Gut vier Monate nach dem Release von Frostpunk haben wir auf der gamescom 2018 mit Rufus Kubica von 11 bit studios gesprochen. Er hat uns einen Ausblick auf die nächsten Entwicklungsschritte gegeben und uns erklärt, weshalb die Atmosphäre ihrer Survival-Titel so düster und hoffnungslos ist.

Die Frostpunk-Geschichte endlos weiter erzählen – wie soll das gehen?

Die in der Roadmap angekündigten Updates laufen weiterhin planmäßig. Nach dem Update People and Automatons mit starkem ästhetischem Fokus, steht jetzt ein neues Szenario an. Es wird eine neue Map enthalten und neue Elemente der Hintergrundgeschichte von Frostpunk aufdecken. Wir sollen uns thematisch aber nicht zu sehr am Titel „The Builders – die Baumeister“ festhalten. Dieser sei ein Platzhalter gewesen – und das Szenario habe sich weiter entwickelt, so Kubica. Hier würde es aber bald mehr Klarheit geben.

Außerdem arbeiten die Entwickler mit Hochdruck an dem „Endurance“ getauften Survival-Modus. Hier dürfen wir gespannt sein, wie dieser in einem Spiel mit dem Schwerpunkt auf Story und Atmosphäre umgesetzt wird. Rufus Kubica betont: Frostpunk ist nicht Cities Skylines. Der Endurance-Modus soll ebenfalls einen Fokus auf das Erzählen von Geschichten legen – und nicht auf das möglichst optimale und große Aufbauen einer Stadt.

Zum Jahresende ist dann das Technik-Update „Winter Snapshots“ angekündigt. Hier soll es auch noch mal einen leichteren, zur Weihnachtszeit passenden inhaltlichen Teil geben. Der Fokus liegt aber darauf, die Spielgrafik für Spieler noch besser nutzbar zu machen. Alle Nutzer sollen nach dem Update in der Lage sein, gute Fotos in ihren Städten machen zu können. Ein Traum wären natürlich cineastische Zeitraffer-Kamerafahrten zwischen den Gebäuden hindurch. Aber das bleibt vermutlich ein Traum.

Für 2019 wird es weitere Szenarien und vielleicht auch weitere Spielmodi geben. Hier gibt es viele Ideen und auch Wünsche aus der Community, die Pläne stehen aber noch nicht fest. Ein bestimmter Wunsch aus der Community wird jedoch nicht umgesetzt: Frostpunk ist und bleibt ein Singleplayer-Titel. Es ist nicht geplant, das Spiel in irgendeiner Form als Multiplayer-Variante zu veröffentlichen. Im Singleplayer-Modus wirken all die emotionalen Elemente viel besser, die von den Entwicklern beabsichtigt sind.

gamescom 2018: Die Roadmap von Frostpunk ist im Plan. Wir erfahren auf im Interview Details zu den nächsten Schritten
gamescom 2018: Die Roadmap von Frostpunk ist im Plan. Wir erfuhren im Interview Details zu den nächsten Schritten.

„Weil wir Polen sind …“

Sowohl Frostpunk als auch auch This War Of Mine spielen in einer düsteren Atmosphäre am Rande der Humanität. Als Spieler müsst ihr immer wieder Entscheidungen treffen, bei denen es keine wirklich moralisch gute Lösung gibt. Sei das Kinderarbeit oder der Umgang mit den Toten und Pflegebedürftigen. Die Erklärung unseres Ansprechpartners dafür irritiert zunächst: „Das ist so, weil wir Polen sind.“

Dann holt er etwas weiter aus und erklärt, dass er es als Bestandteil der polnischen Kultur wahrnimmt, sich durchzubeißen und kreative Ideen in hoffnungslosen Situationen zu entwickeln. Ob im Zweiten Weltkrieg, oder in der Zeit hinter dem eisernen Vorhang – die Menschen in Polen waren immer wieder gezwungen, zu improvisieren und Tricks zu entwickeln, um zu überleben. Diese kulturelle Prägung fließe in einem polnischen Entwicklerstudio mit in die Spiele ein.

Und wie gehen die Spieler mit diesen Herausforderung um? Hierzu gibt es laut Rufus Kubica grob gesagt zwei Gruppen von Spieler-Rückmeldungen:

  • Die einen versuchen, eine optmierte Gewinstrategie für die Spielmechanik herauszufinden und möglichst lange oder möglichst erfolgreich zu überleben. Der Moralische Aspekt steht hier weniger im Fokus.
  • Eine andere Spielergruppe taucht emotional tief in die Szenarien und die Spielgeschichte ein. Sie gibt Rückmeldungen wie „Meine Stadt hat zwar nur fünf Tage überlebt, aber ich habe die Kinder in der Zeit ordentlich behandelt und ihnen ein glückliches Leben ermöglicht.“

Warum Frostpunk in China Debatten anheizte

Bei der „China-Debatte“ zu Frostpunk scheinen auch kulturelle Unterschiede eine Rolle zu spielen. Am Ende eines Szenarios bekommt ihr die eigenen, moralisch eventuell fragwürdigen Entscheidungen noch mal zurückgespiegelt, verbunden mit der Frage: „Die Stadt hat überlebt. Aber war es das wert?“ Das zentrale moralische Thema dahinter: Wie schonungslos darf man zu Individuen sein, um der Gruppe das Überleben zu sichern?

Von einigen chinesischen Spielern wurde diese Rückfrage als Affront empfunden: „Die Stadt hat unter meiner Führung doch bestmöglich überlebt! Was soll diese Rückfrage, ob es das wert war?“. Die Einschätzung, wie sehr der Einzelne zurückstecken muss, wenn die Gemeinschaft vor der Auslöschung steht, wird je nach kultureller Prägung also höchst unterschiedlich bewertet.  Das Spiel hat in der chinesischen Öffentlichkeit so eine Debatte über Sozialismus angefeuert.

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