ARK-Scorched-Earth

Seit nunmehr 4 Jahren überschwemmen die Open-World-Sandbox-Survivals den Spielemarkt. Davon haben sich wenige so stark hervorgetan wie ARK: Survival Evolved und Rust. Beide überzeugen mit Verkaufszahlen in Millionenhöhe sowie zahlreichen Features. Dennoch ist die Spitze der Spielecharts für die Sandbox Survivals unerreicht – und wird es sehr wahrscheinlich auch für immer bleiben.

Features versus Simplizität

Sandbox Survivals klingen zunächst simpel: Setz den Spieler in eine gewaltige Welt und lass ihm seinen Willen, um diese Welt zu formen. Doch hinter Markus Perssons‘ Erfolg mit Minecraft ist nicht so leicht nachzuziehen. Denn was wäre ein Open-World-Spiel ohne Features? Die Genregrößen werfen also Zombies, Dinosaurier, Unterwasserwesen oder auch die unendlichen Weiten des Weltraums für sich in die Waagschale. Dazu kommen gewaltige Maps von hunderten Quadratkilometern Größe, die zuteilen monatelanges liebevolles Design benötigen.

ARK Screenshot mit der NVIDIA Ansel Technologie
Eine wunderschöne Welt voller mystischer Kreaturen – und doch sinken gerade zum Release hin die Spielerzahlen von ARK: Survival Evolved.

Dagegen behauptet sich Counter Strike seit Jahren mit derselben, wenn auch gelegentlich modifizierten Karte Dust 2, Minecraft machte es noch leichter und generierte seine Karten gleich automatisch. Spiele wie League of Legends oder Dota 2 halten sich hier ebenfalls an die lange bewährten Karten. Dennoch sind bei eben diesen Titeln die Spielerzahlen ungebrochen. Sind Sandbox Survivals also verschwendete Zeit und Ressourcen? Wieso hat sich kein Titel nach Minecraft an die Spitze kämpfen können? Und hat dieses Genre überhaupt eine Zukunft für seine zahlreichen Early-Access-Titel?

Die Sache mit der absoluten Freiheit

Wie lange kann ein Mensch sich mit sich selbst beschäftigen? Minecraft revolutionierte gewissermaßen die Spielewelt durch seine Übernahme des Lego-Prinzips auf eine digitale Ebene mit einem simplen Aufbau, der dafür umso mehr Möglichkeiten gewährte. KIs, Animationen, Map-Design und World Events hielten sich in Grenzen und erlaubten einen entspannten Spielfluss. Aber trotz seiner gigantischen Freiheiten, die Kunstwerke und funktionierende Computer hervorbrachten, entschied sich selbst Minecraft schlussendlich dafür, den Spielern eine gewisse Führung zu geben. Parallelwelten und Endbosse gaben den Spielern bei Bedarf etwas zum Entdecken und Besiegen. Mit hunderttausenden Spielern täglich ist Minecraft weiterhin das Erfolgsmodell der Sandbox Survivals – und doch kehren die meisten Spieler ihm früher oder später den Rücken.

Die Entwicklerteams rund um den Globus versuchen heute mit zahlreichen Features, die Spieler zu unterhalten: Multiplayer ist inzwischen Standard, damit Spieler sich gegenseitig motivieren und während langer Farming-Perioden unterhalten. Base Building wird ebenso verlangt, weil Spieler viel zu schnell ihren Charakter ausgestattet haben – somit ist die Base inzwischen praktisch ein zweiter Charakter, der permanent erweitert und ausgestattet werden kann. Conan Exiles und ARK: Survival Evolved versuchen hier, mithilfe kontrollierbarer KIs noch eine Schippe drauf zu legen. Seien es Sklaven oder Dinosaurier, sie bieten ein weiteres kontrollierbares Element der Umgebung, das Spieler sich zu eigen machen können. Dazu kommen Communitys und Modder, die sich durch Eigenengagement einen vertieften Sinn im Spiel suchen; sei es durch Roleplay-Server, Mods mit neuen Maps oder sogar Spielmodi.

Defending the base.
Nur wenige Monate in der Early Access brachen auch die Spielerzahlen von Conan Exiles ein.

