen zur Neige. Mit Atemschutzmasken und provisorischen Waffen ausgerüstet, schicken wir 2 Familienmitglieder los, zu denen wir über ein Funkgerät in Kontakt bleiben. Zombie-ähnliche Mutationen gibt es hier nicht. Dafür umso mehr Überlebende, die sich wie wir in dieser menschenfeindlichen Umgebung durchschlagen müssen. Mit manchen können wir handeln, einige bitten uns um Obdach. Doch das können wir nicht allen bieten, dazu haben wir zu wenige Ressourcen, und auch die Luftversorgung unter der Erde würde noch nicht für mehr reichen.

Graduell ausbauen, die Familie langsam vergrößern, den Bunker erweitern und die Sicherheit gegenüber den Gefahren da draußen erhöhen – der Plan klingt gut. Doch kann das so einfach sein?

Der Kampf ums Überleben

Während unsere Startbedingungen gar nicht so schlecht sind, sind wir schnell von der Bandbreite an Herausforderungen überfordert: Die Katze miaut, sie hat Hunger und keine Lust mehr darauf, Ratten zu fangen. Es regnet wenig, und Rationen sind rar. Wir finden kein Gummi, den Rohstoff, den wir sowohl zum Ausbau der Basis, als auch für die Gasmasken benötigen. Ohne Gasmasken wiederum haben wir keinen Schutz vor der kontaminierten Luft da draußen.

Es ist bei jedem Ausflug mehr oder weniger ein Glücksspiel, von welcher Ressource wir viel finden. Viel Müll bleibt liegen, den wir noch nicht wiederverwerten können. Wir übersehen, dass einer unserer Überlebenden strahlenkrank ist – einer weniger im Bunker. Aber sein Platz ist schnell wieder aufgefüllt, denn Bewerber für einen Platz unter der Erde gibt es zur Genüge. Für die Leiche finden wir ebenfalls Verwendung: Als Brennstoff im Ofen, um unseren Benzinverbrauch zumindest für einen halben Tag zu verringern – oder als Notration.

Bunker in Sheltered
Alles wird gut: Klein-Tommy mit seinem neuen Freund Jeffery in den Strahlenschutzanzügen.

Wir müssen uns leider für letzteres entscheiden, um den Rest der Familie über die Runden zu bringen. Diese ist am Verzweifeln, und die Überreste ihres Vaters zu essen, heitert die Stimmung nicht gerade auf. Die Mutter stirbt durch ihre Nahrungsverweigerung und findet sich ebenfalls schnell im Kühlschrank wieder. Die armen Kinder, die das Survival-Management durchführen müssen. Doch ausreichend Bewerber für einen freien Platz unter der Erde gibt es weiterhin, auch wenn sie gelegentlich wieder abhauen, wenn ihnen zur Begrüßung unsere Eltern zum Essen vorgesetzt werden.

In einem verzweifelten, letzten Aufbäumen schicke ich den kleinen Tommy mit der letzten Gasmaske und einer Plastiktüte auf seine letzte Expedition. Später wird der Bunker angegriffen und seine restlichen Überlebenden ermordet. Klein-Tommy’s Funkanfragen bleiben unbeantwortet.

Wie ein Phönix aus der Asche

Es mag vielleicht ein Weckruf für Klein-Tommy gewesen sein, als er in den Bunker zurückkehrte und die Leichen seiner Schwester und zwei weiterer vorfand. Er reparierte die Türen und funkte um Hilfe. Er fand in Jefferey einen neuen Freund, mit dessen Hilfe sie die Basis wieder auf Vordermann brachten. Klein-Tommy blieb von jetzt an in der Basis und überließ anderen das Sammeln.

