Das Open-World-Survivalgame Saurian ist seit fünf Jahren in der Entwicklung und befindet sich aktuell auf Kickstarter. Das Video zeigt beeindruckende Bilder von Dinosauriern, die sich frei in einer offenen Spielwelt bewegen. Die Physik der Bewegungen wirkt sehr natürlich und macht bereits einen fortgeschrittenen Eindruck. Es folgt die Zusammenfassung des Interviews von MeatyLock mit dem Projektleiter Nick „Jobaria“ Turinetti, dem Evolutionsbiologen und Tech-Artist Jack „Halfjack“ Turner sowie KI-Entwickler Henry „Mojoceratops“ Meyers.

Projektleiter Turinetti erklärt das Grundprinzip von Saurian – als Dinosaurier durchleben wir die verschiedenen Zyklen von der Geburt bis zum Tod. Ziel der Entwickler ist hierbei, die prähistorische Umwelt möglichst akkurat im simulierten Hell Creek-Ökosystem wiederzugeben. Einfach gesagt, geht es für die Dinosaurier um die Nahrungssuche und das Überleben in einer unwirtlichen Umgebung.

Als Vorlage für die Spielwelt in Saurian dient den Entwicklern die vor zehn Millionen Jahren im Raum der heutigen USA gelegene Hell Creek Formation.

Wohin der Weg führt

Auf die Frage, ob das Team glaube, alle seine Stretch Goals erreichen zu können, antwortet Turinetti:

„Wir hätten unsere Ziele nicht so gesetzt, wenn wir nicht daran glauben würden, sie erfüllen zu können.“

Die Stretch Goals haben sich von anfangs 205.000 Dollar auf 400.000 erhöht, um die sehr teure Konsolenportierung zu realisieren. Primär fokussieren sich die Entwickler auf die Realisierung einer PC- und Mac-Version von Saurian. Über die Möglichkeit eines Mod-Supports wollten sich die Entwickler nicht festlegen.

Zu Beginn gab es vier spielbare Dinosaurier im Spiel. Nach dem erfolgreichen Start der Kickstarter-Kampagne konnte die Zahl um zwei Weitere erhöht werden. Zusätzlich dazu gibt es 17 KI-Kreaturen. Alle Lebewesen, Pflanzen und Tiere teilen sich das selbe Ökosystem und wirken aufeinander ein. Auch Jahreszeiten sollen in Saurian simuliert werden.

Sobald die Spendenkampagne abgeschlossen ist, sollen die Backer aus einem Pool von fünf bis sechs Tieren abstimmen können, welche dann in die fertige Version des Spiels übernommen werden.

Sollte das 300.000 Dollar-Stretch Goal erreicht werden, wollen die Entwickler die Implementierung eines weiteren Ökosystems namens Two Medicines ins Auge fassen. Diese Umgebung orientiert sich an Gegebenheiten, die zehn Millionen Jahre vor dem Hell Creek herrschten. Dort lebten ähnliche Lebewesen, die sich jedoch entsprechend ihrer Umwelt anders verhalten haben. Two Medicines stand unter dem Einfluss starker vulkanischer Aktivität und war deutlich trockener als Hell Creek. Regelmäßige Dürren sollen dem Spieler dort das Dinosaurierleben schwer machen.

Die KI-Bewohner des Hell Creek

Turinetti erzählt von Chemops, dem kleinsten Lebewesen in Saurian. Die 80 cm lange Echse ist eine der KI-Kreaturen. Das Tier ist programmiert, bei jeder potenziellen Gefahr sofort die Flucht zu ergreifen. An diesem Beispiel beschreibt Turinetti, dass es neben Dinosauriern in Hell Creek eine Vielzahl anderer Säugetiere und Vögel gibt. Sogar Schildkröten bevölkern die Spielwelt!

Auf die Frage, ob sich die KI-Kreaturen in Gruppen zusammenfinden oder in Familien zusammenleben werden, antwortet Turinetti:

„Es hängt davon ab, um welche Art von Tier es sich handelt. Es kann sogar davon abhängen, welches Alter das Tier hat.“

Es gebe Beispiele von Jungtieren, die gemeinsam im Hell Creek agiert haben. Es sei ein bei Dinosauriern verbreitetes Verhalten gewesen, nach Alter getrennte Gruppen zu bilden. Für viele erwachsene Tiere hingegen erwies sich vermutlich ein Einzelgängerdarsein in punkto Nahrungsversorgung als effektiver.

Wissenschaftliche Korrektheit schließt Dinos aus

Auf die Frage, ob man den seitens der Community häufig angefragten Spinosaurus ins Spiel bringen würde, reagierten die Entwickler amüsiert. Das Thema habe sich im Team zu einer Art Running Gag entwickelt. Die riesige Echse lebte in der Kreidezeit im Raum des heutigen Afrika und erfreut sich wohl seit Jurassic Park großer Beliebtheit. Jedoch werde man das Tier keinesfalls ins Spiel einbauen, da die Welt von Saurian im heutigen Amerika angesiedelt ist und man dem Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit gerecht werden wolle. Zudem seien nicht genug gesicherte Informationen zum Spinosaurus vorhanden, um eine wissenschaftlich akkurate Umsetzung im Spiel zu gewährleisten.

