Outlast-2-review

Red Barrels haben mit Outlast 2 den zweiten Teil des Horror-Erfolg-Hits aus dem Jahre 2013 vor wenigen Wochen veröffentlicht und die Meinung der Community ist gespalten. Outlast 2 hat dem ersten Teil gegenüber ein paar Stärken, aber auch einige Schwächen. Wir haben uns nach Arizona gewagt, um den mysteriösen Tod einer schwangeren Frau aufzudecken – was wir erlebt haben, erfahrt ihr in unserem Review.

Auf nach Arizona

In Outlast 2 übernehmen wir die Rolle von Blake Langermann – ein Fotograf sowie Kameramann, der gemeinsam mit seiner Frau Lynn Langermann, ihres Zeichens Journalistin, in die Wildnis von Arizona reist, um den mysteriösen Tod einer schwangeren Frau aufzudecken. Es dauert nicht lange, bis unser Helikopter in Turbulenzen gerät und in der Region der Sonora-Wüste abstürzt.

Als wir aufwachen, schnappen wir uns die Kamera und bekommen die allgemeine Steuerung erklärt, die Outlast-Spieler bereits kennen dürften. Mit der Nachtsicht erkunden wir die nähere Umgebung und finden schnell das Wrack des Helis – doch keine Spur von Lynn. Unser Auftrag lautet ab diesem Punkt: Finde Lynn, nichts ist wichtiger als Lynn. Dass wir kurz darauf den Piloten gehäutet auf einem Pfahl hängen sehen, erleichtert nicht gerade unser Gemüt – wer zum Teufel tut so etwas?

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Lynn kurz vor dem Absturz.

In der Story selbst sind alle Figuren zwar frei erfunden, einen wahren Hintergrund besitzt Outlast 2 aber schon. Red Barrels haben sich an den Ereignissen des Jonestown-Massakers im Jahr 1978 bedient, bei dem durch die teilweise erzwungene Selbsttötung über 900 Menschen ums Leben kamen. Im Spiel treffen wir auf religiöse Fanatiker, die die Geburt des Antichristen verhindern möchten sowie auf satanische Ketzer, die ihn willkommen heißen. Als Blake stehen wir mittendrin und werden von beiden Seiten gejagt.

Outlast 2 bietet also ein ganz anderes Szenario als noch der erste Teil. Wo es damals noch enge Gänge, viele Räume und ein eher lineares Spielgefühl in einer Irrenanstalt voller Patienten gab, befinden wir uns jetzt hauptsächlich in der weitläufigen Wildnis, in heruntergekommenen Dörfern der religiösen Fanatiker und Ketzer sowie in der Schule. Warte mal, in der Schule? Das mag im ersten Moment seltsam klingen, aber es passt zum Spiel, da wir von rückblick-artigen Visionen geplagt werden, die aus Blakes Schulzeit stammen.

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Die Schule bietet eine nette Abwechslung.
Story-Ende - kleine Spoiler

Das Ende von Outlast 2 lässt uns mit vielen offenen Fragen zurück und bietet viel Raum für Spekulationen. Es ist definitiv nicht zufriedenstellend und selbst mit einem kommenden DLC, das wir wohl erwarten können, ist das Ende zu „einfach“. Es fühlt sich an, als hätten wir diesen Ausgang der Geschichte nicht verdient – es ist kein richtiges Happy-End, das wollen wir damit auch nicht sagen – das Ende geschieht einfach, ohne das wir als Blake darum kämpfen mussten. Nach all den Stunden des Überlebenskampfes haben wir einfach etwas Herausforderndes erwartet.

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Gameplay: Typisch Outlast

Das Gameplay hat sich im Vergleich zum Vorgänger kaum verändert. Wir sind noch immer in der Ego-Perspektive unterwegs und die Kamera ist unser einziges Hilfsmittel. In den meisten gefährlichen Situationen heißt es Rennen, verstecken oder sterben – Verteidigen oder gar Angreifen können wir nicht – Gelegenheiten dazu gäbe es jedoch viele. Noch immer sammeln wir Batterien ein, um die Kamera am Leben zu halten, denn die Nachtsicht ist in den sehr dunklen Gegenden Arizonas überlebenswichtig.

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Oft werden wir einfach erwischt.. frustrierend.

Neu ist das Richtmikrofon der Kamera, mit der wir weit entfernte Geräusche ausmachen können. So wissen wir immer, ob hinter der nächsten Tür ein Fanatiker lauert, der uns nur zu gerne Papa Knoth, dem Anführer des Kults, opfern würde. Ebenfalls neu sind die Aufnahmen wichtiger Ereignisse, die wir uns im Menü erneut ansehen können – diese werden von Blake mit weiteren Story-Details kommentiert.

Wer vom ersten Teil begeistert war, wird vom Nachfolger eher enttäuscht. Denn trotz der interessanten Story und dem Setting in der Wüste Arizonas geht die Spannung schnell verloren. In den 8-12 Stunden Spielzeit wiederholen sich viele Jumpscares und in einigen Situationen, gerade in der Anfangszeit, kamen wir nur durch Trial and Error weiter – also dem Ausprobieren und Scheitern, bis es endlich geschafft ist. Das ist frustrierend und hat den Spaß schnell in den Keller gezogen.

