Infernium Review - Survival Horror Game


Im Test: Die Windows-Version


Mit Infernium erreicht uns dieser Tage zwar kein bluttriefender Schocker im Stile von Home Sweet Home. Dafür besticht das nunmehr zweite Werk des katalanischen Entwicklers Carlos Coronado durch seine eigenwillige Interpretation der Hölle. Keine Lust mehr auf den immer gleichen Slender-Horror? Dann bitte unbedingt weiterlesen.

Infernium: Wenn die Hölle sich dem Himmel annähert

Pilze, Wissenschaftler, Höllentrips: Die Eckdaten von Inferniums Background-Story lassen fast schon auf ein Eddie-Jessup-Tribut schließen. Es geht um den wissenschaftlichen Beweis für den Abyssos; um ein Forscherteam, das sich zur Erbringung dieses Beweises mit mysteriösen Pilzen zuknallt – und das daraufhin tatsächlich in der Hölle landet. Von wegen „ich muss erst die Manson Family 2.0 gründen und dann vom Hochhaus springen“ – oder schlicht in Syrien wohnen.

Nein, in Infernium ist die Hölle weder wie Aleppo noch wie in der Bibel. Sie ist keine ausschließlich per Tod erreichbare, unterirdische Super-Sauna, der ein warnschildroter Feind Gottes vorsteht. Sie ist vielmehr wie ein surreales Gemälde aus dem Hause Dalí, inklusive Sonnenlicht und Wasserfluss. Ein bisschen wie der biblische Himmel also; nur, dass hier niemand relaxt in Basthängematten schaukelt. Bei allen moderneren Denkansätzen hat nämlich auch der Carlos-Hades eine eher klassische Funktion: die Peinigung ziellos umher wandelnder Seelen.

Infernium Review - Start
Hallo, Hölle! Du bist es doch … oder? (Startszenario)

Der Zauber der Teleportation

Aber welche Rolle spielen nun eigentlich wir in diesem Spiel? Die Antwort darauf ist einfach: Wir wissen es nicht, on ne sais pas. Da ist kein Intro und da sind keine Cutscenes, es gibt nicht einmal einen einleitenden Wer-was-wo-Text. Ganz wie im goldenen Zeitalter der Arcade Games werden wir kurzerhand auf eine der zahlreichen Luftinseln geworfen, wo uns drei oder vier Tutorialboxen (sinngemäß) zu verstehen geben: Du sollst spielen, nicht lesen. Und das machen wir dann auch – weil sich bereits nach wenigen Minuten der Spielspaß einstellt.

In Infernium wird nämlich weder gerannt noch gefunzelt noch gesprungen; vor allem und gerade nicht gesprungen. Stattdessen „konsumieren“ wir über unsere Hände Lichtenergie, die uns eine Art Teleportationszauber ermöglicht. Konkreter: Überall in der Hölle sind merkwürdig ausschauende Lichtbehältnisse zu finden, denen wir mittels der linken Maustaste den Inhalt entziehen können. Per rechter Maustaste erzeugen wir dann einen Teleportationsstrahl, über den wir, räumlich begrenzt, unseren Landepunkt festlegen – und zupp, sind wir auch schon haargenau dort, wo wir sein wollen.

Das klingt nicht nur simpel, es ist simpel. Und mitnichten neu. In Kombination mit dem ausgeklügelte Leveldesign aber wird daraus nicht weniger als der Coup des Spiels. Denn wir teleportieren uns nicht bloß über lahme Lücken in Brücken, sondern wir stehen zuweilen vor mehrebenigen (und manchmal auch recht kniffligen) Teleportationsrätseln.

Horror (nicht nur) im Hellen

Insofern entpuppt sich Infernium als gekonnter Hybrid aus Rätsel-Platformer und Survival Horror; oder auch als ein – wie es der Entwickler formuliert – Pac Man in der Hölle. Coronado bezieht sich damit auf die nicht ganz ungruseligen Hasch-mich-Spielchen mit geisterhaften Kultistenkutten, die sich jedoch nicht durch das gesamte Spiel ziehen.

Infernium Review - Turm
Die unangenehme (Geist-)Gesellschaft lässt in Infernium nicht lange auf sich warten…

Zwar tritt diese First-Person-Verbeugung vor Pac Man(ia) immer wieder mal in Erscheinung – etwa in den engen Gängen labyrinthartiger Dungeons. Dazwischen aber treffen wir auf zahlreiche andere obskure Gegner, wie z.B. die „Lichtgestalten“ oder einen ein Durchgangstor bewachenden Geisterhund. Kämpfe im eigentlichen Sinne gibt es übrigens nicht: So gut wie jeder Hölleninsaße muss entweder unter Nutzung der Umgebung ausgetrickst oder durch das Lösen eines Rätsels zum Gehen bewegt werden.

Infernium Review - Unsichtbarer Bello
Feinde sind in Infernium grundsätzlich surrealer Natur; hier ein recht angriffslustig kläffendes Hundehalsband.

Aber war da vorhin nicht irgendetwas mit Story? Richtig, die „Tagebucheinträge“ des eingangs erwähnten Forscherteams. Die hätten wir jetzt beinahe vergessen, was mitunter daran liegt, dass sie üblicherweise in schwarzer Schrift auf verwitterte Wände geklatscht wurden (noch genialer wäre da nur gewesen, wenn die Jungs einfach mal leserlich in ein Tagebuch geschrieben hätten). Außerdem legt Infernium seinen Fokus dermaßen hart auf das Platformer-Gameplay, dass die Geschichte um den Höllen-Beweis ähnlich optional vor sich hin plätschert wie das Log-Geseier des theoretischen Setting-Genossens Doom³.

Doom³ hatte doch eine Story, oder?

Fazit: Ein Anti-Agony mit 80er-Charme

Infernium bedient sich vornehmlich altgedienter Platformer- und Aracde-Elemente – und vermischt diese homogen mit modernem Survival Horror. Aufseiten der Technik (Unreal Engine 4) wie auch des Gameplays gibt es so gut wie gar nichts zu beanstanden; einzig die Speicherpunkte hätten gerne etwas näher zueinander platziert werden können.

Für derzeit 22,99 Euro (Steam) bekommen wir hier – nicht zuletzt dank der Integration des Steam Workshops – einiges geboten. Auch ohne zusätzliche Inhalte beträgt die durchschnittliche Spielzeit etwa 14 Stunden. Nichtsdestotrotz sehen wir den Preis als ein klein wenig zu hoch angesetzt – eine uneingeschränkte Empfehlung unsererseits hätte es für sechs bis acht Euro weniger gegeben.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.