Doch nicht nur erfordern diese Titel durch all ihre Features nach und nach an immer stärkere Hardware-Vorausetzungen: Die Spielerzahlen wachsen immer schwächer und lassen sogar nach. An einen kritischen Punkt gelangen wir zudem, wenn wir betrachten, dass die meisten der bekannten Titel nach den Jahren ihres Erfolges immer noch in der Early Access sind. Sowohl für Rust, als auch das Ende August in den Full Release gehende ARK: Survival Evolved gingen die Spielerzahlen im letzten halben Jahr zurück, und sie büßten ihren permanenten Platz in den Steam-Top-10 ein. Dafür erhält das Battle-Royale-Genre mit seiner simplen Aufgabenstellung verstärkt Zulauf. Die „absolute Freiheit“ der Sandbox Survivals scheint zu scheitern.

Was funktioniert nicht?

Gerade im Multiplayer entwickeln Sandbox Survivals einen hohen Grad an Frustration. Da diese Spiele in ihrem Kern auf dem Ausbau zunächst des Charakters und danach ihrer Basis besteht, kann hier nahezu unendlich Zeit investiert werden für ein Ziel, das nicht endgültig erreicht werden kann. Die Sammelgier der Spieler bringt sie dazu, zweite Basen, Outposts und ähnliches zu errichten. Doch diese Arbeit wird für jeden Spieler irgendwann monoton. Ein Fortschritt kann ohne Optimum nicht definiert werden.

Dazu kommen PvP-Elemente, durch die Spieler häufig entweder ihre Basen oder ihre Ausrüstung verlieren. So kann wochenlange Arbeit in wenigen Stunden verloren gehen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob sie Schusswaffen, Gebäude, bunte Dinosaurier oder Sklaven sammeln. Spieler arbeiten auf ein nicht definiertes Ziel hin, nur um alles wieder zu verlieren.

Rust baseguide
Gerade in Rust ist Base-Raiding an der Tagesordnung. Auch gewaltige Festungen wie diese sind nicht sicher.

Sowohl Spieler und Entwickler versuchen dabei findig, diese Frustration zu umgehen: Von offizieller Seite gibt es PvE-Server oder Schutz gegen Offline-Raids, Spieler versuchen hingegen das System mithilfe von Community-Regeln oder Exploits auszutricksen. Das wiederum führt zur Abschottung der Spieler voneinander, sowie einer Unzufriedenheit aufgrund von Regelbrüchen oder unbequemen Veränderungen im Spiel. In der Konsequenz haben zahllose Spieler bereits zwischen den einzelnen Titeln gewechselt. Doch langfristig finden nur wenige hier ihr Zuhause.

Die Zukunft des Genres

Trotz ihrer sinkenden Spielerzahlen kann man bisher bei keinem der genannten Titel von einem Misserfolg sprechen. Millionenfache Verkäufe und die Platzierung in den Steam-Top-10 sprechen Bände für die Einnahmen, welche die verantwortlichen Studios bereits verbucht haben. Adventures und andere lineare Games halten sich vergleichsweise noch weitaus kürzer in den Charts. Und mit Dark and Light, Citade: Forged with Fire, oder Valnir Rok befinden sich noch einige weitere ambitionierte Genre-Titel in der Fertigung.

Ihre Hoffnung scheinen die Entwickler hierbei auf zunehmende KI-Einbindung für Quests und ingame-Events zu legen. Dazu kommen Fantasy-Elemente wie Magie, Götter und Fabelwesen. So setzen neuere Titel inzwischen Kurs auf ein Skyrim mit zähmbaren Tieren, Base Building und Survival-Elementen im Multiplayer – und vergessen dabei, dass Skyrim ohne all diese Features bereits weitaus erfolgreicher war als die meisten Sandbox Survivals zusammen.

Dark and Light Festung
Zurück zum RPG: Dark and Light bindet zahlreiche Quests und NPCs ein.

Birgt also die unendliche Freiheit den Schwachpunkt dieses Genres? Sind Spiele-Entwickler über ihr Ziel hinausgeschossen, als sie den Spielern komplette eigene Welten durch Multiplayer und Base Building schmackhaft machen wollten? Der Kurs auf jeden Fall geht wieder hin zum geleiteten Spielen und Begrenzungen im Base Building. Vielleicht werden wir in Zukunft ja sogar die Abkehr vom Multiplayer erleben.

Was ist eure Erfahrung mit Sandbox Survivals? Genießt ihr die vollkommene Freiheit oder wünscht ihr euch mehr Führung durch das Spiel? Schreibt uns in den Kommentaren!

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