Auch die Lebenszeit der Kamera ist alles andere als optimal. So geht eine Batterie im Nachtsichtmodus nach gefühlten 5-10min leer und in den ersten Kapiteln sind wir mehr um unsere Batterien besorgt, als um alles andere – hier heißt es nicht mehr „Finde Lynn, nichts ist wichtiger als Lynn“, sondern „Wo zum Teufel ist die nächste Batterie?“. Das ändert sich jedoch später und die kleinen Energiespender lassen sich nebenbei finden, ohne groß danach zu suchen.

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Die religiösen Dorfbewohner sind euch nicht freundlich gesinnt.

Wo viele andere die zweite Hälfte des Spiels abwerten, hatten wir hier besonders unseren Spaß. Die Trial and Error Passagen sind seltener, es passiert mehr in kurzer Zeit und die Atmosphäre wird intensiver. Die Jumpscares mögen an Effektivität verlieren und die Angst ist nicht mehr so groß, aber dennoch ist die zweite Hälfte spannender und weniger frustrierend als die Erste.

Arizona – ein dunkler aber hübscher Ort

Die Grafik in Outlast 2 ist nur ein wenig besser als im Vorgänger – das ist aber auch gar nicht wichtig, denn viele Szenen spielen sich in der Dunkelheit ab. Die verschiedenen sichtbaren Areale sind liebevoll gestaltet: Das fängt mit dem Dorf der Knoth-Jünger an, wo wir nicht nur Tierkadaver finden, die von Fliegen befallen sind, sondern auch reichlich Menschen- und Baby-Opfer. Die alten Holzhütten und Scheunen vermitteln ein typisches Bild von Rednecks – wir fühlen uns direkt unwohl.

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Ein rituelles Opfer – nicht sehr einladend.

Arizona ist aber vielseitig und bietet verschiedene Orte zum Entdecken. So sind wir später noch in einem Bergwerk-Dorf mit all seinen industriellen Anlagen unterwegs und in der Mine 800 Fuß unter der Erde. Auch die Visionen von Blake, wo wir uns plötzlich in der Schule einer verschneiten Kleinstadt befinden, sorgen für reichlich Abwechslung. Red Barrels schafft es mit Detailverliebtheit ein fiktives Areal zu schaffen, das real wirkt. Einzig und allein die Dunkelheit, die allgegenwärtig zu sein scheint, hindert uns daran, uns die Umgebung näher anzusehen. Die Nachtsicht hilft hier zwar weiter, aber aufgrund der Kurzlebigkeit der Batterien bleiben viele Orte unbesichtigt.

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Schöne Aussicht.

Sound – das A und O im Horror

Erst der richtige Soundtrack und die Umgebungsgeräusche machen ein Horrorspiel zum perfekten Grusel-Erlebnis. Outlast 2 macht hier aber einen Spagat – auf der einen Seite ist der Soundtrack in den meisten Fällen sehr atmosphärisch und die Umgebungsgeräusche, wie knarzende Holzdielen, Krähen im Wald und die Fanatiker, die ihre Bibelverse murmeln, tun ihr übriges.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch Momente, in denen der Sound die Atmosphäre schnell zunichtemacht. Schrille Sounds, die das Gefühl eines Jumpscares vermitteln, aber mitten in der Pampa vorkommen und sich durch das komplette Spiel ziehen, sind auf Dauer nervig – auch ein Grund, wieso die eigentlichen Jumpscares später nicht mehr ihre gesamte Wirkung entfalten.

Fazit

Outlast 2 wird seinem erfolgreichen Vorgänger nicht gerecht, gehört aber gleichzeitig in die Sammlung von jedem Fan der Reihe. Die Story ist interessant und Red Barrels gehen mit dem realen Hintergrund einen neuen Weg, jedoch ist das Ende nicht zufriedenstellend und auch ein DLC wird höchstens unsere offenen Fragen beantworten können. Das Gameplay ist typisch Outlast und bietet wenige Innovationen gegenüber dem ersten Teil. Die Trial and Error Passagen und die verstärkte Batterie-Suche in der ersten Spielhälfte zehren schnell an den nerven und trüben den Spielspaß. Dafür bietet die zweite Spielhälfte mehr Aktion und weniger Frust – jedoch auf Kosten des Gruselfaktors. Der Sound ist bis auf nervige Ausnahmen passend und unterstützt die düstere Atmosphäre.

Outlast 2 hat uns nicht das geboten, was wir erwartet haben, bietet für 8-12 Stunden aber soliden Horror mit einer interessanten Story über Religion, rituelle Opfer, Fanatiker, Ketzer und dem Antichristen. Trotz diverser Mängel ist der Titel einen Blick wert.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Story
8
Grafik
8
Sound
7
Gameplay
7
Fun
6
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Sascha ist seit vielen Jahren leidenschaftlicher Zocker, dabei haben ihn Survival Spiele schon immer interessiert. Neben der Leitung von Survivethis zockt Sascha auch gerne ein paar Runden mit Freunden oder fährt zur Entspannung mit dem Motorrad.

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