Rogue Islands Review

Die Verwandschaft ist offensichtlich: Rogue Islands extrahiert Minecraft‘s Klötzchenstil und injiziert ihn in einen wuseligen Roguelike-Shooter mit Survivalelementen, der aus seiner prozeduralen Kompaktheit erstaunlich viel Charme herausholt. Das Game erlebte am 12. September 2017 seinen Full Release auf Steam; wir haben den Titel für euch getestet und festgestellt, dass wir das Wort “Klon” lieber nicht in den Mund nehmen möchten.

Seid ihr neu im Spiel? Für Einsteiger haben wir einen Strategy-Guide mit zehn wertvollen Tipps für die ersten Stunden in Rogue Islands erstellt. Viel Spaß!

Rogue Islands – Mit dem Zauberstab durch Zufallswelten

Das geistige Kind des einstigen Bioware-Coders Kiaran Ritchie – Gründer des Entwicklers Big Fat Alien – wurde von Industrie-Legende Jane Whittaker bei Keystone Games übernommen und fertiggestellt. Und soviel sei im Vorfeld verraten: man merkt Rogue Islands an, dass hier Könner die Federführung hatten. Als besondere Anmerkung sei noch hingefügt, dass Publisher Keystone Games den Großteil der Einnahmen einem wohltätigen Zweck zukommen lassen möchte. Damit enthält der Kauf von Rogue Islands auch ein paar Karma-Punkte für den Spieler.

Doch auch das ein oder andere ingame-Achievement lockt den fleißigen Sammler. In Rogue Islands dreht sich alles um Zwerge, Inseln, dämonische Eindringlinge und eure Aufgabe, alles zum Guten zu wenden. Dafür schippert ihr mit eurer mobilen Basis, einem klotzigen Dampfschiff, von Insel zu Insel und schließt finstere Dämonenportale.

Rogue Islands Schiff
Unser Hausboot dient als Schlafstätte und muss bei Reisen mit Brennstoff befeuert werden.

Die Wahl des Modus vor Beginn legt fest, wieviele Leben euch für den Durchlauf zur Verfügung stehen und wie schwierig die Herstellung selbiger ist. Denn in Rogue Islands herrscht das Gesetz des Perma Death: nach dem letzten Ableben wird euer Speicherstand unwiderruflich zurückgesetzt und ihr müsst von vorn beginnen. Das ist der Roguelike-Aspekt bei diesem Survival-Shooter.

Bewaffnet mit eurem aufrüstbaren Zauberstab rückt ihr also allerlei bunten Dämonen zuleibe, während ihr mithilfe gefarmter Ressourcen dem Hunger entgegenwirken und allerlei schädlichen Umwelteinflüssen trotzen müsst. Am Schluss wartet der Fürst der Finsternis höchstpersönlich auf euch – hoffentlich seid ihr dann gut vorbereitet.

Rogue Islands Review Inventar
Das Inventar beherbergt wie gewohnt alle Craftingoptionen.

Wenn Zelda ein Shooter wäre – die Story

Rogue Islands braucht nicht viel Geschichte, um ein sehr unterhaltsames Spielerlebnis zu bieten. Denn die Motivation speist sich vorrangig aus anpruchsvollem Schwierigkeitsgrad und dem aus (bedingtem) Perma Death erwachsenden unbedingten Willen, durchzuhalten. Wer dennoch einen Grund braucht, um virtuelle Klappergerippe mit bunten Lichtblitzen in Stücke zu schießen, bekommt in kleinen Cutscenes und Bildern eine niedliche zelda’eske Geschichte präsentiert. Seit dem Full Release sind die dazugehörigen Texte sogar mit einer freundlichen Stimme Englisch vertont.

