Constellation Distantia Planet Nuke

Im Frühjahr 2017 boomt das Space-Survival. Doch während wir bei Osiris: New Dawn auf der Planetenoberfläche bleiben und uns in Hellion mit unserem Charakter niemals zu einer Landung herablassen, nimmt Constellation Distantia einen anderen Ansatz. Bei dem Indie-Titel des finnischen Studios Skånerbotten reisen wir getrieben von einer Geschichte zwischen den Sternsystemen. Kann das funkionieren?

Auf der Suche nach…?

Fans des Open-World-Survival werden sich hier zunächst umsehen. Anstatt eines „Freshspawns“ in diese Welt beginnt das Spiel mit einer Storyeinleitung: Im Jahre 2455 hat sich die Menschheit wieder einmal selbst an den Rand des Abgrunds getrieben und entsandte ein gewaltiges Raumschiff, die Revolution of Stars, in eine ferne Sternenkonstellation mit dem passenden Namen Distantia. Dort errichteten sich die Kolonisten ein neues Heim, während die Revolution of Stars zur Erde zurückkehrte, um in 20 Jahren mit Versorgung zurückzukehren. Sie wurde nie wieder gesehen. Gute 100 Jahre später konnte Distantia immer noch keinen Kontakt zur Erde herstellen und die Menschen leben vom Aussschlachten der Ressourcen anderer Planeten. Bis wir schließlich als Pilot eines dieser Mining-Schiffe ein altes Artefakt finden und einem dunklen Geheimnis auf die Spur kommen. So weit, so klassisch. Erzählt wird die Geschichte hierbei durch „Cutscenes“, bestehend aus einem hübschen Artwork im Background und den Gesichtern der Sprecher mit Text im Vordergrund.

Mining, Feuergefechte und Nuklearschläge

Mining ist gleichermaßen das zentrale Motiv in Gameplay und Story. In den einzelnen Sternensystemen reisen wir von Planet zu Planet, um eben diese, ihre Monde oder herumfliegende Asteroiden um ihre Ressourcen zu erleichtern. Hierbei bleibt unser Haupt-Schiff meist in der Umlaufbahn, während wir mit einem kleineren Mining-Schiff auf Han Solo machen dürfen. Aus gefarmten Ressourcen craften wir uns die Munition zum Farmen, reparieren die Hülle unseres Schiffs und sparen einiges als Treibstoff. Praktischerweise können wir die Mining-Munition auch zum Kampf gegen andere Schiffe einsetzen, die uns ans Leder wollen.

Eine klassische Mining-Mission: Story-Einleitung, Farmen am Asteroiden und Abgeben an einem Händler.

Ein lustiges Feature sind die drei verschiedenen Typen von Nuklearschlägen, die wir auf Planeten einsetzen können, um sie komplett ihrer Ressourcen – und nebenbei aller Lebensformen – zu entledigen. Hierbei soll ein Karma-System unnötigen Massenmord verhindern.

Vom armen Miner … zum arglosen Ausrotter von Planeten?

Während die Story eine klassische Heldengeschichte verspricht, ist die Trennung zwischen Erzählung und Gameplay zu stark. Die Handlung und Plottwists sind vorhersehbar und teilweise einfach nur noch lächerlich. Wenn Dialoge uns mitten in der Story Charaktere vorstellen und so tun, als ob wir sie kennen müssten, verlieren wir das Interesse. Environmental Storytelling ist in den generischen Planetensystemen nicht vorhanden, unsere Informationen erhalten wir lediglich durch die abgesonderten Dialogphasen.

Unser Mining-Pilot auf geheimer Mission entwickelt sich zusehends zum Kampfpiloten, der mit seinem Miningflitzer wohl tatsächlich Han Solo sein muss, wenn wir bestaunen dürfen, welch gewaltige Schiffe er eigenhändig auseinander fetzt. Hier gilt es zu erwähnen, dass es diese gewaltigen Leviathane nicht wirklich im Spiel zu bekämpfen gibt. Während diese ausschließlich in den Concept-Arts der Story zu bestaunen sind, kämpfen wir gegen eine Drohne, die nur minimal größer ist als unser Mining-Flitzer – teilweise repräsentiert dieselbe Drohne hier verschiedene „Bosse“. Wenn uns unser asiatischer Sidekick dann als Helden feiert, schauen wir nur argwöhnisch auf den Bildschirm.

So geht’s nicht

Leider ist das Gameplay nicht viel besser als die Story. Mit sehr generischer Steuerung düsen wir um Planeten, um entweder zu farmen, Feinde abzuschütteln oder uns zu verstecken. Das Missionsdesign wirkt hierbei noch stärker an den Haaren herbeigezogen als die Story selbst: So verstecken wir uns vor patroullierenden Raumschiffen in rot angezeigten Feldern in offenem Sichtfeld – während unser Mutterschiff noch weitaus offener im Raum herumhängt. Die meisten Gefechte überlassen wir ohnehin den uns umgebenden Mining-Schiffen, die mit Angreifern kurzen Prozess machen.

Constellation Distantia Planet Nuke
Kennt ihr das auch, wenn sie bei all den generischen Planeten versehentlich einen Bewohnten atomisieren? Jetzt nicht verzweifeln, das Strafmaß dafür ist minimal.

Bleibt noch das Zerstören von Planeten: Dieses Feature wird auf der Steam-Seite als „game of planetary scale explosions“ primär hervorgehoben. Jedoch herrscht hier von unserer Seite eher makabrer Humor. Denn verständlicherweise schadet das Auslöschen gesamter planetarer Zivilisation etwas unserem Karma – aber das hat im Gameplay vergleichsweise wenig Auswirkungen. Nur beim Aufladen von „Gratis-Ressourcen“ an den Starports jedes Systems wird die erhaltene Menge durch Karma bestimmt. Aber schon durch das Verfolgen der Haupt-Mission und den relativ sinnfreien Handel mit der KI wird uns der eine oder andere Genozid dann auch schnell wieder vergeben. Schließlich arbeiten wir ja zum Wohle der Menschheit.

Unterm Strich

Tim PulsmeierConstellation Distantia ist in vielerlei Hinsicht enttäuschend. Das generische Gameplay wirkt äußerst schwach und bietet nahezu keine Entwicklung – mit ausreichend Munition hätte ich den Endkampf sofort bestreiten können. Die Geschichte ist zu abgetrennt vom tatsächlichen Spiel, eine Charakterbindung kommt nicht wirklich auf. Unser Held ist zu lupenrein, der Plottwist zu durchschaubar und nur das Ende zufriedenstellend – weil 8 Stunden des ungestraften Zerstörens von Zivilisationen, sinnbefreiten Aufrüstens und ständigen Systemwechselns absolut ausreichend sind. Es ist schwer zu glauben, dass hier ein kleines Studio hintersteckt und nicht nur ein Schülerprojekt, da in meinen Augen zu viele elementare Grundsätze des Gamedesigns durch Platzhalter ersetzt wurden. Es gibt aktuell genügend Spiele, die es besser können.


ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gameplay
2
Grafik
4
Sound
5
Story
3
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Tim ist begeisterter Fan von Videospielen, insbesondere Shootern, Survival- und Aufbauspielen. Freizeittechnisch genießt er zwischen Spaziergängen und Wandertouren alles, was ihn an die frische Luft bringt. Zurück im Keller ist er zudem ein großer Filmfreund, aber auch Kritiker.

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