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Seit dem 14. Juli liefert Kojima Productions und 505 Games den damaligen PlayStation 4 Exklusivtitel Death Stranding endlich auch für PC-Spieler. Unser RPG-Forge Autor Steven hat sich den PC-Port angeschaut und erklärt dir, ob die Lieferung unversehrt angekommen ist.

Darum geht’s! Es scheint so, als ob es um unsere Zukunft nicht ganz so gut bestellt ist. Die Menschheit steht kurz vor dem Kollaps, die wenigen Überlebenden verschanzen sich in den verbliebenden Städten und Außenposten.

Der Grund dafür ist unter anderem eine Art übernatürliche Macht, die ein Leben außerhalb der Städte quasi unmöglich macht. Nichtsdestotrotz muss zumindest der Handel zwischen diesen verschiedenen Posten aufrecht erhalten werden. Und hier kommst du ins Spiel.

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In Death Stranding musst du jede Menge Lieferungen durchführen und um Zeit zu sparen, am besten gleichzeitig.

In der Haut von Sam Porter Bridges, im Spiel verkörpert von Schauspieler Norman Reedus, lieferst du allerhand verschiedenster Waren aus und sorgst für die Aufrechterhaltung der Lieferkette. Als ein besonderer Auftrag komplett in die Hose geht, verändert sich alles.

Von nun an bist du nicht nur der Lieferheld, sondern wirst zum Retter der UCA, der United Cities of America, auserkoren. Neben normalen Gütern musst du nun auch die von der Kommunikation abgeschnitten Posten in das sogenannte chirale Netzwerk integrieren. Deine gefährliche Reise von der Ost- zur Westküste beginnt.

Storytelling powered by Hideo Kojima

Tatsächlich will ich in dieser Review gar nicht so stark auf die Story von Death Stranding eingehen. Zum einen ist das Spiel für die PlayStation 4 schon über ein halbes Jahr auf dem Markt, zum anderen muss man genau darauf achten, nicht zu sehr zu Spoilern.

Die Geschichte birgt dafür einfach zu viele Wendungen und Plots, die einfach am meisten fesseln, wenn man sie am eigenen Leibe erfährt. Hideo Kojima hat hier einfach ein wirklich abgedrehtes Szenario geschaffen, welches einen nicht selten mit einem gewissen „What the fuck“-Moment zurücklässt.

Die Hintergrundgeschichte habe ich eingangs bereits erwähnt. Du reist quasi von Ost nach West, lieferst zwischendurch unzählige Pakete mit wichtigen Gütern ab und bringst alle Posten in das chirale Netzwerk.

Die Posten ins Netzwerk zu integrieren ist aber nicht dein einziger Antrieb für diese beschwerliche Reise. An der Westküste musst du eine äußerst wichtige Person retten, die letztendlich die UCA leiten und zu neuem Ruhm führen soll.

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Death Stranding erzählt seine Geschichte in wundervollen und kinoreifen Zwischensequenzen.

So wird die Geschichte erzählt: Die Geschichte von Death Stranding wird regelmäßig in teils sehr langen und aber fantastischen Zwischensequenzen erzählt. Diese können, hingegen anderer Behauptungen, aber auch übersprungen werden. Besonders in einen zweiten Spieldurchlauf macht das Überspringen durchaus Sinn.

Aber auch im normalen Spielbetrieb wird die Geschichte vorangetrieben. Durch bestimmte Haupt- und Nebenaufgaben trifft man immer neue NPC’s, welche dich zwischendurch mit neuen geschichtlichen Informationen versorgen.

Liefern bis die Füße qualmen

Zwischen den Sequenzen verbringt ihr sehr viel Zeit mit der Lieferung von Paketen… sehr, sehr viel Zeit. Nicht umsonst hat Death Stranding damals schon zum Release auf der PlayStation den Beinamen DHL-Simulator bekommen.

Zugegeben, die Aufgaben sind sehr repetitiv, schließlich liefern wir Waren von A nach B. Und hier schieden sich schon damals die Geister. Die eine Hälfte hat das Spiel nach wenigen Minuten gelangweilt in die Ecke geworfen, die andere Hälfte spürte eine einzigartige Faszination beim Spielen.

