Am 5. Juli haben wir den Saurian-Projektleiter Nick „Jobaria“ Turinetti live im Twitch-Stream interviewt. Nick sprach mit uns über den derzeitigen Stand der Entwicklung, die Kickstarter-Kampagne und die ehrgeizigen Pläne für die Zukunft des Spiels.

Die gezeigten Videobilder liegen Survivethis.news exklusiv vor. Insbesondere die Vegetation betreffend handelt es sich dabei jedoch nicht um finale Spielinhalte, sondern lediglich um Platzhalter. Im Folgenden lest ihr den ersten Teil der Zusammenfassung des Interviews auf Deutsch. Weitere Informationen zu Saurian findet ihr im Interview von MeatyLocks, dessen Inhalt wir in der Vergangenheit für euch übersetzt haben.

Was ist Saurian?

Für alle, die noch nicht wissen, von welchem Titel hier eigentlich die Rede ist, erklärt Nick kurz die grundlegende Idee hinter Saurian. Wir schlüpfen in die Haut eines Dinosauriers und sollen dessen Überleben in einer gefährlichen Spielwelt vom Jungtier bis zum Erwachsenen sicherstellen. Bei der Welt handelt es sich um ein Ökosystem, das der Hell Creek Formation im Nordwesten der USA von vor 66 Millionen Jahren nachempfunden ist.

Das vom Spieler kontrollierte Tier mit Nahrung und Wasser zu versorgen soll einen Großteil des Gameplays ausmachen. Außerdem stehen wir besonders am Anfang selbst auf dem Speiseplan der heimischen Carnivoren und müssen aufpassen, nicht den harten Gesetzen der Natur zum Opfer zu fallen. All dies stellt den Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit. Saurian soll das Leben der Dinosaurier möglichst so wiedergeben, wie es sich nach derzeitigem Stand der Forschung vor Urzeiten tatsächlich ereignet hat.

Die Kickstarter-Kampagne

Saurian befindet sich aktuell in der Entwicklung und konnte auf Kickstarter über 220.000 US-Dollar erzielen. Damit wurde die ursprünglich veranschlagte Entwicklungssumme von 55.000 um mehr als 400% übertroffen. Verglichen mit dem letzten erfolgreichen Kickstarter-Projekt im Dino-Setting, The Stomping Land, konnte Saurian die gesammelte Summe verdoppeln. Im Gegensatz zum unrühmlichen Ende des Open World Survival-Titels strebt Turinetti aber eine tatsächliche Verwirklichung von Saurian an.

„Keiner will wie „The Stomping Land“ enden.“

Nun sehen sich die Entwickler mit dem Stigma konfrontiert, das The Stomping Land mit seinem Scheitern für Kickstarter-finanzierte Dinosaurierspiele geschaffen hat.

Auf die Frage, ob er glaubt, dass Saurian es eines Tages mit den Spielerzahlen eines ARK: Survival Evolved aufnehmen kann, antwortet Turinetti:

„Das ist zurzeit schwer zu sagen. Wir haben auch ganz andere Voraussetzungen als ARK.“

Außerdem konzentriere sich ARK auf völlig andere Gameplayelemente als Saurian. Im Open-World-Survivaltitel von Urvogel Games wird es kein Crafting geben. Auch das Verbessern von Spielerwerten oder das Bauen von Basen wird man in Saurian vergeblich suchen. Alle Zeichen stehen auf Einfachheit – Turinetti spricht von Core-Survival. Abschließend äußert sich der Projektleiter optimistisch:

„Angesichts von über 6000 Unterstützern auf Kickstarter und vieler weiterer Interessierter glaube ich, dass wir in puncto Spielerzahlen gut abschneiden werden.“

Turinetti betont, wie wichtig ihm die Kommunikation mit der Community ist und verspricht, dass die Entwicklung von Saurian nicht im stillen Kämmerlein stattfinden wird. Ein reger Informationsfluss soll sowohl in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook als auch auf Twitch stattfinden.

Kleine Dinos? Wo?

Kommt es zum Thema Fortpflanzung in Saurian, hüllt sich Turinetti weitgehend in Schweigen. Er bestätigt, dass es dieses Feature im fertigen Game geben wird, verweist jedoch darauf, dass sich das Team zuerst vorrangig um andere Aspekte kümmern wird. Entsprechend befindet sich der Entwicklungsstatus dieses Features noch in der Anfangsphase. Das Mating-System mit Partnersuche und Nachwuchsaufzucht soll einer der zentralen Aspekte des Gameplays werden und wird von allen Seiten immer wieder angefragt.

Wir möchten erfahren, ob es zu Partnerschaften mit Nachwuchs zwischen Spielern kommen wird. Da sich der Multiplayermodus möglichst nah am Singleplayermodus orientiert, sollen alle Interaktionen zwischen Dinosauriern möglich sein. Seien es nun KI-Dinos oder menschliche Spieler – im Idealfall werdet ihr miteinander Dino-Kinder bekommen können.