Der Quetzalcoatlus, ein prähistorischer Flugsaurier, gehört ebenfalls zu den Tieren, die es wohl nicht ins Spiel schaffen werden. Das riesige Geschöpf mit einer Flügelspannweite von 11 bis 13 Metern ist wahrscheinlich in der Lage gewesen, durch Ausnutzung thermischer Strömungen stundenlang in der Luft zu bleiben und riesige Strecken zurückzulegen. Dieses in einer räumlich begrenzten Spielwelt zu realisieren, sei extrem schwierig.

Unterwasserwelt als Erweiterung?

Auch für die adäquate Umsetzung eines urzeitlichen Unterwasserlebens wäre ein enormer Entwicklungsaufwand nötig, welcher wie bereits bei den vorangegangenen Beispielen ein ganz eigenes Game in Anspruch nehmen würde. Lead Animator Bryan Phillips sei jedoch sehr daran interessiert, als Erweiterung eine Unterwasserspielwelt in Form der „Oceans of Kansas“ zu entwickeln. Vorerst möchte sich das Team jedoch auf die Realisierung ihrer Grundidee von Saurian konzentrieren.

Der Multiplayer-Modus

Ein weiteres Stretch Goal auf Kickstarter ist das Multiplayer-Feature, welches im Laufe der letzten Woche erreicht wurde. Da es bei diesem wohl aber auf ein chaotisches Sandbox-Gameplay hinauslaufen würde, konzentriert sich die Entwicklung vorerst hauptsächlich auf die Einzelspieler-Umgebung.

Ob man für den Multiplayer mit einem Deathmatch-Modus im Stile von The Isle rechnen kann, ist fraglich. Urvogel Games möchte Saurian als komplexes Zusammenspiel zwischen Spieler, KI und Umwelt definieren. Für ein simples Sandbox-Deathmatch müsste das Spielkonzept zu sehr reduziert werden.

Auf urzeitlicher Partnersuche

Fortpflanzung sei für jedes Tier das ultimative Lebensziel. Somit steht Paarung bei Saurian ebenfalls auf dem Plan. Man verwende viel Energie darauf, die Partnersuche lebensgetreu zu simulieren. Allerdings schließen die Entwickler animierte Paarungsakte bei ihren Dinosauriern kategorisch aus. Das Thema Reproduktion biete den Entwicklern die Möglichkeit, das ganze Potenzial der KI in puncto Charakterbildung zwischen den Spezies auszuschöpfen.

Vom Baby- bis zum Opasaurus

Die Lebenszyklen der Dinosaurier sind ein weiteres spannendes Thema bei Saurian. In der Basisversion des Spiels soll jeder Spieler als Jungtier beginnen. Eine Idee, welcher die Entwickler zur Zeit nachgehen, gibt dem Spieler die Möglichkeit, das Alter seines Tieres zu wählen. Vorausgesetzt, man hat zuvor dessen Entwicklung vom Baby bis zum erwachsenen Tier überlebt und sich erfolgreich fortgepflanzt. Außerdem ziehe man in Betracht, die meisten spielbaren Dinos am Anfang zu sperren – um ein neues Tier freizuschalten, muss man zuvor einen vollen Lebenszyklus durchspielen.

Der Tod durch Altersschwäche habe im Team für viele Diskussionen gesorgt. Im normalen Spielmodus soll es das Feature nicht geben – im Perma-Death-Modus hingegen wird es ernsthaft in Betracht gezogen. Die Altersentwicklung der Tiere soll ebenfalls realistisch simuliert werden. So verschlechtern sich mit zunehmendem Alter die Fähigkeiten der Dinos, was es zunehmend schwieriger machen soll, in der gefährlichen Spielwelt zu überleben.

Die Schwierigkeit des Überlebens

Auf die Frage, wie schwierig es im Spiel sein wird, einen vollen Lebenszyklus durchzuspielen, antwortet KI-Entwickler Henry Meyers:

„Es ist noch ein wenig früh, diese Frage richtig zu beantworten. Es sei jedoch soviel verraten, dass die Schwierigkeit davon abhängt, welchen der zwei angestrebten Spielmodi man spielen möchte.“

Im ersten Modus hat man beispielsweise die Möglichkeit zu speichern und bei Versagen auf seine Speicherstände zurückzugreifen. Der Zweite soll ein Perma-Death-Modus sein, bei dem der Tod des eigenen Tieres das Ende der Runde bedeutet.

Die Entwickler beziehen permanent aktuelle wissenschaftliche Daten zu Dinosauriern in ihre Arbeit ein. Es kamen Erkenntnisse zutage, denen zufolge 90% aller geborenen Myosaurier noch im Kindesalter starben. Diese und andere Daten sollen dazu dienen, einen realistischen Schwierigkeitsgrad für Saurian zu entwickeln. Es ist also mit einer spielerischen Herausforderung zu rechnen.

Hell Creek is one big baby-death-fest.“

Das Endgame in Saurian

Das führt uns zum Thema Endgame. Bei vielen Survival-Titeln bestünde das Problem, dass es für voll ausgerüstete Spieler oftmals wenig zu tun gebe und schiere Langeweile das Ende des Spiels bedeute. Hier wolle man alles besser machen! Mit einem voll durchstrukturierten Lebenszyklus soll eine Runde in Saurian ein ganzheitliches Erlebnis bieten können.

Die Entwickler sind sehr glücklich darüber, dass so viele Menschen sich für ihr Projekt begeistern können und bereit sind, die Kampagne zu unterstützen.

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