Next Day: Survival

Die lange Reihe der Open World Survivals ist seit dem Erfolg von DayZ über die letzten drei Jahre zusehends unübersichtlich geworden. Dennoch versuchen Entwickler weiterhin, mit ihren Early-Access-Titeln das Geheimrezept zu finden, um sich ihren Teil am Genrekuchen zu sichern. Next Day: Survival erinnert hierbei wohl am bisher stärksten an DayZ – geht jedoch an kritischen Punkten andere Wege.

Aus Schwächen lernen?

Spieler kritisieren an DayZ oft den Mangel an Führung und fühlen sich orientierungslos im freien Survival. Hier setzt Next Day: Survival wohl den entscheidensten Schritt mit einem Quest-System sowie verschiedenen Fraktionen für Spieler. Neueinsteiger beginnen an einer Safezone, die von NPCs bewacht wird. Dort machen uns die Bewohner durch erste Quests mit der Umgebung und den zentralen Gameplay-Mechaniken vertraut: Wir erhalten ein Messer und craften uns ein Medkit, bevor wir zum ersten Mal auf Mission gehen und kämpfen.

Safezone in Next Day: Survival
Klassisch: Wir spawnen ohne Ausrüstung – aber immerhin mit Rucksack – in der Sicherheit unserer Basis.

Hier bildet sich der zweite Unterschied zu den Inspirationen, denn Untoten werden wir in diesem postapokalyptischen Szenario nicht begegnen. Die feindliche KI tritt uns in Form von Wölfen, Bären und marodierenden Soldaten entgegen, die uns bei Sichtkontakt angreifen und einem unvorbereiteten Neuling schwer zusetzen können. Nach einigen Einsteiger-Missionen, die uns innerhalb einer Stunde auch schnell zu mehreren Schusswaffen verhelfen, können wir unsere Fraktion wählen. Hier gilt das klassische Gut-Böse-Prinzip mit den Zivilisten und Plünderern. Jede Fraktion hat ihre eigenen Safezones auf der Karte, die entsprechend von NPCs gesichert sind, aber nicht vollkommenen Schutz gewähren. So wird gegen das rigorose Abschlachten von Spielern untereinander vorgegangen, das ebenfalls in Konkurrenztiteln vorherrscht. Die Questreihe ended hier zunächst, sie wird jedoch im Rahmen der Early Access noch erweitert werden.

Für kurzfristige Motivation und Spannung sorgen umkämpfte Airdrops sowie NPC-Lager, die ihr erobern und plündern könnt. Die russischen Entwickler von SOFF Games bieten in ihrem Erstlingsprojekt eine wachsende Anzahl von Waffen und zugehörigen Munitionstypen, in deren Nutzung es sich einzufinden gilt. Gespielt wird aktuell ausschließlich in Third Person. Ein ausgefeilteres Basebuilding-System ist nicht geplant, die Entwickler zielen auf ein simples Platziersystem mit einzelnen Objekten wie Zelte ab.

Noch ganz am Anfang

Wer erwartet, in Next Day: Survival umgehend den lange erwarteten DayZ-Killer zu finden, wird enttäuscht. Denn so sehr der Titel auch versucht, Schwächen seines Vorbilds auszugleichen, ist in der Early Access noch eine Menge an Arbeit erforderlich. Die KI erscheint oft unvorhergesehen oder zieht aus unerfindlichen Gründen Aggro, was bei starken Gegnern gerade mit zusätzlicher PvP-Bedrohung häufig im Ableben ändert. Zu Spielbeginn seid ihr auf eure Questbewaffnung angewiesen, um erste Bedrohungen zu eliminieren. Sterbt ihr während der ersten Quests und verliert eure Waffe, seid ihr oft aufgeschmissen. Nächte werden ungewöhnlich kalt, sodass gerade neue Spieler oft nichts anderes machen können, als am Lagerfeuer den Gitarrenklängen des NPCs zu lauschen.

Nacht in Next Day: Survival
Camp-Leben: Die Nacht bricht herein und wir lassen uns mit einigen NPCs am Lagerfeuer nieder.

Während die Questreihen am Anfang noch eine gute Orientierung bieten, kann es passieren, dass sie im Endgame zu monoton und unbedeutend werden. Fahrzeuge können aktuell zwar bereits durch einen Werkzeugkasten fahrtauglich gemacht, dann aber in keinster Form gesichert werden, sodass ein ungesehener Langfinger schnell zugreifen kann. Die Spielkarten sind kleiner und ebenerdiger als in DayZ, was das Game übersichtlicher, aber auch trostloser gestaltet.

Was gibt es zu erwarten?

Next Day: Survival macht zu Beginn einen soliden Eindruck. Trotz Early Access gibt es umgehend etwas zutun, Spieler sind schnell ausgerüstet, und dank des Fraktionen-Systems ist nicht jeder Spieler ein Feind. Neben bereits existierenden PvE-Servern soll zukünftig noch ein Battle-Royale-Modus etabliert werden, womit die Entwickler den Puls der Zeit treffen. Bereits zehn Tage nach Release kommt der Titel mit seinen Spielerzahlen fast an DayZ heran, wobei die europäischen Server von Russisch-sprachigen Spielern dominiert werden. Die Steam-Reviews sind mit über 70% positiv eingestellt. Doch aktuell weist auch dieser Titel die oben genannten Schwächen insbesondere im Endgame und in der Tiefe der einzelnen Spielaspekte auf.

Auf Mission in Next Day: Survival
Mit Schutzanzügen gehen wir auf Mission in einem verseuchten Sumpf.

Wer hier auf den Early-Access-Effekt blind vertraut, könnte enttäuscht werden: Laut der Steam-Seite befindet sich Next Day: Survival nämlich schon in der Beta, und der Full Release ist bereits für September 2017 geplant. Ob die Entwickler in zwei Monaten diese doch durchaus herausfordernden Probleme im Bereich Bugfixing und Balancing von Langzeit-Systemen bewältigen können, ist fraglich. Bis dahin ist der Titel mit nur 9 € auf Steam vergleichsweise preiswert erhältlich, nach Release wird dieser vermutlich auf 15 € angehoben. Wir empfehlen eine gesunde Vorsicht bei der Kaufentscheidung.

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