Survival Shooter

Das Survival-Genre ist noch vergleichsweise neu auf dem Markt. Beständig testen und berichten wir über neue Titel, die sich als „Survival-Spiel“ bezeichnen. Doch wie viel Survival steckt noch in der neuen Generation? Bleibt der Wille zu Überleben oder degeneriert das Genre durch den Einfluss des Shooter-Mainstreams?

Leitbeispiel „The Division“

Es begann bereits vorher, doch Ubisoft´s The Division ist vermutlich der führende Titel, wenn es darum geht, einen Shooter durch den Aspekt Survival zu vermarkten. Ein von einem Virus verwüstetes New York, in dem Nahrung knapp wird und verseuchte Gebiete existieren? Es scheint zunächst ein perfektes Szenario zu sein – wenn der Aspekt des Überlebens nicht so mit Füßen getreten würde: Nahrung dient nicht etwa der Grundversorgung des Charakters, sondern dem Boosten irgendwelcher Statuswerte, als wären wir zurück bei Super Mario. Der New-Yorker Winter macht uns nichts aus, egal welches oder ob wir überhaupt eines der (wenigstens halbwegs stimmigen) Outfits tragen. Komplett isolierte Quarantäne-Gebiete werden je nach Modell der Atemmaske schnell betretbar, wie jeder andere Ort.

Schnell wird uns bewusst, wir sind ein Soldat. Ein Schläferagent, der gegen die kriminellen Banden kämpft – ein Held, der immun gegen die raue Umwelt zu sein scheint. So wünschen wir uns manchmal vielmehr, mit den hilflosen Zivilisten tauschen zu können, für die die Banditen übermächtig scheinen und die sich in Manhattan gefangen finden. Doch The Division ist nicht mehr das Nischengenre Survival – es ist ein Mainstream-Shooter, in dem keiner einen Dreck gibt, ob er in der Dark-Zone über den Haufen geschossen wird oder nicht.

Spieler wollen keine Angst haben

Wann geht es wirklich ums Überleben? Hier scheiden sich die Geister. Der Tod sollte nicht nur einen vorübergehenden Spielstop zufolge haben, sonst gilt das Prinzip „Stirb dich ein Stück weiter“ – so etwas mag in Dark Souls ein Erfolgskonzept sein, doch serienmäßiges Sterben kann man wohl kaum als Überlebens-Titel zählen. Vielmehr sollte der Tod als Ende gelten. Verlust von Erfahrung und Ausrüstung sollte ganz natürlich sein. Doch gegen dieses Prinzip wehren sich Spieler und Entwickler massiv. Die meisten Titel bieten Save- und Respawn-Optionen durch Betten oder serverübergreifende Warenlager, mit denen Spieler ihre kostbaren Waffen zugriffssicher im Nirvana verstecken können. In einem Gefecht gestorben? Einfach bequem im Lager respawnen, neu ausrüsten und ab wieder in den Kampf! Wo geht es da noch ums Überleben, als vielmehr ums Töten ohne Rücksicht auf das eigene Leben?

Auch bei DayZ – einem der wenigen Titel ohne eine gezielte Respawnfunktion oder zugriffsgeschützte Lager – gibt es stets laute Rufe nach eben diesen Elementen. Warum? Die Spieler haben Verlustängste. Angst zu Sterben, da sie alles verlieren würden. Und bei allem Gerede um das Thema Überleben des Stärkeren – in einem Videospiel wollen die meisten die großen Helden sein und einander abschlachten. Wehrlosigkeit und Schwächen? Vielleicht sogar einmal zusammenarbeiten? Wo kämen wir denn da hin?

Warum dann Survival?

Wieso versuchen dennoch so viele Entwickler, in ihren Titel den Aspekt des Überlebens unterzubringen? Ganz einfach: Es ist gerade im Trend. Und wie schwer kann es schon sein, eine etwas verwilderte Umgebung zu bauen und vielleicht ein paar strohdumme künstliche Intelligenzen im Zombie- oder Alien-Modell aufzustellen? Einfach den Standard-Charakter mit allen Waffen in dieses Gebiet, vielleicht ab und an einmal eine Dose Essen zwischen den Munitionsstapeln. Schon habe ich meinen gewöhnlichen Shooter. Vielleicht einen Zombie-Shooter. Aber das Attribut Survival ist fehl am Platz.

1 KOMMENTAR

  1. Ein wirkliches Survivalspiel muss den Tod als einschneidendes Erlebnis für den Spieler aufzeigen. Dieser sollte bereit sein, alles dafür zu tun, dass er eben nicht stirbt.

    Guckt man sich das aktuelle DayZ an, so hat man ein Spiel mit zuviel Nahrung, Waffen und Munition, um die Umwelt eine Gefahr sein zu lassen.
    Die „unterforderten“ und „gelangweilten“ Spieler machen DayZ meiner Meinung nach zu dem, was es aktuell ist – King of the Hill mit langen laufwehen und „Loot-Zeit“.

    Damit ich DayZ wieder als Survival-Spiel empfinden würde, muss es sich Grundlegend weiter entwickeln. Die Entwickler müssen den „Mut“ aufbringen, vor allem den (militärischen) Loot drastisch runter zu kürzen. Außerdem müssen sie die Laufgeschwindigkeit deutlich senken. Mit aktuell ca. 24km/h erreicht man sehr schnell jeden Ort der Map. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8km/h beispielsweise würde bedeuten, dass alleine die Position auf der Karte wert hätte.

    Diese zwei Aspekte – Loot und Laufgeschwindigkeit reduzieren – könnten DayZ zu einem wirklichen Survival-Spiel machen.
    Kommen dann mehr Zombies, Gefahren wie die Wölfe usw. hinzu, dann kann DayZ auch ein Hardcore-Survival-Spiel werden, in dem sich jeder zwei mal überlegt, ob die Kugeln das Equipment des Opfers wert sind.

    „Erst wenn die letzte Kugel verschossen, die letzte Axt gebrochen und die Wunde offen ist, werdet ihr merken, dass Infizierte nicht reden.“

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