Sam allein in Amerika! Ich gehöre tatsächlich in die zweite Kategorie. Während der Reise von A nach B spürt man einfach diese Isolation, dieses Gefühl völlig allein und auf sich gestellt zu sein. Wird dies noch zusätzlich von einem bestimmten Song untermalt, ist man vollends in seinen Bann gezogen worden.

Und dann gibt es ja auch noch den Zeitregen und die sogenannten GD’s, welche die Lieferung erschweren. GD’s sind Widersacher, welche mehr oder weniger zwischen den Welten festhängen und uns ans Leder wollen. Für Otto Normal Verbraucher sind die GD’s unsichtbar, da wir jedoch mit einem BB, dem Bridge Baby, ausgerüstet sind, sind wir in der Lage, die GD’s zu sehen.

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In der Haut von Sam Porter Bridges liefern wir benötigte Güter Kreuz und Quer durch Nordamerika.

Über die Bridge Babys weiß man zu Beginn ebenfalls ziemlich wenig. Diese liegen in einer vorgetäuschten Fruchtblase und werden über einen Mechanismus an unsere Ausrüstung geschnallt. Auch der erwähnte Zeitregen ist ein fieser Mistkerl. Der Regen sorgt dafür, dass alles, was mit ihm in Berührung kommt, schneller altert.

Das ist besonders dann verdammt ärgerlich, wenn dadurch unsere Fracht zerstört wird und wir so die Waren nicht mehr abliefern können beziehungsweise diese bei Lieferung in einem miserablen Zustand ist. Du merkst schon, alleine in diesen wenigen Aspekten des Spiels steckt so viel Surreales, dass man damit ganze Aufsätze füllen könnte.

Diesen Mysterien auf den Grund zu gehen ist ebenfalls ein starker Treiber, der mich immer wieder motivieren konnte, am Ball zu bleiben.

Nicht alles ist Gold was glänzt

Das sind die eher langen, öden Phasen in Death Stranding: Apropos am Ball bleiben, ich will dir nicht verheimlichen, dass es zwischendurch auch Abschnitte gab, die sich sehr gestreckt haben. Besonders wenn du wie ich einen Faible dafür hast, nach Möglichkeit alle Nebenaufträge zu erledigen oder alle in der Welt verloren gegangen Pakete zu finden und an den passenden Adressaten zu überreichen.

Du läufst zwischen den einzelnen Posten hin und her, immer mit neuen Paketen im Schlepptau. Dies ist tatsächlich so spannend, wie es sich anhört, zumal die meisten Nebenaufträge auch quasi nichts zur Geschichte beitragen.

Nach einigen Stunden bekommst du dann endlich einen fahrbaren Untersatz. Ab diesem Zeitpunkt wird diese Aufgabe wesentlich weniger zeitintensiv. Das liegt zum einen daran, dass du dich selbst überladen kannst, zum anderen kannst du auch ein paar Pakete an das Fahrzeug hängen.

Das heißt, du kannst viel mehr in wesentlich weniger Zeit ausliefern. Und auch diese zu Fuß etwas nervigen Passagen durch GD Gebiet gehören mehr oder weniger der Vergangenheit an.

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Der Zeitregen lässt auch die Behälter unserer Fracht schneller verschleißen, daher solltest du dich nicht zu lange im Regen aufhalten.

Zwar kann man sich die meisten Nebenaufträge sparen, ganz ignorieren solltest du die jedoch nicht. Jede abgelieferte Ware bringt dir Likes ein. Hast du in einem Posten genug Likes gesammelt, schaltest du unter anderem Blaupausen frei, durch die du dir nützliches Equipment bauen kannst, wie beispielsweise das Universalgerät TCK.

Durch das TCK kannst du Briefkästen, Wachtürme oder Generatoren, später auch Unterstände für den Zeitregen, in die Welt bauen, welche auch online von anderen Spielern genutzt werden können.

Online und doch allein

Death Stranding ist zwar in erster Linie eine Singleplayer Erfahrung, kommt aber trotzdem mit einem Onlinemodus daher. Dieser lässt dich nicht mit einer Gruppe herumlaufen, sondern erinnert eher an den Semi-Onlinemodus der Souls Like Titel.

Baust du in die Welt eine Leiter, taucht diese auch in der Welt anderer Spieler auf und kann genutzt werden. Zu sehen bekommst du den jeweiligen Spieler jedoch nicht. Was mir dabei ziemlich gut gefallen hat sind die Gemeinschaftsobjekte.

