Apex Legends Battle Royale

Was das neue Apex Legends einbringt, um sich von den Altlasten der großen Vorbilder zu befreien und damit für neue Impulse im scheinbar festgefahrenen BR-Genre zu sorgen, analysiert dieser Artikel.

Es ist noch keine zwei Jahre her, dass Battle Royale mit Playerunknown’s Battlegrounds seinen großen Durchbruch in der Videospielwelt feierte. Seitdem hat sich herausgestellt, dass das Genre “Last Man Standing” für Entwickler, die darin Fuß zu fassen versuchen, genauso gnadenlos sein kann wie das Spielprinzip an sich. Viele haben’s versucht und sind gescheitert.

Das lag vermutlich auch daran, dass man versuchte, auf dem Erfolg anderer aufzubauen, ohne selbst Innovationen voranzutreiben. Dieses Phänomen gab es nach 2013 im Survival-Genre schon einmal, als eine nicht enden wollende Welle von DayZ-Klonen über den Markt hinwegrollte.

Ähnliches ereignet sich seit Mitte 2017 auch mit Battle Royale. Das Subgenre des Survival wurde mit PUBG “das neue Ding”, das offenbar jeder spielen will. Jetzt, zwei Jahre später, erscheint Respawn Entertainments Apex Legends und markiert den Zeitpunkt, zu dem sich der Fokus des königlichen Modus nachhaltig ändern könnte.

Unverkennbare Wurzeln

Wer klassische Survival Games gespielt hat, findet sich im Battle Royale meist schnell zurecht. Schließlich diente das Genre als spielerische Vorlage, was man bei BR-Titeln vor allem an der Open World, dem Fokus auf Gunplay und am Inventar-Management merkt. Und auch der Aspekt “Ich muss überleben und alle anderen wollen mir ans Leder” erinnert stark an das PvP von Titeln wie DayZ oder Rust.

Apex Legends dagegen lässt an manchen Stellen Survival einfach Survival sein und schneidet sich lieber große Scheiben von Helden- und Taktik-Shootern wie Overwatch und Rainbow Six: Siege ab. Doch fangen wir am Anfang an, als Battle Royale noch ganz und gar grimmiges Survival-PvP war.

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Erste eigene Ideen, erste geplatzte Träume

Ein wenig Geschichte vorweg: Nach PUBG kam Fortnite, das heute wohl populärste Spiel der Welt. Hier kommen einige neue Elemente zur bekannten BR-Formel hinzu, konkret rudimentärer Basenbau und Verbarrikadierung. Klingt alles immer noch stark nach Survival.

Nach Fortnite kam zwar gefühlt lange nichts, doch in Wirklichkeit stimmt das nicht. Viele haben versucht, mit einer eigenen Interpretation von Battle Royale die Gunst der Millionen Spieler zu gewinnen. Einige sind aber bei dem Versuch, die großen Vorbilder PUBG und Fortnite zu kopieren, kolossal gescheitert.

Nehmen wir The Culling 2 und Radical Heights als Beispiel. Schnell zusammenprogrammierte Klone, die von der Spielerschaft eiskalt abgestraft und ignoriert wurden, bis sie schließlich mangels Spielern ihre Pforten dichtmachen mussten.

Mit Realm Royale konnte sich aber auch ein BR-Titel seine eigene treue Spielerbasis sichern. Als Activision schließlich mit Blackout eines der ersten richtigen AAA-Royales ankündigte, waren die Erwartungen entsprechend hoch. Auch dieses Spiel konnte sich, nicht zuletzt wegen der technisch überzeugenden Umsetzung, seinen Platz am Markt sichern.

Call of Duty: Blackout
Mit Blackout liefert Activision ein gutes Battle Royale, das aber auch seine Probleme hat.

Survival gleich Frust?

Aber auch Blackout schleppt Gamedesign-Altlasten von PUBG mit sich umher. Das Inventarmanagement ist zwar spürbar intuitiver und zeitsparender umgesetzt, bleibt aber trotzdem noch ein Faktor für Hirnkrämpfe, wenn gerade das Gefecht tobt und man versucht, diese eine wichtige Waffen-Modifikation umzubasteln.

All diese Titel bergen starke Frust-Erlebnisse, die zum Survival, geben wirs zu, irgendwie dazugehören. Keines dieser Spiele hat es geschafft (oder beabsichtigt), den Frust durch fummeliges Inventar, plötzliche und unerwartete Tode sowie schwierige Kommunikation aus dem Battle Royale zu entfernen.

Apex Legends Gameplay
Apex Legends bringt Features, die das Genre dringend braucht.

Ein Orkan frischen Winds

Apex Legends setzt seine eigene Duftmarke, die Fans des Genres bis in den letzten Winkel der Welt erschnuppern dürften. Der neue Free2Play-Shooter greift das Reglement von Battle Royale auf, gibt dir aber acht Helden mit speziellen Fähigkeiten zur Auswahl. Dann steckt es dich in ein Dreier-Squad und lässt dich gemeinsam mit 57 anderen Spielern über einer kompakten, aber abwechslungsreich gestalteten und hübschen Spielwelt abspringen.

