PUBG Gamescom 2017

Wer in PUBG erfolgreich sein will, muss gut planen und effektiv handeln können. Leider sind das genau die Qualitäten, die den Veranstaltern beim Gamescom 2017 Invitational streckenweise abhanden gekommen waren. Chaotische Regie und überforderte Caster unterstrichen den Gesamteindruck einer äußerst unterhaltsamen Generalprobe, bei der schließlich immer Murphy’s Gesetz eintreten muss.

PUBG – Ein holpriger Start in den E-Sport

Ohne Zweifel war das PUBG Gamescom Invitational von Anfang bis Ende eine sehenswerte E-Sport-Veranstaltung. Namhafte Streamer wie Stonemountain64 und GassyMexican nahmen an dem viertägigen Turnier teil. Mit Moondye7 war auch ein deutscher Battle Royalee mit seinem Team im Rennen. Die Disziplinen waren Third-Person-Solo, Third-Person-Duo, First-Person-Duo und Third-Person-Squad. Am Ende der Live-Show von Veranstalter ESL werden rund 400.000 Zuschauer auf Twitch dem wilden Treiben beigewohnt haben.

Große internationale E-Sports-Teams wie Cloud9, Luminosity, TeamSoloMid und Team Liquid schickten ihre frisch verpflichteten Pros für Battlegrounds zum ersten Gamescom Invitational. Der Kampf um Ruhm, Ehre und einen stolzen Batzen Geld konnte beginnen.

Leider wurde ein großer Teil des Unterhaltungswertes nicht durch spannendes Gameplay geboten, sondern war vom chaotischen Drumherum ausgelöst und daher völlig unfreiwillig. Eine unglücklich agierende Regie verfehlte teilweise ihre Aufgabe – bei einigen Matches konnten die meisten der spannenden Spielszenen nicht eingefangen werden. Verzweifelte Caster kommentierten sich an beliebigen Looting-Szenen wund, während andernorts spielerisch die Hütte brannte. Wer sich die ganze Show von Tag eins anschauen möchte, wird beim folgenden Video fündig.

Den Regeln geschuldet

Am Turnier-Donnerstag fand zudem im kleiner werdenden Zirkel eines Duo-Matches eine kollektive Schwimmpartie statt. Das merkwürdige Verhalten der beteiligten Teams war jedoch eine taktisch kluge Aktion, um im Kampf um das Preisgeld möglichst lange im Rennen zu bleiben. Denn unter Wasser kann man, wegen realistisch simulierter Ballistik, nur schwer getroffen werden. Unterhaltsam ist das freilich nur der Absurdität wegen.

Battlegrounds E Sport gamescom
Diese Partie entscheidet sich im Wasser. Hier werden Schwachstellen in punkto E-Sport-Tauglichkeit offenbar.

Hier zeigt sich entweder, dass Playerunknown’s Battlegrounds für die ganz große Bühne noch nicht bereit ist, oder, dass der Zuschauer sich an irrwitzige Begebenheiten und eine große Portion Zufall und Glück gewöhnen müssen. Einfach gesprochen: das Grundkonzept von Battle Royale enthält einen großen RNG-Anteil. Will man Fairness für alle schaffen, braucht es klare Regeln inklusive rigoroser Sanktionen bei Verstößen. Massives Polishing samt Exploit-Beseitigung ist bis in die letzte Ecke von Erangel und allen weiteren Maps, die da noch folgen, ebenfalls Pflicht.

PUBG E-Sport-Probleme
Mal ists witzig. Wirds zum Regelfall, schalten wir lieber ab.

Die Karten auf den Tisch

Die Frage ist, ob und wie weit man Herrn Zufall seine spielerischen Auswüchse im professionellen E-Sport-Geschäft gestatten will. Auf der einen Seite könnte man einen naheliegenden Vergleich heranziehen und argumentieren, dass jedes Poker-Turnier auch zu gewissen Teilen aus Zufall und Glück besteht. Bei diesem (Bei-)Spiel erscheinen trotzdem immer wieder die bekannten Gesichter am Final Table – weil sie wissen, wie man dem Zufall mathematisch zuleibe rückt oder weil sie ihre Gegner teuflisch gut lesen können.

Dennoch dürfen beim Poker hin und wieder auch Wildcards am großen Pot schnuppern – teils des puren Könnens und teils eines glücklichen Händchens wegen. Viele dieser Faktoren kann man zum Teil auf PlayerUnknown’s Battlegrounds ummünzen – sowohl Skill als auch Glück haben ihren Anteil am Ausgang der Partien. Andererseits möchte seitens der Veranstalter böses Blut unter Profis vermieden werden – und darauf könnte es bei zuviel Glücksrittertum oder Exploitnutzung hinauslaufen, wenn große Geldsummen im Spiel sind.

PUBG E-Sport Exploits
Die kleineren Fehler verzeiht der Spieler dem Early Access Game von Herzen gerne – aber wenn Geld im Spiel ist, können selbst Kleinigkeiten zum Problem werden.

Strikte Ausrichtung auf E-Sport könnte PUBG schaden

Eine der großen Herausforderungen der Entwickler wird sein, die Exploits zu lokalisieren und zu minimieren und gegebenfalls bei Nutzung bestimmter Tricks angemessene Strafen oder gar Disqualifizierungen zu verhängen. Das offene Spielprinzip von Battle Royale fordert dies.

Wir geben allerdings zu bedenken: die spielerischen Freiheiten und den damit einhergehenden Zufallsfaktor von PUBG sollte man zu großen Teilen unangetastet lassen, da sich eben daraus die originäre Faszination des Titels ergibt. Demnach dürften die Experten bei Bluehole und der ESL aktuell mit rauchenden Köpfen am Konferenztisch sitzen, um eine Lösung für dieses Dilemma zu finden.

Alles wie erwartet – gewissermaßen

Und siehe da, die Sieger sind am Ende des letzten Turniertages die, die schon vor Spielantritt wie Sieger aussahen – Luminosity Gaming nimmt die goldene Pfanne für den Sieg im Squad mit nach Hause. Tyler „Ninja“ Blevins, Hogne „Chipzy“ Krogsæther, Justin „JP2“ Pate und Cedrik „Drassel“ Lessard können sich gemütlich auf 80.000 Dollar Preisgeld betten. Also trotz des ganzen Gezeters um Zufall und Glück gab es zumindest am Ende auf dem Scoreboard keine allzu großen Überraschungen.

Um den Veranstalter ESL zu zitieren: „die E-Sport-Zukunft von PlayerUnknown’s Battlegrounds leuchtet hell.“ – wenngleich sich in der letzten Woche einige dunkle Wolken vor die Sonne geschoben haben dürften.

Was meint ihr zu diesem kontroversen Thema? Kriegen die Entwickler und Veranstalter die Probleme in den Griff oder seht ihr die E-Sport-Zukunft von Battlegrounds gefährdet?

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