Pamali: The Tied Corpse - Asia-Horrorspiel

Mit einiger Verspätung ist nun der zweite DLC für das indonesische Folklore-Horrorspiel Pamali erschienen. Der mit The Tied Corpse betitelte Nachschub ist – wie schon das vorangegangene The White Lady – als Teil des Hauptspiels anzusehen. Mein vorläufiges Fazit zum „Alltag“ eines indonesischen Friedhofswärters.


Pamalis Spieldesign erlaubt keine Bewertung einzelner Episoden. Daher erscheint mein ausführlicher Testbericht erst nach dem Release der finalen Episode im dritten Quartal 2019.


Ich wusste es. Schon als ich in The White Lady Fußböden schrubben, Spinnweben entfernen und Bilder zurechtrücken musste, wusste ich: The Tied Corpse würde kein einfacher Friedhofsspaziergang werden. Nö, auch die Rolle des Friedhofswärters würde mir wahrhafte – fünf Euro in die Wortwitzkasse – Knochenarbeit bescheren.

Und siehe da: Nachdem ich mehr oder weniger fachgerecht ein Unfallopfer verscharrt habe, stehe ich auch schon in diesem interaktiven Friedhofswärterhäuschen. Stilles Grinsen. Ich betrachte die von mir erwarteten zig Gebrauchsgegenstände, lasse mir von Fotos und Briefen „meine“ Lebensgeschichte erzählen. Kommt schon, wo sind sie denn nun, die umfangreichen Arbeitspläne? Na bitte: Ich finde sie schließlich auf der schmutzigen Kommode zu meiner Linken.

Pamali: The Tied Corpse - Haus des Friedhofswärters
The Tied Corpse gibt dir ein Zuhause: Fast jedes Objekt in deiner Friedhofsbude ist interaktiv. Und das hat einen guten Grund …

Darum geht es in The Tied Corpse: Die Indonesier haben es also wirklich getan; sie haben eine Art First-Person-Friedhofswärter-Simulation aus dem Boden gestampft. Mehr oder weniger strikt nach den vorgegebenen Plänen musst du hier:

  • den Friedhof aufräumen
  • Gräber bewässern
  • Blümchen pflücken
  • Gräber bepflanzen
  • nachts Kontrollgänge durchführen
  • ein gefühlt zweihundert Punkte umfassendes Do-not-Regelwerk befolgen

Juhu! Nun ist es allerdings nicht so, dass dir bei Nichteinhaltung der Regeln gleich der ganze Friedhof um die Ohren fliegt. Du wirst definitiv nicht mit dem Klappspaten durch die Gegend rennen, um entfleuchte Leichen zurück in ihre Gräber zu prügeln.

Aber: Je mehr du falsch machst – und das beginnt bei der Be- bzw. Missachtung indonesischer Beerdigungsriten –, desto gruseliger und schocklastiger werden sich deine nächtlichen Runden gestalten. Außerdem gibt’s am Ende deines Arbeitsverhältnisses noch eine nüchterne Bewertung deines Tuns.

Pamali: The Tied Corpse - Nächtlicher Rundgang
Man richte sein Augenmerk auf diese schattenhafte Erscheinung rechts. Ein Mensch ist das nicht …

Bei allen Regeln und Bräuchen versteht sich The Tied Corpse letztlich aber klar als Horror-Sandbox. Du sollst also nicht immer jedes Schutzamulett entfernen, sämtliche Kultistenspuren beseitigen oder das Radio im Wärterhaus gänzlich unberührt lassen.

Sondern es geht auch um’s Experimentieren: Was passiert, wenn du dir mit der Schere, die du neben dem Reiskocher gefunden hast, die Haare schneidest? Lässt du die Blumenvase außerhalb des Friedhofsgeländes lieber stehen, oder nimmst du sie mit dir? Und was genau hat es mit dem Geld vor dem Toilettenhäuschen auf sich – darfst du es einfach so eintüten, oder rät der indonesische Mythenkosmos davon ab?

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So ist das Gameplay: In Pamali: The Tied Corpse werden alle beschriebenen Aktionen mittels eines etwas hakeligen Kontextmenüs durchgeführt, das darüber hinaus das Kommentieren bestimmter Objekte erlaubt. Je nachdem, wie (respektlos) du einen Gegenstand kommentierst, kannst du auf diese Weise Ereignisse triggern. (Apropos respektlos: Wenn du möchtest, kannst du sogar dein kleines Ich auspacken, um schamlos gegen einen Baum zu urinieren.)

Das alles verleiht dem südostasiatischen Totengräber-Dasein eine starke Adventure-Note, nur, dass sich The Tied Corpse auf eine knappe Hintergrundgeschichte sowie gelegentliche Handy-Durchsagen beschränkt. Bemerkenswert ist hierbei der bedingt funktionale Nachbau eines steinalten Nokia-Handys, der dich unweigerlich in die kunterbunten Zeiten von Viva und Jamba zurückversetzt.

Pamali - Altes Nokia-Handy
Na, wer von euch kennt diese Dinger noch?

Die Möglichkeiten, sich auf dem Friedhof auszutoben, sind für deinen wehrlosen Pinkel-Protagonisten also mannigfaltig. Aber leider verstehen es manche Objekte ganz ausgezeichnet, sich vor dessen Bedürfnissen zu schützen – und so ist es mir während meiner Anspielsession zumindest einmal passiert, dass ich (auch in Ermangelung einer Sprungmechanik) bis zum Neustart des Spiels in den „Fängen“ eines Baums zappelte.

Hier wird StoryTale noch ein wenig fixen müssen, denn eine Speicherfunktion gibt es nicht. Gespeichert wird lediglich ein erfolgreicher, sprich regelgetreuer Abschluss des DLCs, was angesichts der freien Episodenauswahl des fertigen Spiels gar nicht nötig wäre. Vielleicht ist es dem Wärter ja deshalb erlaubt, die Bäume des Friedhofs auf natürliche Weise zu wässern.

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Was ich von The Tied Corpse halte: Auch das zweite DLC für Pamali besticht durch seine Detailverliebtheit und die unkonventionellen Spielmechaniken. An die atmosphärische Dichte – und somit den Horrorfaktor – von The White Lady kommt diese Episode jedoch nicht heran.

Mit negativen Auswirkungen auf das Gesamtpaket, sollte das Team von StoryTale Studios an seinem Plan festhalten müssen, The Tied Corpse nur noch zwei Mythen (The Hungry Witch und The Little Devil) folgen zu lassen. Ursprünglich war das Ziel der Entwickler sehr viel höher gesteckt, doch letztlich scheiterte das Vorhaben – wie so oft – an den Finanzen.

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