Es gelang der Gruppe, wieder zu wachsen, und schließlich sitzen Klein-Tommy und seine Freunde auf Bergen von frisch-gefangenem Elchfleisch und gefiltertem Wasser. Automatische Selbstschuss-Anlagen und Tresortüren schützen inzwischen den Bunker vor Eindringlingen und selbst Konfrontationen mit dem Militär können wir aus dem Weg gehen. Unsere Katze ist tot, aber an die Ratten haben wir uns gewöhnt.

Bunker unter der Erde in Sheltered
Schon ein dickes Ding: Der fast vollständig ausgebaute Bunker. Klein-Tommy schläft im Bett.

Ein Jahr ist vergangen. Wir arbeiten daran, uns einen Wohnwagen fit zu machen, damit wir weiterziehen können – hoffentlich an einen besseren Ort. Dann aber lieber mit einem Goldfisch als einer Katze.

Survival vs Management

Sheltered bringt ein gelungenes Management-System in das Survival-Setting. Die Reichweite an Möglichkeiten ist groß und ihr könnt immer wieder einen Trick dazulernen. Die Verwaltung von menschlichen Bedürfnissen wie Essen, Trinken und dem Verrichten der Notdurft nimmt euch bei Bedarf eine angenehme KI-Assistenz ab, die euch bei Aufträgen wie Wartungsarbeiten und Expeditionen angenehm unterstützt und nicht behindert. Oft entstehen Wartezeiten, denn im Bunker gibt es weitaus weniger zu machen, während ihr auf die Rückkehr eures Expeditionstrupps wartet. Diese könnt ihr mit der Zeitbeschleunigung auf Shift aber ganz einfach überspringen.

Ein rundenbasiertes Kampfsystem spielt Fähigkeiten wie Stärke und Geschicklichkeit gegeneinander aus, wobei ihr eure Gegner nicht unterschätzen solltet. Oft reichen wenige starke Angriffe und einer eurer Überlebenden liegt tot auf der Erde. Die bequeme Option, einen Konflikt automatisch berechnen zu lassen, endet so immer mal wieder überraschend im Tod der Expeditionsmitglieder.

Das Spiel weist eine große Vielzahl an Überlebenstechniken auf. Neben Hunger, Durst und Strahlenkrankheit gibt es Lebensmittelvergiftungen und Traumata. Dürrephasen und Zeitabschnitte mit wenigen Wildtieren können euch extrem zusetzen. Einmal nicht aufgepasst können so ganz schnell einige Überlebende sterben.

Passt das Gesamtbild?

Zu Beginn war ich äußerst skeptisch Sheltered gegenüber: Pixelige Retro-Grafik und die Zeitbeschleunigung entfremden schnell von der liebevoll kreierten Familie. Wenn die ersten Mitglieder versterben, merken wir schnell, dass ein Überlebender wie der nächste ist. Das Suchen und Warten auf eine spezielle Ressource ist frustrierend und langwierig. So verbrachte ich große Zeitabschnitte mit dem Funken nach Händlern, um endlich einen zu finden, der die benötigten Teile besaß. Die Aspekte von eiskaltem Management und atmosphärischem Survival beißen sich hier leider – die Atmosphäre und das Mitgefühl für Charaktere, die zum Kannibalismus gezwungen sind oder sich täglich aufgrund von Lebensmittelvergiftungen übergeben müssen, blieben für mich auf der Strecke. Dafür verantwortlich sind die Langatmigkeit, automatisierte Vorgänge, Zeitbeschleunigung und generierte Charaktere ohne Geschichte oder wirkliche Gefühle. This War of Mine spielt hier in direkter Konkurrenz, setzt jedoch die Atmosphäre um Klassen besser um.

Als Erstlingsprojekt von Unicube und für wirklich kleines Geld handelt es sich bei Sheltered um ein durchaus gutes und durchdachtes Projekt. Nach 20 Stunden Spielzeit und einem Jahr in der Postapokalypse kehre ich Klein-Tommy mit einem Lächeln auf dem Gesicht den Rücken. Aber ohne großes Bedauern um seine tote Familie.

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