So funktioniert die Arbeit im Team: Über den eben genannten TCK kannst du beispielsweise eine Brücke in Auftrag geben. Die Umrisse sind zu sehen, für den Bau werden aber reichlich Ressourcen benötigt. Jetzt kannst du oder andere Spieler die benötigten Ressourcen sammeln und spenden und voilà, fertig ist die Brücke.

Dieses System hat mir extrem gut gefallen, da dies sehr glaubwürdig implementiert wurde. Was eher störend war, sind die Schilder, die man beispielsweise als Warnung platzieren kann. Die Idee ist nett, allerdings wirkte die Welt stellenweise völlig überfüllt mit den verschiedensten Schildern, sodass man an diesen einfach blind vorbei gelaufen ist.

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Das Bridge Baby – kurz BB, hilft uns, die GD’s zu sehen. Allerdings kann das BB auch Angst bekommen, woraufhin man es beruhigen muss.

Neben dem Zeitregen und den GD’s gibt es auch noch weitere Feinde, die dir das Leben schwer machen. So treten relativ früh die Mules auf den Plan. Halunken, die es eigentlich nur auf unsere Pakete abgesehen haben. Da man zu diesem Zeitpunkt noch keine wirklichen Waffen bei sich trägt, gilt es erstmals sich zu verstecken und im richtigen Zeitpunkt die Fäuste auszupacken.

Was anfangs noch ganz gut funktioniert, wirkt später eher wie eine Dreingabe, die halt im Spiel sein muss. Da die KI auch nicht sonderlich klug ist, entpuppen sich die Kämpfe später mit den passenden Waffen eher als lästiger Zeitfresser. Lediglich die toll inszenierten Bosskämpfe reißen das Ganze ein wenig heraus.

Gelungener Port

Das ist der PC-Port: Bis hierhin hätte man auch quasi alles schon vor einem halben Jahr lesen können. Am wichtigsten ist doch aber die Frage, ob der PC-Port gelungen ist. An dieser Stelle als Erstes eine Entwarnung an all die Skeptiker. Der Port ist technisch sehr gut geworden. Hier haben die Verantwortlichen bei Kojima Productions beziehungsweise 505 Games, welche federführend für die Portierung verantwortlich waren, ganze Arbeit geleistet.

Ich habe das Spiel zudem komplett mit Maus und Tastatur gespielt und das hat wunderbar funktioniert. Es war zwar anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, sein Gewicht mit der linken und rechten Maustaste auszugleichen. Hatte man sich allerdings erst einmal daran gewöhnt, stellte sich dies als äußerst intuitiv heraus.

Betrachtet man die Steuerung aus der Komfortsicht, würde ich jedoch vermutlich eher zum Gamepad greifen, da sich dieses für diese Art von Spiel einfach noch ein wenig besser eignet.

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Falls es dir zwischendurch zu viel wird und deine Ausdauern zu gering ist, kannst du dir auch eine Pause gönnen.

Was mir wirklich sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass die Performance auch auf etwas schwächeren Systemen relativ gut ist. Die angekündigten Systemvoraussetzungen waren ja schon im Vorfeld als sehr human eingestuft worden und dieses Bild hat sich nun auch bestätigt.

Das Einstellungsmenü von Death Stranding bietet zwar nicht die Fülle an Möglichkeiten, wie andere Titel, bietet aber genug Regler, um das Spiel seinem System entsprechend anzupassen.

Traumhafte Ausblicke

Wo hoffentlich noch einmal nach gepatcht wird, ist das Thema Auflösungen. Es wurde vorab mit voller Ultrawidescreen Unterstützung geworben, das stimmt leider aber nur bedingt. Ja du kannst im 21:9 Format spielen, allerdings nicht in einer im Gaming verbreiteten Auflösung.

Da sich das Spiel an einer Art Standard Cinematic Auflösung hält, unterschlägt es dir hier ein paar Pixel. Statt beispielsweise die für Gaming Monitore nativen Auflösung von 3440×1440, lässt sich lediglich nur 3360×1440 auswählen. Die äußert sich mit minimalen schwarzen Balken links und rechts am Bildrand.

