Re:Mind - Mystery-Thriller-Serie aus Japan
Bild: (C) Netflix

Ein bemerkenswertes „Netflix Original“ ist die japanische Kurzserie Re:Mind. Mit Elementen aus Psychothriller, Horror und Drama schafft sie ein schmerzhaftes Lehrstück zum Thema Mobbing und Doppelmoral.

Die rote Tafel ist lang und üppig gedeckt, der umgebene Raum wirkt wie aus einer anderen Zeit. Überall an den Wänden hängen antike Bilder, dazwischen Spiegel, Uhren, Jagdtrophäen.
An der Decke schaukeln mehrarmige Kerzenleuchter, ihr Licht fällt auf die obligatorische Ritterrüstung. Das muss er wohl sein, der perfekte Ort für ein Candle-Light-Dinner – doch etwas an dieser Szene stört.

Es sind die roten Kapuzen über den Köpfen der elf Mädchen, die sich um den großen Mampftisch versammelt haben. Ist das etwa wieder eine dieser japanischen Esstraditionen, die das westliche Verständnis auf die Probe stellen? Mitnichten. Denn unter lauten Schreien entfernen die Mädels jetzt ihre Kopfbedeckungen; sie sind offenkundig nicht ganz Frau der Lage. Weder wissen sie nämlich, wo genau sie sich befinden, noch warum sie aus ihrer gewohnten Umgebung gezerrt wurden.

Re:Mind - Blick von oben
Von gelegentlichen Rückblenden einmal abgesehen, spielt Re:Mind ausschließlich in diesem Raum. Langweilig? Nein!

Eine Entführung. Dumm gelaufen, aber immerhin sind sich die Damen untereinander bekannt. Denn sie alle sind Mitglieder eines (wie sich mit der Zeit herausstellen wird) ominösen Clubs, der der Ungerechtigkeit den Kampf angesagt hat. Das heißt: Die Schülerinnen bestrafen aktiv verschiedene Missetäter, indem sie sie beispielsweise an den Online-Pranger stellen. Sollten sich die Mädels gewissermaßen also selbst in diese Lage gebracht haben?

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Nach einigem Blabla herrscht Konsens darüber; dann verschärft sich plötzlich die Situation: Ein Wecker klingelt, die Kerzen erlöschen, die ganze Bude wackelt wie verrückt. Es soll sich später als ein immer wiederkehrendes Ritual entpuppen, das mit jedem Mal eines der Mädchen spurlos verschwinden lässt. Mit den Füßen fest im Boden (ja, im Fußboden) überlegen die „Gerechtigkeitskämpferinnen“, was ihr Entführer von ihnen möchte. Dabei – und das ist der besondere Reiz der Serie – bergen sie die zahlreichen Leichen, die sie in ihren Kellern gehortet haben.

Re:Mind - Fußfesseln
Unter der Tafel sieht es nicht gut aus: Der Entführer hat seine Opfer mit für sie unüberwindlichen Fußfesseln versorgt.

Die Gruppe soll „sich erinnern“, entschlüsselt die mutmaßliche Klassenprima. Dazu hat der Entführer den Raum mit allerlei bedeutungsschwangeren Gegenständen präpariert. Auf diese Weise gerät schnell die vor ein paar Monaten verschwundene Miho in den Fokus, eine gehandicapte Klassenkameradin der Entführten. Ein schwerer Schulunfall hat sie für immer an den Rollstuhl gefesselt – und allem Anschein nach haben die elf Clubdamen ihren Anteil daran.

Kurz, spannend, intelligent

Obwohl die 13 Folgen – je 30 Minuten kurz – hauptsächlich im eingangs beschriebenen Raum spielen, ermüdet die Geschichte nie. Dafür sorgt neben der kunterbunten Zusammenstellung der Charaktere (so ist z.B. auch ein stummes Mädchen darunter) eine stark erweiterte Betrachtungsweise des Mobbings.

Re:Mind - Kapuzenmann
Die Horroreinlagen in Re:Mind sind ziemlich schlau.

Wir alle wissen natürlich, dass Mobbing sehr uncoole Folgen haben kann. Dabei denken wir jedoch kaum über das Opfer hinaus. Re:Mind tut genau das: es beleuchtet das Umfeld der Opfer, bringt Dominoeffekte ins Spiel, zeigt, wie fatal selbst kleinste Missverständnisse sein können. Und das lässt den Zuschauer nachdenklich zurück, auch mich.

Wenn ich Re:Mind mit wenigen Worten beschreiben müsste, würden diese lauten: Wenn aus einer Mücke ein gottverdammtes Drama wird. Japan-affinen Netflix-Guckern sei diese Serie ausdrücklich ans Herz gelegt.

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