Saurian - Dinosaurier Survival - Early Access gestartet

In der Nacht zum 3. August startete das hochrealistische Dino-Survival Saurian in die Early-Access – und brachte zwei unserer Redakteure um den Schlaf. Da sich unser Urvogel-Chef-Observierer Christian gegenwärtig noch von den Strapazen der urzeitlichen Hell-Creek-Formation erholt, berichtet nun der stellvertretende Dino-Experte Alex davon, wie es ist, ein Dakotaraptor zu sein.

Saurian: Die Rückkehr der einstigen Erdenherrscher

Es gibt da einen ganz bestimmten Ärger, der alle (Hobby-)Paläontologen im Herzen vereint: vor 65 Millionen Jahren stampfte ein wahrer Drecksack von einem kosmischen Stein das Gros der schrecklichen Echsen einfach in den Boden – und beschleunigte so deren Aussterben. Ja, er beschleunigte es nur, aber dieser Stein! Und dieser Ärger … Er ist nun fast vergessen. Denn dank Saurian sind die Dinosaurier wieder da, und zwar so glaubwürdig wie niemals zuvor.

Das liegt vor allem daran, dass Urvogel Games’ Herzensangelegenheit eine ähnliche „Revolution“ anzettelt, wie seinerzeit Jurassic Park. Spielberg machte Schluss mit albernen Papp-Dinos und Godzilla (na ja, ein bisschen Schluss mit Godzilla), während das Urvogel-Team nun Morbus Bechterew – eine allgegenwärtige Survival-Saurier-Krankheit – ausgemerzt hat. Saurians Ur-Echsen sind auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand, überaus agil und, Emu sei Dank, beinahe so lebendig wie wir und ihr.

Saurian - Neu in Hell Creek
„Guten Morgen, Hell Creek!“ – endlich geht es los.

Walk Like a Dakotaraptor

Insofern haben die Entwickler ihre Video-Versprechen also gehalten, denn die vorliegende Pre-Alpha 1.0 liefert ziemlich genau das, was wir zuletzt zu sehen bekamen. Leider geht dies aber auch mit der Einschränkung einher, dass wir aktuell nur in das Federkleid eines Dakotarapor schlüpfen können – Tyrannosaurus, Triceratops und Pachycephalosaurus klatschen uns ein ernüchterndes „Coming soon“ vor die Innenseite des Screens. Immerhin können wir jedoch darüber entscheiden, ob unser heterosexueller Raptor Mädchen oder Jungs bevorzugt, sprich, männlich oder weiblich ist.

Nach der Geschlechtsvergabe, die im Übrigen (noch) keine fühlbaren Auswirkungen hat, stehen wir auch schon mitten in der mesozoischen Hell-Creek-Formation; über uns der flugechsenfreie Early-Access-Himmel, unter uns die Beine eines mutmaßlich frisch geschlüpften Raptoren. Gut. Was nun? Die bunt gefärbten „Rundbalken“ am rechten unteren Bildschirmrand verraten es uns: Fressen und Trinken, Trinken und Fressen. Und vor allem nicht gefressen werden, denn schließlich wollen wir ja groß und stark werden.

Saurian - Dakotaraptor Stats
Ein Blick auf die inneren Werte eines Dakotaraptors.

Was hier recht einfach klingt, ist in Wahrheit sehr viel schwieriger. Denn wen oder was soll ein Dakotaraptor-Schlüpfling angreifen? Einen ausgewachsenen Pachycephalosaurus? Schon eine einzige Kopfnuss von ihm führt junge Prädatorenseelen dem ewigen Kreislauf zu. Einen Triceratops vielleicht? Nein, wir müssen uns schon an deutlich kleineren Tieren vergreifen, was angesichts der mangelnden Artenvielfalt und der wenigen implementierten Wachstumsstadien zu einem echten Problem wird.

