Dinosis Survival - Dinosaurier-Survival

Mit Dinosis Survival ist dieser Tage zwar nicht unbedingt die Krone der Namensschöpfung, dafür aber ein recht interessanter Dino-Shooter mit Survival-Elementen erschienen. Die polnischen Entwickler von Corpix Games erteilen so ziemlich allen Sparten-Standards eine krachende Absage – und manövrieren den Early-Access-Titel auf diese Weise eher in die Nähe eines Dino Crisis denn eines Saurian.

Mallorca gebucht, Jurassic Park bekommen

Schon das Intro von Dinosis Survival muss als gerenderte Andersartigkeit bezeichnet werden, denn selten treffen freiwillige und unfreiwillige Komik derart geschmeidig aufeinander. Hier sitzt der Protagonist – eine Art Kapitän Haddock mit Designer-Muckis – im Urlaubs-Airliner seines Vertrauens und scheint erstaunt darüber zu sein, dass ein 300 Tonnen schwerer Stahlvogel tatsächlich fliegen kann. „Wie ist das nur möglich?“, fragt er die vorbeiziehenden Wolken – während seine Beine zunehmend den Klängen einer US-Feel-Good-Popnummer mit Sonnenstich verfallen.

Dann plötzlich: Bumm! Ein lauter Knall lässt den Innenraum des Fliegers schlagartig zur Schlussszene eines Michael-Jackson-Videos mutieren, denn wirklich alle Passagiere zappeln exakt gleich und synchron. Als zeige die himmlische Nähe zum King of Pop hier ernsthafte Auswirkungen, geht die Maschine kurz darauf zum tragischen Finale über, das eine Bruchlandung in einem dinosaurierverseuchten Dschungel vorsieht. Aber keine Bange, es wird (noch) nicht allzu wehtun … Nach einem obligatorischen „Aua, aua“ steht der starke Käpt’n wieder wie eine alte deutsche Eiche im Gras.

Dinosis Survival - Urlaubsgrüße
„Hallo Mami, es ist schön hier in Jurassic World. Ich habe sogar schon einen Freund gefunden.“

Dino-Krise und Lagerfeuerromantik

Der Name der Kapitänseiche ist übrigens Tom Burt, und Tom scheint u.a. mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestattet zu sein. Es muss nämlich noch gar keine „schreckliche Echse“ sein Sichtfeld gekreuzt haben, da bejammert er schon sein schweres Los, womöglich allein unter Dinos zu sein. Aber gut, Early-Access-Schwamm drüber, denn Dinosis Survival bietet zum Glück auch noch anderes als postapokalyptisch anmutende Dschungel-Baustellen – und vor allem anderes als theHunter: Primal und Konsorten.

Ihr werdet nämlich ausschließlich in der 3rd-Person- bzw. Überschulter-Perspektive (Zielen) zu Werke gehen, und statt des sonst so gewohnten Open-World-Spielplatzes mäßig breite Levelschläuche betreten. Aktuell hat dort jeder Dino und jedes Objekt sein festes Plätzchen, was den Spielverlauf relativ linear, aber keineswegs alternativlos gestaltet. Ihr könnt mit den prähistorischen Riesen durchaus etwas herumexperimentieren, und meist frei entscheiden, ob ihr euch auf leisen Füßen an ihnen vorbeistehlt oder ihnen eine Kaliber Neun in den Rachen schiebt.

Dinosis Survival - Hadrosaurus
Das Ergebnis unserer Schleich-Challenge: Parasaurolophus: 1, Homo Sapiens: 0.

Eure Entscheidungsfreiheit endet allerdings, wenn Mama Gallimimus beim Verbuddeln ihrer Eier einen besonders schlauen Tag hatte – dann nämlich muss der hungrige Tom einen Dino anschneiden. Anders als die meisten Protagonisten mit Magen ist Mr. Burt jedoch ein ziemlich schwieriger Esser, da er Fleisch und andere Nahrung grundsätzlich nur in Lagerfeueratmosphäre verschlingt. Jene schafft ihr mittels eines einfachen Tastendrucks; zu jeder Zeit und an jedem Ort.

Velociscriptor à la Spielberg

Verspeisen könnt ihr in Dinosis Survival übrigens die gesamte Jurassic-Park-Palette: Stegosaurus, Compsognathus (alias „Compi“), Triceratops, Velociraptor, T-Rex und so weiter. Überhaupt scheinen die Entwickler erwähnten Spielberg-Filmen sehr zugetan zu sein, denn alle Dinosaurier des Spiels entsprechen ziemlich genau dem wissenschaftlichen Stand von 1993. Absicht? Könnte es angesichts des mit einem Bein in eben dieser Epoche stehenden Survival-Gameplays natürlich sein. Aber auch die Tatsache, dass gewaltige Predatoren der Urzeit mit Federkleid – Hand aufs Herz – doof aussehen, könnte hier eine Rolle gespielt haben.

Dinosis Survival - T-Rex jagt Raptoren
Schlimmer? Geht immer. (Cutscene)

Was auch immer ihr von den federlosen Retro-Sauriern halten mögt: der Dschungel-Boden liebt Spielbergs Echsen, weshalb er ihre Leichen mit ziemlicher Regelmäßigkeit in seine unerforschten Tiefen saugt. Ähnlich besitzergreifend sind die mancherorts platzierten, vermeintlichen Douglas Föhren („Notgeile Bäume mit großen Brüsten“, so es nach Peter S. Beagle geht), die Tom u.U. für alle Zeit an sich binden – etwa dann, wenn ihr ihn von einem Bergvorsprung aus ins Geäst hüpfen lasst. Weitere Early-Access-Krankheiten zeigen sich u.a. in Toms viel zu leiser Stimme und den beinahe Gabelstapler-artigen Wendemanövern besonders großer Dinosaurier. Hier wird hoffentlich schnell nachgebessert.

2,495 Euro die Stunde?

Dinosis Survival wird – sicher nicht zur Freude aller – in mehrere Episoden unterteilt sein. Unsere Vorstellung bezieht sich auf die Version 1.01 der ersten Episode, deren Bepreisung und Länge relativ in Ordnung geht: für zwei Stunden Jurassic Park (gone wild) zahlt ihr hier fünf Euro minus einen Cent. Ob sich diese Investition für euch persönlich lohnt, hängt ganz davon ab, wie ihr zu einer weitgehend modernen Verneigung vor Survival-Horror-Kloppern der 90er, namentlich Dino Crisis und Resident Evil, steht. Falls positiv, können wir durchaus eine Anspielempfehlung geben.

1 KOMMENTAR

  1. Dino Crisis, das Spiel meiner Jugend, wie ich doch auf einen Nachfolger, ein Remaster oderr zumindest auf eine Steamveröffentlichung warte 😀

    Gerade jetzt, in Zeiten der neuerlichen Dinomanie kommen viel zu wenige Dinosaurier spiele raus, sicher, mehr als in den letzten 10 Jahren, aber ich würde mir doch auch die Wiederkehr einiger größeren Dinosauriermarken, wie z.B. Dino Crisis wünschen 🙂

    Viele Grüße
    Buttercup

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