Haunted Village - Horrorfilm-Review
(Foto: CJ Entertainment)


Titel: Haunted Village

Genres: Mystery, Horror

Länge: 97 Minuten

Sprachen: Koreanisch, Deutsch


Haunted Village (Originaltitel: Arang) ist ein südkoreanischer Horrorfilm, der bereits im Jahre 2006 erschien. Vom Filmverleiher Splendid Film als „Mischung aus The Grudge und CSI“ angepriesen, geht der Streifen in Wahrheit aber recht eigene Wege, und das ist auch sehr gut so. Meistens.

Haunted Village: Trashig, langweilig, großartig

Würdest du für einen allgemein eher dürftig bewerteten Film bezahlen? Ich schon – sofern er aus dem asiatischen Raum stammt. Denn oft bedeuten die Ohrfeigen europäischer Zuschauer und Kritiker ja nur eines: best enjoyed with nuts and raisins, bitte mit Studentenfutter genießen. Und Haunted Village macht da keine Ausnahme, wie ich nach Entrichtung einer moderaten Anglotz-Gebühr an Jeff Bezos herausfinden durfte.

Zunächst aber führte mich Regisseur Ahn Sang-hoon (Blind bzw. The Witness) gleich in zweierlei Hinsicht aufs Glatteis. Erstens zeigte die Eröffnungsszene nämlich ziemlich genau das, was ich erwartet hatte: Ähnlich wie Amakura und Mayu in Project Zero II: Crimson Butterfly wackelten hier zwei schuluniformierte Mädels durch ein verlassenes Landstück, vorbei an einem später noch höchst bedeutungsvollen Salzhaus, um wenig später den Schock ihres Lebens verpasst zu kriegen.

Haunted Village - Salzhaus
Ein vorsätzlich bröckeliger Blick aufs Salzhaus. (Foto: CJ Entertainment)

Zweitens wirkte der „Höhepunkt“ besagter Szene auf mich wie eine höchstens zweimal geprobte Schultheateraufführung von The Ring. Je lauter die armen Schülerinnen also schrien, desto schallender lachte ich ins Ohr meines Mitguckers. „Endlich mal wieder richtig schmerzfreier Asia-Trash“, brüllte ich – ohne zu wissen, wie falsch ich damit liegen sollte.

Zwar verfügte Ahn Sang-hoon tatsächlich „nur“ über ein Budget von etwa drei Millionen Dollar. Zum Vergleich: Takashi Shimizu, Regisseur von The Grudge, hatte für das Ju-on-Remake zehn Millionen zur Verfügung. Doch Sang-hoon wusste den Inhalt seiner Kaffeekasse zu nutzen, und so besetzte er die beiden Hauptrollen – die Polizistin So-young und ihr Partner Hyun-ki – mit Song Yoon-ah (Jail Breakers, Mama, Hotelier) und Lee Dong-wook (My Girl, Der Duft einer Frau).

Ohne echte Zweifel an ihren schauspielerischen Fähigkeiten aufkommen zu lassen, sehen sich ihre Alter Egos hier einer mysteriösen Mordserie gegenüber. Die Opfer, ausschließlich Männer mittleren Alters, scheinen allesamt mit einem giftigen Gas erstickt worden zu sein. Das heißt, technisch gesehen wurden sie das auch. Dass hinter all dem aber ein typisch asiatischer Rachegeist (weiblich, weißer Kittel, vom Tode missfrisierte, lange schwarze Haare) mit mutmaßlich extrem toxischem Blut sowie einem Töchterchen stehen könnte – das erfahren die Polizisten erst lange nach dem Zuschauer.

Haunted Village - So-young und Hyun-ki
So-young und Hyun-ki bei Ermittlungsarbeiten. (Foto: CJ Entertainment)

Dabei könnten sie den Verbrechen deutlich schneller auf die Spur kommen, wenn sie sich zuweilen nicht in ziemlich belanglosen Gesprächen, manchmal sogar Small Talk, verlören. Besonders ein langatmiger Auto-Chit-Chat der Ordnungshüter gab mir Gelegenheit, das Wohlbefinden meiner zwei Katzen zu steigern: Habt ihr vielleicht Hüngerchen, wollt ihr gebürstet werden, möchtet ihr lieber Feivel, der Mauswanderer sehen?

Wir entschieden uns, bei Haunted Village zu bleiben – und der Regisseur dankte es uns, indem er nach und nach den Trash vor die Tür brachte und die Ernsthaftigkeit wie auch die Szenenintensität steigerte. Ab etwa der Hälfte des Films kristallisiert sich heraus, dass ihm nicht nur ein altes Volksmärchen (eben das 400 Jahre alte „Arang“), sondern auch eine unangenehme bis triggernde (jedoch nicht wirklich spoilernde) Thematik zugrunde liegt: eine Gruppenvergewaltigung, begangen im eingangs erwähnten Salzhaus.

Haunted Village - Töchterchen
Die kleine Tochter des Rachegeistes ist Mami beim Morden gerne behilflich. (Foto: CJ Entertainment)

Die im Übrigen äußerst wehrhafte So-young scheint dazu eine ganz spezielle Beziehung zu haben, hält mit ihrer persönlichen Geschichte jedoch hinterm Berg. Es sind lediglich einige psychotische Rückblenden, die nahelegen, dass ihre Berufswahl auf einem sehr ähnlichen Erlebnis beruht.

Auch Hyun-ki kam nicht von ungefähr zur Polizei – und deutet bei einer Zigarette und einem Glas Soju gerne einmal an, dass er unter Umständen bestimmte Menschen töten könnte. Das klingt verdächtig verdächtig, und tatsächlich wird Haunted Village niemals müde, eifrigen Home-Ermittlern vermeintlich faule Brocken hinzuwerfen, um sie am Ende der Geschichte volles Pfund vor die Wand fahren lassen zu können.

Von null auf hundert in 97 Minuten

Das Besondere an Ahn Sang-hoons erstem Regiefilm ist demnach die Tatsache, dass es sich dabei um eine 97-minütige (und ungefähr 17 Minuten zu lange) Slow-mo-Metamorphose handelt, die beim ersten Anschauen kaum nachzuvollziehen ist. Allerdings animiert sie den nicht denkfaulen Horror-Gucker dazu, sein Hirn – zwecks eines zweiten Durchlaufs – mit grünem Tee und noch mehr Studentenfutter zu übertakten. Alternativ stünde zwar auch die englischsprachige Wikipedia Frage und Antwort, aber das wäre letztlich ja nichts anderes als Cheaten.

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