Im Test: Die PC-Version.

Near Death ist ein Singleplayer-Open-World-Survival-Spiel von Orthogonal Games aus dem Jahr 2016. Wir spielen in der first-Person-Perspektive auf einer detailreich ausgestalteten Map. Nach einer Fehlfunktion des Flugzeugs ist unsere Pilotin, die wir durch die Geschichte begleiten, in der Antarktis notgelandet. Außentemperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, beißender Wind und eine schier ewig andauernde Polarnacht. Die Zivilisation ist 200 Meilen entfernt. Hell wird es erst wieder in Tagen – oder Wochen? Zum Glück ist die „Sutro Station“ in der Nähe, eine aufgegebene Forschungsstation aus Container-Elementen.

Lineare Story, einfache Spielmechanik

Diese Zuflucht ist der Ort, an den wir uns zunächst retten. Schnell wird klar: Die Station ist nicht nur aufgegeben, sondern teilweise schon demontiert. Dennoch finden wir zumindest Wind- und wettergeschützte Räume, in denen wir uns aufwärmen können. Auch ein Generator läuft noch und erzeugt Strom sowie Wärme. Was wir nicht finden, sind Nahrungsmittelvorräte. Daher bleibt uns nur die Flucht aus der weißen Hölle und die bereiten wir im weiteren Spielverlauf von Near Death vor. Die Rolle unseres Unterstützers und Ratgebers übernimmt Jack, ein Kollege am anderen Ende eines Telefax. Mit ihm führen wir während es Spiels schriftliche Konversationen.

Near Death: Der kleine Pertroleumofen ist unser Lebensretter. Wenn wir zu stark abgekühlt sind, müssen wir nur einen geschlossenen raum finden, um ihn zu nutzen.
Der kleine Pertroleumofen ist unser Lebensretter. Wenn wir zu stark abgekühlt sind, müssen wir nur einen geschlossenen raum finden, um ihn zu nutzen.

Die Spielmechanik ist relativ einfach: Gehen, rennen, looten, craften. Manchmal sind kleine Sprünge zu bewältigen, was aber schon das kniffligste Element der Steuerung ist. Es gibt keine Status-Anzeigen, keine aufwendigen Punktesysteme für Hunger, Körpertemperatur, Müdigkeit, etc. Auch die Handlung verläuft zunächst ziemlich linear:

  • Generator reparieren.
  • Stromversorgung zu wichtigen Gebäuden herstellen.
  • Schneepflug lokalisieren.
  • Schneepflug mit allen nötigen Utensilien für die Flucht ausrüsten.

Komplexität auf den zweiten Blick

Zwischendrin kommen dann doch Zweifel: Ein Sturm zieht herauf. Sollen wir wirklich die Basis verlassen? Oder ist es doch sicherer, sich hier zu verschanzen und auszuhalten, bis Hilfe kommt? Und verbirgt sich im Forschungslabor vielleicht doch ein schlimmes Geheimnis? Oder fallen uns am Ende irgendwo Aliens an, die in der Antarktis gelandet sind?

Near Death: Sollen wir wirklich mit diesem Schneepflug durch den Sturm fahren? Oder gibt es eine andere Rettung?
Sollen wir wirklich mit diesem Schneepflug durch den Sturm fahren? Oder gibt es eine andere Rettung?

Auch die möglichen Handlungen und ihre Folgen werden komplexer: Wenn wir die zerbrochenen Fenster in Räumen abdichten und sie heizen, schmilzt der Schnee weg. So werden Kisten und Regale freigelegt, die wir vorher nicht erreichen konnten. Mit einem Schweißgerät können wir zugefrorene Türen abtauen und dann öffnen. Der Sturm wird stärker. Türen lassen sich nur noch schließen, wenn wir uns mit aller Kraft dagegen werfen. Und wenn wir uns im zunehmenden Schneetreiben nicht verlaufen wollen, müssen wir Orientierungspunkte finden oder eindeutige Markierungen hinterlassen. Hierzu eröffnet das Spiel Möglichkeiten, macht aber keine festen Vorgaben, wie Aufgaben zu bewältigen sind.

Der Schweißbrenner in Near Death öffnet uns Türen, die das Eis zunächst versperrt hatte. Bekommen wir so den Generator zum Laufen?
Der Schweißbrenner in Near Death öffnet uns Türen, die das Eis zunächst versperrt hatte. Bekommen wir so den Generator zum Laufen?

Atmosphäre in Near Death

Die Grafik ist für ein Indie-Spiel völlig ok, aber um Längen von dem entfernt, was Blockbuster abliefern. Kurz vor Spielende hat ein optischer Effekt uns sogar ein fasziniertes „WOW“ entlockt. Alles in allem gibt es hier aber nichts Innovatives, das uns vom Hocker gerissen hätte.

Sound und musikalische Untermalung von Near Death sind hingegen sehr gut gelungen. Der ständige Wind und die Töne, die unser Spielcharakter von sich gibt, bauen eine beklemmende Atmosphäre auf. Beim mühsamen Zudrücken von Türen gegen den Wind leiden wir förmlich mit, wenn wir das schmerzverzerrte Keuchen hören. Am Atemrhythmus erkennen wir, wie nah wir dem Erfrieren sind. Kurz vor dem Ende hören wir das Blut in den Ohren pochen. Dann wird es still um uns. Das Sichtfeld wird Schwarz-Weiß und völlig klar. Die letzten Sekunden vorm sicheren Tod laufen ab…

Fazit

Near Death bekommt man auf Steam für knapp 15 €. Das ungewöhnliche Szenario in einer verlassenen Forschungsstation der tödlichen Antarktis hat uns gut gefallen. Auch die Steuerung ging flüssig von der Hand. Die Bedeutung, die der Sound für das Spiel hat, ist faszinierend, während die Grafik eher „gute Hausmannskost“ ohne Extravaganzen ist. Trotz seiner linearen Story bringt das Spiel drei bis vier Stunden kurzweilige Unterhaltung.

2 KOMMENTARE

  1. Erinnert mich vom Setting ungemein an die Penumbra-Reihe, welche meiner Meinung nach längst einmal einen Nachfolger verdient hätte.

    Werd‘ ich mir auf jeden Fall bei Möglichkeit mal zu Gemüte führen.
    Danke für den Beitrag!

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