So schön könnte Death Stranding aussehen: Ganz in die Röhre schauen Spieler, die sogar auf 32:9 Bildschirmen unterwegs sind. Dieses Seitenverhältnis ließ sich nicht einmal direkt in den Grafikeigenschaften auswählen. Aber da die PC Community ein paar wirklich kluge Köpfe besitzt, gab es bereits am Release Tag einen Workaround auf Reddit zu finden, bei dem man via Hex-Editor die .exe bearbeiten muss.

Keine wirklich komfortable Lösung aber es funktioniert. Wir haben den Versuch mal auf einem Monster von Bildschirm gestartet und wollten euch den folgenden Screenshot nicht vorenthalten.

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Eine absolute Augenweide ist Death Stranding, wenn man es im 32:9 spielt. Die Landschaften eignen sich perfekt für diesen Weitwinkel.

Verbesserungspotenzial! Ebenfalls nicht funktioniert hat die Verbesserung der Bildqualität mittels Nvidias DSR. Die im Treiber hinterlegten Downsampling Auflösung war schlicht und ergreifend nicht aufgeführt. Dies ist allerdings vermutlich eher ein allgemeines DirectX 12 Problem.

Es gab in der Vergangenheit bereits Spiele, die via DirectX 12 kein Downsampling unterstützen. Allerdings gibt es auch genug Spiele, die es auch hinbekommen. In diesem Falle etwas schade aber kein Beinbruch.

Spielt man noch ein wenig mit der Schärfe und testet sich ein wenig durch Nvidias DLSS 2.0 (RTX Grafikkarten vorausgesetzt) bzw. durch das AMD Equivalent FidelityFX, bekommt man wirklich eine atemberaubende Optik.

Passend dazu spendierte 505 Games Death Stranding noch einen tollen Fotomodus, durch den sich noch viel schönere Bilder erstellen lassen. Grundsätzlich sind wir aber auf jeden Fall zufrieden mit der Umsetzung. Sollte Death Stranding jetzt noch einen Patch bekommen, der die Auflösungsgeschichte in den Griff bekommt, wären wir vollends zufrieden.

Mein Fazit nach über 20 Stunden

Nach über 20 Stunden mit der PC-Version und etliche Stunden mehr auf der PS4, ist Death Stranding ein wirklich tolles Spiel und kann auch technisch im Großen und Ganzen überzeugen. Lediglich die Geschichte mit dem Ultrawide Support sowie der nicht vorhanden DSR Möglichkeit trübt das Gesamtergebnis etwas. Nichtsdestotrotz ist der PC-Port wirklich gut gelungen und zaubert eine wundervolle Welt auf den heimischen PC.

Das gefällt mir: Spielerisch dürfte Death Stranding ähnlich wie auf der PlayStation 4 nicht für jedermann geeignet sein. Mir hat der DHL-Simulator sehr gefallen, die Welt strahlt eine unglaubliche Faszination aus und das Gefühl der Einsamkeit kommt sehr gut rüber. Die gemeinschaftlichen Bauprojekte via dem Shared Online Modus ist ebenfalls eine ziemlich cool Idee.

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Zum Schutz vor dem Zeitregen besitzt Sam Bridges einen speziellen Anzug, der seinen Träger vor dem vorzeitigen Altern schützt.

Das gefällt mir nicht: Auf der anderen Seite sind die meisten Lieferaufgaben sehr repetitiv und die Kämpfe gegen die Mules sind spätestens ab der Hälfte des Spiels keine wirkliche Herausforderung mehr.

Für wen eignet sich Death Stranding? Wer Lust auf ein wirklich tolles Spiel mit einer abgedrehten und kinoreif inszenierten Geschichte hat, sollte sich Death Stranding ansehen. Zudem wird man selbst mit einem Mittelklasse-Rechner mit einer wahnsinnig guten Grafik verwöhnt. Mit ein bisschen Tweaking und dem passenden Monitor kann es einem dabei glatt die Sprache verschlagen.

Wer aber schon kein Bock auf die Nebenaufgaben in diversen anderen Rollenspielen hat oder wem die Repetitivität des Spiels abschreckt, der ist bei Death Stranding nicht gut aufgehoben.

Ich kann dir Death Stranding auf alle Fälle nur wärmstens empfehlen.

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