Layers of Fear inheritance daughter


Im Test: Die Windows-Version


Ein dunkles Haus, eine beklemmende Stimmung und ein ungelüftetes Rätsel. Reichen diese Faktoren für ein gutes Horrorspiel, oder macht gerade dieses minimalistische Setting das Spiel zu einer Zeitverschwendung?

Survival Exploration Games im Stile von Dear Esther oder Gone Home sind seit den 2010er Jahren stark im Kommen. Das Feature selbst ist schon wesentlich älter. Spiele wie Half Life, System Shock oder Myst haben in der Vergangenheit bewiesen, dass das Erzählen einer Geschichte durch die Umgebungsdetails eine wirksame Alternative zum inzwischen doch recht generischen Erzählen eines Protagonisten darstellt. Aber wie sieht es aus mit einem Spiel, das seine komplette Spielmechanik allein darauf auslegt, dass die Umgebung die Geschichte erzählt? In der Vergangenheit hat das nicht sehr gut funktioniert. Spiele wie Gone Home sind gute Beispiele dafür, dass Exploration Games nicht funktionieren. Aber wie sieht es mit dem neusten Streich aus – Layers of Fear?

Layers of Fear ist ein narratives Survival Exploration Game des Indie Entwicklers Bloober Team und erschien am 15. Februar 2016 auf Valves Vertriebsplattform Steam. Das Szenario siedelt sich im 19. Jahrhundert an und spielt ausschließlich in einem alten Herrenhaus.
So weit so gut.

Layers of Fear unterscheidet sich allerdings deutlich vom bereits oben beschriebenen Gone Home. Ließ uns Gone Home meist eher im Dunkeln, was es mit dem Horror auf sich hat, so geht es in Layers of Fear wesentlich subtiler zu. Wir schlüpfen in die Rolle eines Künstlers. Ja eines Künstlers! Wir kennen weder seinen Namen, noch seinen Charakter, nichts. Nicht zu vergessen, es gibt keine Dialoge. Das soll uns dazu einladen, in die Rolle zu schlüpfen. Problem hierbei: Wir wissen ja nicht mal, in wen wir uns hier hineinversetzten sollen. Die Identifizierung mit dem Hauptcharakter fällt also sehr schwer.

Ein wahnsinniger Künstler

Fassen wir mal die relativ unübersichtliche Story zusammen: Wir sind ein Künstler, der in dem verlassenen Herrenhaus alle Teile für seinen sogenannten „Magnum Opus“ zusammensucht, um sein Werk zu vollenden. Dabei bahnen wir uns unseren Weg durch das labyrinthartige Haus. Schnell wird dem Spieler jedoch klar, dass es hier nicht mit richtigen Dingen zugeht. Gemälde sind dort, wo sie nicht sein sollten, Türen verschwinden und das Haus wird von einem Augenblick zum nächsten immer unordentlicher. Der geübte Survival-Horror-Spieler denkt sofort an eine übernatürliche Gefahr wie Amnesia: The Dark Descent, allerdings wird er nie mit einer wirklichen Gefahr konfrontiert. Layers of Fear bleibt das komplette Spiel Gewaltfrei und treibt den Spieler auch nie in die Bredouille.

Das Einzige, was dem Spieler zu schaffen macht, ist die bedrückende Stimmung, die zugegebener Maßen sehr gut inszeniert ist. Musikalische Untermalung, ein sehr dumpfes Licht und die zunehmende Unordnung sorgen für ein klaustrophobisches Gefühl. Der Spieler fühlt sich sehr unwohl in seiner Haut. Hinzu kommt, dass die vermeintliche Hauptfigur im Laufe des Spieles immer mehr durchzudrehen scheint.

Layers of Fear geht dabei in eine ähnliche Richtung wie zuvor Amnesia: The Dark Descent und setzt dieses Gefühl des Wahnsinns auch sehr gekonnt ein. Allerdings fehlt Layers of Fear die wohl mit Abstand wichtigste Komponente eines Videospiels: Spielerischer Anspruch. Mehr als geradeaus laufen, mal zurücklaufen, sich hinknien und Dinge aufheben und betrachten , kann unsere Figur nicht. Das Spiel ist vollkommen anspruchslos, was ein Spiel für mich komplett degradiert. Man muss natürlich hinzufügen, dass das Gameplay auch nicht mehr bietet. – Im Klartext: Layers of Fear ist aufgrund des nicht vorhandenen Gameplays meiner Meinung nach völlig obsolet.

Neben der fehlenden Abwechslung gibt es auch keine wirklichen Rätsel, wenige zusätzliche Geschichten oder gar Entscheidungsmöglichkeiten. Layers of Fear ist ähnlich wie diese Fernseh-Videospiele in den 90ern, die man zu einem Film bekam, nur anspruchslos. Gerade die enorme Fülle an psychodelischen Horrorfilmen, die wenigstens Action bieten, machen Layers of Fear wirklich unnötig. Ich als Spieler erwarte bei einem Preis von 20 Euro bei Steam nicht vier Stunden lang die W-Taste zu drücken und ab und zu mal was aufzuheben. Wer sich diesen Hürden dennoch stellt und gerne seine Zeit mit Nichtstun verbringt, den erwartet eine durchaus interessante Geschichte.

Layers of Fear macht rein aus erzählerischer Sicht viel richtig. Dem Spieler bleibt viel Interpretationsspielraum: Welche Krankheit hat der Protagonist, ist das Herrenhaus ein Abbild unserer Persönlichkeit und malen wir nicht unser Meisterwerk, sondern versuchen aus einem verrückten Traum aufzuwachen? Hier wird dem geneigten Gamer viel geboten und die erzählerischen Mittel, die das Spiel aufgreift sind durchaus interessant. Hinzu kommen auch ein paar recht plump aber gekonnt eingesetzte Jump Scares. Wer schon mal ein Horrorspiel gespielt hat, und sei es nur Slender, der wird hier zwar nicht weiter geschockt, aber wenigstens gut unterhalten.

Technisch gesehen basiert Layers of Fear auf der Unity Engine und sieht eher mittelmäßig aus, zumindest was die Grafik angeht. Allerdings hat man sich hier sehr viel Mühe gegeben, das Herrenhaus so schön wie möglich einzurichten. Gerade im späteren Verlauf des Spiels strotzt das Spiel nur so vor Details. Bücher und skurrile Kunstwerke erfreuen jeden an Kunst interessierten Spieler – etwas, das Spielen heutzutage ja nicht mehr so gut gelingt. Ich erinnere hier nur mal an das zweite Amnesia Spiel.

Abschließend kann ich Layers of Fear persönlich nicht empfehlen. Das Spiel ist im Grunde auch kein Spiel, es ist mehr wie ein spielbarer Film und da gibt es für mich deutlich bessere Alternativen. Hinzu kommt der stolze Preis von 20 Euro. Für 20 Euro bekommt man auf Steam Outlast das wesentlich bessere und vor allem gruseligere Horrorspiel. Aber für jeden Fan von Spielen wie Gone Home ist Layers of Fear durchaus einen Blick wert.

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