Die Story erzählt, ein Netzwerk aus Bäumen habe die Inseln einst miteinander verbunden, bis dämonische Portale der trauten insularen Einigkeit ein Ende machten. Nun sind die Erdhaufen von teuflischen Präsenzen befallen und voneinader getrennt. Der mutigste aller Gnome, der Spieler, macht sich nun auf den Weg, die Dämonen mit seinem Zauberstöckchen auszutreiben und die Inseln wiederzuvereinen. Witziger Clue: das Entfernen befallener oder schwacher Pflanzen, das sogenannte Pikieren, wird im Englischen “to rogue” genannt.

Technik

Was bei einem Klötzchen-Spiel offenbar auf keinen Fall fehlen darf, ist der beruhigende Klingklang im Hintergrund. Und es passt – die situationsabhängige Musik rundet das Spielgefühl ab. Die gut produzierten Soundeffekte des Zauberwedels und der zahlreichen Feinde sind kraftvoll ausbalanciert und passen hervorragend in das große Ganze von Rogue Islands.

Die Optik ist dem Stil geschuldet minimalistisch, aber trotz äußerster Quietschbuntheit rundum stimmig. Der Zufalls-Generierungsalgorithmus von Rogue Islands schafft es entgegen unserer Befürchtung tatsächlich, bildhübsche einzigartige Landschaften zu erschaffen. Auch die KI-Gegner sind äußerst ansprechend designt. Wenn eine klotzige Hummel mit zirpendem Ton in ein buntes, leuchtendes Feuerwerk zerplatzt, entlockt das sogar einem erwachsenen Mann piepsige Laute. Der Blumentopf für das schönste Grafikelement in Rogue Islands geht jedoch an die dynamische Beleuchtung. An Zauberstab-Lichtblitzen, feuerspuckenden Totenköpfen und glühenden Giftpflanzen können wir uns kaum sattsehen.

Rogue Islands Dynamisches Licht
Das gleichzeitige Leuchten verschiedener Lichtquellen ist ein wahrer Hingucker.

Ein guter Shooter

Beim Shooterfeeling gibt es für Rogue Islands keinerlei Abzüge, obwohl wir anstelle von Gunplay eher von Wandplay sprechen müssen. Hier zeigt sich das grundsolide Codegerüst: das Aiming in Kombination mit der Bewegungssteuerung fühlt sich griffig und direkt an, alle Lichtblitze finden ihren Weg ins Ziel (oder daran vorbei). Entsprechend macht das rasante Geballer wirklich ordentlich Laune, obwohl oder gerade weil der Stil für das Genre so ungewöhnlich ist.

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Gameplay

Das Bauklötzchen-Setting von Rogue Islands hat große Ähnlichkeit mit dem eines Minecraft; auch das Zerschießen diverser Klötzchen zum Ressourcen farmen sowie das Crafting hilfreicher Items erinnern an Mojang’s Pionierswerk. Zudem sammelt man bei besiegten Feinden kleine rosa Kügelchen ein, welche eine wichtige Crafting-Ressource darstellen und auch Minecraft-Spielern bestens bekannt sein dürften. Mit ihrer Hilfe lassen sich im Spielverlauf diverse magische Offensivmaßnahmen erlernen – was des Battlefield seine Knarren, das des Rogue Islands seine Zaubersprüche. Noch immer haben wir die Bezeichnung “Klon” bewusst vermieden.

Rogue Islands Feinde
Puff! Diese garstige Biene ist keine Gefahr mehr.

Nicht weniger magisch sind schwebende Ghasts, nervende Skelett-Magier und andere Kreaturen, die euch in Rogue Islands das Leben schwer machen. Die zahlreichen Feindgeschöpfe verfügen zudem über eine lernfähige KI, welche eurem Skill entsprechend härter wird, indem sie neue Techniken und Strategien anwendet.

Auch die prozedural generierten Spielwelten werden nicht ausschließlich ausgewürfelt, sondern passen sich zu gewissen Teilen eurem Gameplay an. Allerdings befürchten wir, dass sich die zwangsläufigen Wiederholungen in den Abläufen recht schnell abnutzen könnten. Für langfristigen Spaß ist aktuell einfach zu wenig Abwechslung im Spiel. Neuer Content würde bei Rogue Islands jedenfalls auf fruchtbaren Boden fallen.