Die Map selbst bietet auch spannende neue Features. Ein Luftschiff voll High-Level-Loot fliegt zufallsbedingt über die Map – wer gut abspringt und fliegt, kann direkt oben drauf landen. Markierte Hotzones zeigen an, wo es in der jeweiligen Runde besonders starke Beute gibt.

Die Heldenfähigkeiten von Apex Legends erfordern, dass du dich schon vor Rundenstart mit deinen Kollegen abstimmst. Taktik spielt von Anfang bis Ende eine entscheidende Rolle bei Erfolg oder Niederlage. Wie passt dein Skill zu dem deiner Teamkameraden? Habt ihr einen Heiler, einen Tank und einen Damage-Dealer? Wie nutzt du deine Skills am besten, um dir und deinem Team zu helfen?

Um all diese Fragen beantworten zu können, wortwörtlich im Spiel zu beantworten, kommt in Apex Legends ein einfaches und schier geniales neues Feature zum Battle Royale hinzu: Per Kreismenü kannst du Marker in der Spielwelt setzen, die deinen Kollegen angezeigt werden. So zeigst du mal eben, wo du einen Gegner gesehen hast. Oder du klickst direkt auf eine Versorgungskiste und zeigst damit an, wo es noch Loot zu holen gibt.

Die Abstimmung mit dem Team macht Spaß, bietet mehr taktische Tiefe und nimmt durch die gelungenen Kommunikations-Features auch viel Frust raus. Allgemein gibt es wenig Leerlauf, weniger vorsichtige Gelände-Beobachtung, dafür mehr explosive Action und coole Bewegungs-Manöver. Das Movement ist herrlich flüssig und wurde etwa durch Ziplines und Berge-Runterrutschen sinnvoll erweitert.

Noch eine interessante Neuerung bei Apex Legends: Wenn ein Teammitglied ausgeknockt wird, kannst du es wie gehabt wiederbeleben. Stirbt er schließlich, ist die Runde für den Kollegen aber immer noch nicht vorbei. Wenn du binnen weniger Minuten den Chip von der Leiche birgst, kannst du den toten Kumpel an einer der auf der Map von Apex Legends verteilten Respawn-Stationen wiederbeleben. Somit besteht selbst nach dem  Tod noch eine Chance, zurückzukommen und die Runde zu gewinnen. Vorausgesetzt, deine Kollegen machen von den vielen taktischen Features auch Gebrauch, was aber meistens tatsächlich überraschend gut klappt.

Mach den Mund auf, auch ohne Voice-Chat

Die Abstimmung mit dem Team klappt auch ohne Voice hervorragend. Zu den oben erwähnten optischen Signalen ruft deine Spielfigur nämlich auch einen passenden Kommentar, sodass die Kollegen in deiner Nähe sofort wissen, was du ihnen da zeigen willst. “Da ist ein Gegner!”, “Dort ist eine geöffnete Versorgungskiste, vielleicht sind Gegner in der Nähe.”, “Lass uns da lang gehen.” “Dort liegt eine Rüstung, Level 3. (!)”. So musst du dich beim Spielen oft nur auf deine Ohren verlassen, um die Umgebung genau einschätzen zu können.

Apex Legends bietet mehr Features, die sowohl Komfort als auch Spielfluss merklich positiv beeinflussen. Waffen-Mods beispielsweise legen sich bim Aufsammeln automatisch an die Stellen, wo sie bei den Waffen im Besitz hingehören. Freilich kannst du die Items immer noch per Hand umwechseln, etwa wenn du ein anderes Visier benutzen möchtest.

Dennoch ist das nötige Inventar-Management auf ein Minimum beschränkt, was erheblich dazu beiträgt, dass sich Apex Legends schnell und flüssig spielt. Sogar, wenn du eine ganz neue Waffe aufhebst, wechselt das Spiel die angelegten Mods automatisch um. Kein Gefummel mehr, welch eine Befreiung!

Dass sich das Gunplay präzise, direkt und befriedigend anfühlt, war bei den Entwicklern von Titanfall 2 nicht anders zu erwarten. Auch die Auswahl der Schießprügel sollte für jeden Geschmack das richtige dabeihaben.

Warum ich Apex Legends gut finde

Ich denke, Apex Legends bietet vieles, das Battle Royale auch für ausgebrannte PUBG– und Fortnite-Veteranen wieder spaßig macht. Es ist, als ob mir beim Spielen eine Last von den Schultern genommen wurde, deren erdrückendes Gewicht ich schon gar nicht mehr bemerkt hatte. Mit dem neu gewonnenen Gefühl komfortfunktioneninduzierter Leichtigkeit hüpfe ich nun wie ein junges Reh durch die Königsschlucht.

Apex Legends hat das Zeug, das Battle-Royale-Genre umzukrempeln, weil es Frust minimiert und dadurch den Spielspaß erhöht. Dass dafür das Entfernen vieler Survival-Elemente nötig war, hat mich übrigens selbst ziemlich überrascht. Was dabei rauskommt, ist ein taktischer Helden-Shooter, bei dem es am Ende einer Partie nur ein Sieger-Team gibt. Aber von klassischem Survival, wie wir bei Survivethis es lieben, spürt man bei Apex Legends fast nicht mehr. Fans von flüssigen Multiplayer-Shootern kommen aber ziemlich sicher auf ihre Kosten.

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