Das Recht des Klügeren

So lange wir nämlich auch mittels der E-Taste Tiergerüche visualisieren lassen: Es gibt ihn noch nicht, den kleinen Pachy, und auch nicht den kleinen (oder den großen) Anatosaurus. Unsere eigene Art scheint gegenwärtig die einzige zu sein, die Hell Creek in allen Farben und Größen terrorisieren kann, sodass uns vorerst nichts anderes übrig bleibt, als in die kannibalistischen Fußstapfen unserer Eltern zu treten. Doch halt, nicht auf den Großen springen! Für eine gesunde und weitgehend sorgenfreie Kindheit sollte vornehmlich die eigene Altersklasse auf die Speisekarte gesetzt werden.

Saurian - Triceratops
Hübsch ist er geworden: Herr Triceratops geht baden.

Denn Saurians Jung-Raptoren sind nicht nur naturgemäß weniger wehrhaft, sondern auch dumm. Sie sind sogar so dumm, dass sie unsere Biss-Attacken nur insofern bemerken, als sie einfach umfallen, wieder aufstehen und diese Handlung bis zu ihrem Tod wiederholen. Das ist zwar ungemein praktisch, aber unschön anzusehen – genau wie auch die gelegentliche Unentschlossenheit älterer KIs. So weiß der T-Rex offenbar manchmal nicht so recht, was er als nächstes tun soll – und Dakotaraptoren lassen ihrer Erstattacke oftmals keine zweite folgen („Ich wollte nur mal Tag sagen“).

Ein statisches Imperium

Es sind die Zeichen dessen, was wir insgeheim befürchteten. Urvogel Games haben einen Satz wirklich großartig animierter Dinosaurier geschaffen, ihn mit einer Basis-KI ausgestattet und in ein improvisiertes Open-World-Tal geworfen. Hier können wir mit unserem Ur-Tierchen tun und lassen, was wir wollen, doch es ist zu bezweifeln, dass wir längere Zeit Lust dazu haben werden. Das virtuelle Hell Creek lädt nämlich kaum zum Erkunden ein. Nach etwa einer Stunde haben wir alle seine Bewohner gesehen und die Landschaft für relativ uninteressant befunden … Schande über die Kreidezeit, aber auch über die Entwickler.

Saurian - Abenddämmerung
Die Effekte in Saurian sind zum Teil noch unausgereift. Besonders der Tageszeitenwechsel erzeugt unschöne, schwellenwertartige Artefakte.

Vor 66 Millionen Jahren waren Bäume und Blätter nämlich sehr wohl in Bewegung – und der Tageszeitenwechsel ging vermutlich bei einer Farbtiefe von 32-Bit vonstatten. Saurian hält da noch nicht mit: besonders bei Sonnenuntergang mutiert das Land vor unserer Zeit zu einer späten PS1-Rendersequenz. Wie gut ist es da, dass wir hässliche Tageszeiten via der C-Taste einfach verschlafen können. Vielleicht sollten wir unseren Raptor ja sogar bis zum nächsten Update durchschlafen lassen?

Fazit: Eine beachtliche Demonstration

Saurian bietet schon jetzt die eindrucksvollsten und authentischsten Dinos der Videospielgeschichte – Punkt. Aktuell ist das Leben eines Dakotaraptors aber noch zu langweilig: gerade einmal fünf Tierarten – plus Variationen – können im Hell Creek der Pre-Alpha-Zeit zur Strecke gebracht werden, und das auf nur zwei verschiedene Arten (Biss-Attacke oder auf den Rücken springen). Dabei taugt der Titel auch nur bedingt für etwaige Expeditionen ins Tierreich, denn noch können weder Spielwelt noch Saurier-KI wirklich überzeugen.

Dies alles schmälert das große Potential Saurians jedoch nicht. Sollten die Entwickler auch in den nächsten zwei Jahren unverändert für ihr Projekt brennen, werden sie uns sicherlich ein sehr gutes, wenn nicht sogar das beste Dino-Survival für den PC bescheren. Und so empfiehlt sich der Kauf dieser frühen Version vor allem für diejenigen, die Urvogel Games auf ihrem langen Weg finanziell unterstützen möchten. Für 20 Euro erhalten sie einen feinen Single-Player-Vorgeschmack auf das harte Leben einer schrecklichen Echse.

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