Early Access? – Und wenn ja, wann?

Die wohl brennendste Frage aller Dino-Enthusiasten und besonders der Kickstarter-Backer: Wann kann man Saurian endlich spielen? Urvogel Games arbeitet darauf hin, die erste Early Access-Build gegen Ende 2016 oder Anfang 2017 bei Steam anzubieten. Schlechte Nachrichten für Kickstarter-Backer, die durch ihre Spende einen früheren Zugang zum Game erstanden haben und hoffen, bald einen Key zu bekommen: Ihr müsst euch bis wenige Wochen vor dem Release gedulden. Obwohl Saurian Kickstarter bereits verlassen hat, befindet sich der Entwicklungsstatus noch in dem einer frühen Alpha-Version und wird noch nicht für die Öffentlichkeit freigegeben.

Der Multiplayer-Modus

Eines der Stretch Goals aus Urvogel´s Kickstarter-Kampagne sieht die Realisierung eines Multiplayer-Modus vor. Dieser soll sich ähnlich dem Singleplayer spielen.

„Wir wollen kein Free for all-Deathmatch.“

Turinetti verspricht, der Community neue Informationen zukommen zu lassen, sobald es welche gibt.

Lebenszyklen

Für den Beginn eines Lebenszyklus ist der jugendliche Dinosaurier vorgesehen. Ein Start direkt aus dem Ei heraus würde sich spielerisch schwierig gestalten, da die Neugeborenen ihre erste Zeit im Nest verbrachten – wieder einmal wird klar, wie sehr die wissenschaftlich korrekte Arbeit bei Saurian den Kurs der Entwicklung mitbestimmt. Es kann laut Nick einige Echtzeit-Tage in Anspruch nehmen, einen Jungsaurier zum adulten Exemplar heranwachsen zu sehen. Allerdings sollen dem Spieler möglicherweise Optionen angeboten werden, um die Spieldauer selbst einzustellen.

Außerdem wird es je nach gespieltem Dinosaurier Unterschiede bei der Wachstumsgeschwindigkeit geben – ein Dakotaraptor wird schneller erwachsen werden als ein Tyrannosaurus. Man bedenke hierbei: Nichts von alledem ist bereits final – Nick betont, dass eine angemessene Dauer der Lebenszyklen erst beim Testspielen in einer späteren Phase der Entwicklung ermittelt wird.

Wo der Realismus seine Grenzen hat…

In den meisten Ökosystemen von vor 66-Millionen Jahren waren deutlich mehr Pflanzenfresser als Fleischfresser heimisch. Im simulierten Hell Creek soll diese Gewichtung ebenfalls eine Rolle spielen, jedoch nicht so exakt, wie es tatsächlich vorherrschte. Das Schaffen einer interessanten und herausfordernden Spielwelt erfordert häufig Abstriche in puncto Realismus. Zum Beispiel waren viele Teile der (echten) Welt nur sehr dünn von Dinosauriern bewohnt. Die Tiere sind vielleicht tagelang unterwegs gewesen, ohne einem Artgenossen begegnet zu sein. Jedoch weiß man, dass der Spieler ungern stundenlang durch eine leere Welt irrt. An Stellen wie diesen wird man den Grad des Realismus zugunsten der Spielbarkeit hintanstellen.

Die Spielwelt

Nick spricht über die Größe der Map von Saurian. Zurzeit arbeite man mit einer Karte in der Größe von 2x2km. Das klingt im ersten Moment wenig, wenn man Karten von anderen Titeln wie The Witcher 3 oder Red Dead Redemption zum Vergleich heranzieht. Jedoch gibt Nick zu bedenken, dass es in Saurian weder Fahrzeuge noch eine Schnellreisefunktion geben wird. Demnach müssen alle Strecken zu Fuß bewältigt werden. Zurzeit wägt Urvogel Games ab, die Spielwelt auf 3×3 oder 4×4 km zu vergrößern und eine Option für verschiedene Mapgrößen einzufügen. Worauf die Entwicklung schließlich hinauslaufen wird, kann Nick zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht mit Bestimmtheit sagen.

Auch das Leben der Pflanzenfresser in der Spielwelt wurde besprochen. Eine Frage lautete, ob die Tiere ganze Pflanzen abfressen können und ob diese daraufhin nachwachsen würden. Das bestätigte Turinetti, verwies jedoch darauf, dass es nicht sehr einfach sein wird, sich als Pflanzenfresser zu ernähren. Hat man die Sträucher abgefressen, die der eigene Dino bevorzugt, wird es Zeit weiterzuziehen und mehr Nahrung zu finden. Die Landschaft wird sich langsam regenerieren, jedoch nicht so schnell, dass man an einer Stelle verharren kann.

