Im Test: Die Windows-Version


Phantasmal ist ein Indieprojekt von Joe Chang. Der gebürtige Koreaner sammelte bereits einige Erfahrung mit Computerspielen und mit Phantasmal entstand nun sein eigenes Survivalhorrorspiel – genau das richtige für alle die es gruselig lieben.

Joe Chang machte viele Versprechen und bot auf Kickstarter allen ‚Backern‘ eine menge Features und ein komplett fertiges Spiel. Er bewarb das Spiel und teilte seine Ideen mit der Community, aus den Texten kann man seine Begeisterung regelrecht herauslesen. So kam es, dass mittlerweile 184 Unterstützer insgesamt 15.582 NZD (Neuseeland-Dollar) – was circa 10.290€ entspricht, gespendet haben, um das Roguelike Survivalspiel umzusetzen. Mit diesem Erfolg und der Gewissheit, dass die Nachfrage nach seinem Spiel da ist, wendete er sich an Steam-Greenlight und bot sein Spiel zur Bewertung an. Auch hier dauerte es nicht lange, bis Phantasmal eine Menge Aufmerksamkeit bekam und so kommt es, dass das Spiel, in der Early-Access, seit dem 30. April auf Steam für 14,99€ zu erwerben ist.

Genug zur Hintergrundgeschichte! Wir werden gemeinsam einen Blick auf Joe Changs Phantasmal werfen und herausfinden, was es so besonders macht.
Die Hintergrundgeschichte ist einfach, aber nicht einfallslos. Als Privatdetektiv suchen wir unsere exentrische Tante Jackie. Sie lebte in Kowloon Walled City, bevor die heruntergekommene Stadt 1993 schließlich zerstört wurde. Durch die Korridore der Gebäude kriechen nun allerlei Mutanten, die die Suche nach Jackie nicht gerade vereinfachen.
Die Atmosphäre ist detailgetreu gestaltet und sorgt für die richtige Stimmung während wir vorsichtig durch die Stadt schleichen. An einem Gebäude blinken Neonschilder, rechts sind kaputte Fenster und aus einer Bar können wir Geräusche vernehmen. Dort angekommen finden wir nur einen dunklen Raum, die Bar ist intakt, nur die Stühle und Tische sind quer durch den Raum geworfen – die Gäste scheinen nicht freiwillig gegangen zu sein.
Während wir also durch den Raum schleichen und unsere Reise fortsetzen begegnen wir bald den ersten Mutanten und heiliger Early-Access, die Dinger sehen grandios aus! Mal sind sie offensichtlich, mal stehen sie in Ecken oder um Ecken herum. Laut den Steambewertungen gab es nicht nur einen, der das Spiel pausierte, um wieder zu Atem zu kommen.

Wie man mit diesen Mutanten nun umgeht, ist jedem selbst überlassen. Einziges Ziel ist das Erreichen des Fahrstuhls am Ende von jedem Level. Jede Runde starten wir mit einer Pistole, die nicht unbedingt die beste Wahl ist. Sobald wir nämlich keine Kugeln mehr besitzen, müssen wir auf schnelle improvisierte Waffen zurückgreifen.
Fahren wir also fort – während wir die Mutanten mit Brettern vermöbeln und ihnen die Schädel einschlagen merken wir, dass auch das Brett kaum mehr als ein paar Schläge aushält. So sehr das verprügeln von Mutanten auch Spaß macht, die Geräusche eines Schusses oder eines platzenden Mutantenschädels rufen gerne den sogenannten ‚Sleeper‘ auf den Plan. Ähnlich wie der Geist in Spelunky, verfolgt der Sleeper uns und saugt uns mit seinen Tentakeln die Lebensenergie aus – kein schöner Tod.

Es wirkt fast so, als wolle Phantasmal, dass man in den Schatten bleibt und so viel wie möglich am schleichen ist. Die Pistole ist dabei genauso unnütz wie die Waffen in Alien:Isolation und sollen eher eine Provokation sein: „Du kannst es probieren, aber schaffen wirst du es nicht“.
Also in den Schatten bleiben und versuchen so viele Monster und Mutanten zu umgehen wie nur möglich. Selbst wenn wir sehr vorsichtig vorgehen und jede Ecke kontrollieren, langsame Schritte machen und uns vergewissern, alle Mutanten gesehen zu haben, enden die Schleichtouren damit, dass man von einem Schwarm bis zum Fahrstuhl verfolgt wird.
Genau diese Angst macht Phantasmal zu etwas besonderen, diese Angst hebt Joe Changs Spiel auf ein Niveau, welches über den meisten Survivalhorrorspielen in der Early-Acces steht. Während man durch die Stadt schleicht, verdeutlichen einem visuelle Effekte, dass etwas nicht stimmt. Motion Blur beeinflusst das Fadenkreuz und jede noch so kleine Lichtquelle im Spiel scheint eine Art flüssiges Licht in vielen Farben auszustrahlen.

Mit einem optionalen Geräuschefilter kann man das Horrorerlebnis noch verstärken – die Sicht bekommt eine Körnung und Mutantenschritte wirken unnatürlich laut und hallend. Blicken wir ein Monster an, reduziert sich unsere mentale Gesundheit und unsere Sicht wackelt und wabert, so dass einem schlecht werden kann.
All diese Beeinflussungen kommen zusätzlich zu dem Ziel hinzu, zu überleben und das Level abzuschließen. Auch wenn es immer wieder aufs neue faszinierend ist, was im nächsten Raum wartet, so ist es doch schwierig, drei oder mehr Level in einer Spielsitzung zu schaffen, bevor man unweigerlich stirbt.
Genau da sitzt momentan auch Phantasmals schwächster Punkt. Das Spiel hat jede Menge Features und überzeugt in der Early-Access mit Funktionalität. Aber eine Speicherungsfunktion fehlt noch komplett. Wer also Phantasmal spielt, muss sich bewusst sein, dass jeder Durchlauf ein einmaliges Erlebnis ist und man das nächste Mal von vorne beginnt. Dieser Roguelikefaktor mit Permadeath ist natürlich cool und genial für alle, die auf Permadeath stehen und nicht leicht zu frustrieren sind, schaden dem Spiel aber eher. Phantasmal erzählt eine tolle Geschichte, die niemand jemals zu Ende mitbekommen hat.

Trotz allem macht das Spiel Spaß. Mit jedem Durchlauf ändert sich die Stadt komplett und man sieht keinen Raum zweimal. Die Monster sind gut und erschreckend, Soundeffekte realistisch und ausgereift und das Spielerlebnis fühlt sich einfach ‚echt‘ an. Auch ohne Tutorial lässt sich gut in das Spiel hineinfinden, auch Anfänger sollten sich nicht allzu schwer mit Phantasmal tun.
Nach einer Weile sind dann doch alle Features erkundet und man kann das Spiel meistern. Es ist das beste, Phantasmal momentan als Techdemo anzusehen und zu genießen, was Joe Chang bereits zur Verfügung stellt.

Ich freue mich auf eines der reglmäßigen Updates mit der Speicherfunktion, um die Stadt vollends zu erkunden und das Mysterium um Jackie zu lösen – Wer weiß, vielleicht werden das Tentakelmonster und ich ja auch noch beste Freunde?

Fazit: Ein tolles Spiel, dass zurecht so schnell finanziert wurde. Viele Funktionen sind verfügbar und wer Abstriche beim Tutorial und dem Speichern machen kann, den erwartet ein grandioses Produkt. Mit jedem Update kommen neue Features hinzu und ausgereift könnte Phantasmal eines der besten Spiele seiner Richtung werden – Survivalhorror.

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