Rogue Islands Survival Check
Die prozedurale Spielwelt von Rogue Islands kommt in 120 Millionen möglichen Permutationen daher.

Das Überleben

Der Grund, warum wir über diesen Titel schreiben, findet sich bei den Survivalaspekten von Rogue Islands. Im Kampf mit Feinden oder durch das Environment erleidet euer heldenhafter Gnom bisweilen Traumata und Vergiftungen, welche mit bestimmten Pflanzen behandelt werden können. Andere Gewächse gewähren für gewisse Zeit Boni auf Fertigkeiten und Statuswerte. Die Suche nach Heilmitteln und Buffs ist somit wesentlicher Bestandteil des Gameplays.

Um dem Hungertod zu entrinnen sowie allgemeine Lebens- und Manaregeneration zu gewährleisten, muss zudem mit großer Regelmäßigkeit Nahrung aufgenommen werden. Diese findet sich zwar recht häufig, allerdings herrscht selten genug Ruhe, um die Landschaft nach Leckereien zu durchforsten. Besonders im späteren Spielverlauf ist das Überleben – und damit oft der gesamte Spielfortschritt – eine wirkliche Herausforderung.

Kein Minecraft-Klon

Wir haben es bereits erwähnt, die Bezeichnung “Klon” passt uns bei Rogue Islands nicht in den Kram. Zwar wurden bestimmte Grundmechaniken, über die auch Minecraft verfügt, in das Gameplay übernommen. Aber das trifft bei vielen Survival-Titeln zu, schließlich muss nicht jeder für sich das Rad neu erfinden. Die offenkundigsten Ähnlichkeiten sind die Klötzchen-Optik und das Vorhandensein prozedural generierter Spielwelten.

Das ist nicht Minecraft.
Minecraft? Nein, Rogue Islands.

Doch auch dafür reicht es nicht, die abwertende Bezeichnung “Klon” auszupacken. Dafür macht Rogue Islands zu viel neu, ist in seiner Art zu eigenständig. Ja, es bedient sich an Mitteln, die bereits da gewesen waren – aber es wendet diese auf eine erfrischend neue Weise an. Das wichtigste aber ist, so subjektiv es klingen mag: Rogue Islands fühlt sich nicht an wie Minecraft.

Geplanter neuer Content

Entwickler Big Fat Alien hat regelmäßige DLCs für Rogue Islands geplant. Diese sollen neue Inseln, Monster und Bosse enthalten. Desweiteren ist ein umfassendes Multiplayerpaket in Entwicklung, das Spielen mit Freunden in eigens dafür gestalteten neuen Game-Modi erlauben soll. Auch Custom-Skins für die Spielercharaktere sollen dann verfügbar werden.

Rogue Islands Survival Check
Was hält die Zukunft von Rogue Islands bereit?

Die nächste wichtige Baustelle ist ein geplanter Sandbox Creators Pack, welcher die Erstellung eigener Inseln und Monster für Solo- und Multiplayerrunden beinhalten soll. Wir sind gespannt und halten euch über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden.

Fazit

Mit prozedural generierter Welt, spaßigem Shootergameplay und grundsätzlich motivierenden Mining-Mechaniken legt Rogue Islands einen sehr soliden Grundstein. Leider schaffen Big Fat Alien und Keystone Games es noch nicht, den alten Makel vieler Roguelikes auszubügeln: die repetitiven Schnellballereien nutzen sich irgendwann ab. Der derzeit gebotene Perma-Death-Modus alleine reicht nicht für wirklich langfristige Motivation.

Die Entwickler versprechen jedoch Abhilfe: die geplanten Multiplayermodi eröffnen eine zusätzliche Dimension, der wir mit Freude entgegenblicken. Das derzeit gebotene Paket ist für den Preis von aktuell 19,99 Euro noch in Ordnung – Shooterfans mit gewisser Frustresistenz und Appetit auf etwas Ungewöhnliches sollten sich dieses knallharte Bonbon einmal genauer anschauen.

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