Communityfragen

Eine Communityfrage zielte darauf, wie wir in Saurian Unterschlupf finden und ob wir Nestbau betreiben können. Auch wurde gefragt, ob es Höhlen im Hell Creek geben wird. Die Entwickler planen, sichere Zonen in der Map zu schaffen, in denen man sich vor den äußeren Einflüssen verstecken kann. Diese können in Form von hohlen Baumstämmen oder Flächen von Dickicht auftreten. Hell Creek war ein Überschwemmungsgebiet, das sich weitgehend auf Meereshöhe befand. Löcher im Boden füllten sich mit Wasser und wurden zu Seen, Höhlen im eigentlichen Sinne gab es schlicht nicht. Anders als Vögel suchten Dinosaurier keine Äste für ihre Nester, sondern rafften eher Schlamm und Pflanzen zusammen, um ihre Eier zu bedecken.

Ein weiterer Zuhörer wollte wissen, wie viel Forschung das Team von Urvogel Games betrieben hat. Wie eingangs erwähnt, beruhen viele Spielelemente von Saurian auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Nick erzählt, wie das Team von Urvogel Games bereits zwei Jahre vor der ersten Ankündigung Saurians intensive Forschung rund um das prähistorische Leben in der Hell Creek Formation betrieben hat und noch heute betreibt. Um die Korrektheit der ins Spiel übersetzten Informationen zu gewährleisten, berufen sich die Entwickler größtenteils auf Daten, welche zeitnah von Wissenschaftlern veröffentlicht wurden.

Wird es spielbare Flugsaurier in Saurian geben? Bei der wissenschaftlich korrekten Wiedergabe von Flugsauriern ergibt sich das Problem, dass Tiere wie zum Beispiel Quetzalcoatlus wahrscheinlich in der Lage waren, stundenlang zu fliegen und riesige Entfernungen zurückzulegen. Dieses sei in einer räumlich begrenzen Spielwelt schwerlich glaubhaft zu simulieren.

Auch Wasserbewohner werden bei Urvogel Games derzeit nicht in die Entwicklungsziele aufgenommen. Aktuell befinden sich die Meeresumgebungen noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium und werden im finalen Release vermutlich nicht mit spielbaren Lebewesen bevölkert sein. Turinetti erklärt das mit dem großen Entwicklungsaufwand, welcher nötig wäre, eine Unterwasserwelt zu simulieren.

„Wir möchten lieber ein paar Dinge sehr gut machen, anstatt viele Dinge nur mittelmäßig.“

Alles eine Frage der Balance

Die scheinbare Diskrepanz zwischen einer realistischen und einer spaßigen Spielerfahrung ist ein weiteres interessantes Thema. Auf die Frage, wie die Entwickler ein ausgewogenes Verhältnis der beiden Pole schaffen wollen, antwortet Turinetti:

„Der Realismusanspruch ist für viele Leute der große Kaufanreiz. Da es das Ziel ist, zu überleben, und Dinosaurier damit auch eine schwierige Zeit hatten, wird den Spielern ebenfalls eine Herausforderung geboten.“

Saurian soll also kein einfaches Spiel werden. Da das Gameplay keine Competitive-Elemente im eigentlichen Sinne enthält, sind dies betreffende Balance-Aspekte hinfällig. Das Hauptaugenmerk der Entwickler liegt auf dem Balancing der verschiedenen Kräfte der Natur, welche im Hell Creek auf den Spieler einwirken. Das führt uns zum nächsten interessanten Thema.

Field-Guide und Spectator-Modus

Wer die Entwicklung von Saurian auch nach dem Ende der Kickstarter-Kampagne unterstützen will, soll bald Zugang zu einem besonderen Leckerbissen für Fans bekommen. Der Saurian Field-Guide präsentiert sich als ergiebiges Nachschlagewerk mit allerhand interessanter Informationen rund um die Dinosaurier und die Welt, in der sie lebten. Zusammengestellt aus Konzeptzeichnungen aus der Entwicklung bietet der Field-Guide einen Einblick sowohl in die Entstehung des Spiels, als auch in die Spielwelt selbst. Die digitale Version gab es für Backer bereits ab einer Spende von 40 Dollar, die physische ab 200 Dollar für den solventen Unterstützer.

Ein weiteres erreichtes Stretch Goal bei Kickstarter sieht einen Spectator-Modus vor, in dem man der KI quasi freien Lauf lässt und lediglich als unbeteiligter Beobachter dem Spielgeschehen folgt. Durch das Klicken auf ein Tier oder einen Teil der Umgebung sollen Pop-Ups mit Informationen zum jeweiligen Objekt abrufbar sein. An dieser Idee zeigt sich, wie ernst es den Entwicklern mit dem Bildungsanspruch ihres Spiels ist.

Im zweiten Teil erzählt uns Nick viele weitere spannende Details zu Saurian. Unter anderem geht es dann um das Herdenleben der Dinos sowie die Soundkulisse in Saurian.


Survivethis-Interview mit Nick Turinetti

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